Fall in Dudenhofen lässt viele Fragen offen

Tödliche Schießerei: Ermittlungen gegen vier Beamte

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Bild vom Tatort in Rodgau-Dudenhofen. Weitere Motive in der Galerie.

Dudenhofen - Zwei Tage nach dem tödlichen Schusswechsel in der Feldbergstraße sind noch viele Fragen offen. Warum musste der 74-jährige Dudenhöfer sterben? Wer schoss wie oft? Suchten die Behörden vor den Schüssen nochmals das Gespräch? Von Ekkehard Wolf 

Klar ist, warum der Rentner Schusswaffen im Haus hatte: Er war Jäger. Erst kürzlich hatte die Kreisverwaltung seinen Jagdschein verlängert. Der 74-Jährige wurde am Sonntag gegen 6.50 Uhr tödlich verletzt. Mehrere Beamte eines Sondereinsatzkommandos (SEK) gaben Schüsse ab. Der 74-Jährige schoss seinerseits auf die Beamten. Wer zuerst schoss, ist nicht bekannt. Das Landeskriminalamt (LKA) nannte keine Einzelheiten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jedoch derzeit gegen vier Beamte eines Spezialeinsatzkommandos wegen fahrlässiger Tötung. Bei der Schießerei hätten alle vier geschossen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Offenbach. Die Aufklärung des Falls gestaltet sich aber schwierig. „Es handelt sich um eine unübersichtliche Situation“, bestätigte ein Sprecher. „Das wird noch eine geraume Zeit dauern.“ Eine Obduktion soll die Todesursache klären und aufzeigen, welche Schüsse tödlich waren. „Vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen kann ich zum Ablauf des Geschehens aktuell keine Auskünfte erteilen“, teilte LKA-Pressesprecher Christoph Schulte gestern mit. Zum persönlichen Hintergrund des Erschossenen werde er wegen des Persönlichkeitsschutzes nichts sagen.

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei sollte der Rentner aus Dudenhofen gegen seinen Willen in einer Klinik untergebracht werden. Er habe laut Zeugenaussagen an einer chronischen Krankheit gelitten. Zudem soll er gedroht haben, bei einer zwangsweisen Einlieferung die Situation eskalieren zu lassen. Ob die Behörden am Sonntag nochmals das Gespräch mit dem Betroffenen suchten, sagte das LKA auf Anfrage nicht. Aber warum musste der Mann sterben? Auch diese Frage können wohl erst weitere Ermittlungen beantworten. „Erstes Ziel ist immer Kampfunfähigkeit“, erklärte Christoph Schulte. Ein derartiger Einsatz sei jedoch „eine völlige Ausnahmesituation, auch für die eingesetzten Beamten“. Wie oft SEK-Beamte im Dienst andere Menschen töten, konnte der LKA-Sprecher nicht sagen: Dazu gebe es in Hessen keine Statistik. Die Fallzahl dürfte gering sein. Diesen Schluss legt die von Journalisten betriebene Internetseite sek-einsatz.de nahe. Demnach nahm das SEK Frankfurt in den ersten zwei Jahrzehnten seines Bestehens (1974 bis 1995) mehr als 7 700 Festnahmen vor, wobei die Beamten in zehn Fällen schießen mussten.

Tödliche Schüsse in Rodgau

Der 74-jährige Dudenhöfer war Jäger und besaß mehrere legale Waffen. Dies erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Offenbach am Montag gegenüber der Deutschen Presseagentur. Ähnlich wie ein Waffenschein ist auch ein Jagdschein an enge Voraussetzungen gebunden. Die Erlaubnis gilt höchstens drei Jahre. Bei jeder Verlängerung muss die Behörde die Zuverlässigkeit des Inhabers überprüfen. Für Rodgau ist die Kreisverwaltung in Dietzenbach zuständig. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes gibt es in Hessen 24.377 Jagdscheininhaber (2014). Vor der Ausstellung oder Verlängerung werden zentrale Register abgefragt und Stellungnahmen der Polizei angefordert. Eine Regelanfrage beim Gesundheitsamt kommt nach einem Erlass des hessischen Innenministeriums von 2012 nicht mehr in Betracht.

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Aber wie kann es sein, dass ein Kranker, der zwangsweise in eine Klinik eingewiesen werden soll, noch Waffen besitzt? „Uns lag in diesem Fall kein Hinweis auf eine psychische Störung vor, die ein Einschreiten erforderlich gemacht hätte“, berichtet Kreis-Pressesprecherin Kordula Egenolf. Der Mann aus Dudenhofen sei erst in diesem Jahr im Kreishaus gewesen, um seinen Jagdschein verlängern zu lassen. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung sei nicht erkennbar gewesen. Die Schießerei vom frühen Sonntagmorgen beschäftigt weiterhin viele Menschen in Rodgau, nicht nur im Wohngebiet um die Feldbergstraße und den Saalburgring. Nach den Schüssen mussten die Anwohner zunächst in ihren Häusern bleiben. Sie durften nicht einmal zum Brötchenholen gehen. Manche fragten sich, warum die Feuerwehr vor Ort war. Hier ist die Antwort: Die Polizei hatte um Amtshilfe gebeten, um Sichtschutzsegel aufzustellen.

Quelle: op-online.de

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