Schüler blickt hinter die Kulissen der katholischen Kirche

Praktikum beim lieben Gott

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„Wir hätten nichts dagegen, wenn mehr Schüler bei uns Praktikum machen würden. Es hat uns gefallen, wie interessiert Christoph ist und wie viel er von sich aus nachgefragt hat“, lobt der Offenbacher Pfarrer Hans Blamm seinen Schützling Christoph Ladwig.

Rodgau - Gewöhnlich bevorzugen Jugendliche für ihr Schulpraktikum populäre Stellen wie eine Kfz-Werkstatt, die Polizei oder einen Tierarzt. Christoph Ladwig aus Nieder-Roden ging einen anderen, einen speziellen Weg. Er blickte bei der katholischen Kirche hinter die Kulissen. Von Bernhard Pelka 

Ein Schulpraktikum bei der Kirche ist die Ausnahme. Meist bevorzugen Jugendliche vordergründig spannendere Stationen – etwa bei der Feuerwehr. Ganz oben auf der Wunschliste stehen Autohäuser. „Für mich war aber die Kirche interessanter“, sagt Christoph Ladwig. Diese Einstellung kommt nicht von ungefähr. Der 13-Jährige stammt aus gut katholischem Elternhaus. In seiner Heimatgemeinde St. Matthias in Nieder-Roden gehört er seit Jahren zu den Messdienern. Außerdem möchte er gerne Gemeindereferent werden. Was lag bei diesem Berufswunsch also näher als ein Praktikum bei der Kirche?

Auch Pfarrsekretärin Hannelore Lehmann (St. Marien) ließ sich bei ihrer Arbeit gern über die Schulter blicken.

14 Tage lang fand er in den Offenbacher Gemeinden St. Paul und St. Marien freundliche Aufnahme. Jeden Tag erlebte der junge Mann in Begleitung von Diakon Oliver Schäfer und Pfarrer Hans Blamm etwas Neues. In der Ernst-Reuter-Schule im Offenbacher Stadtteil Rumpenheim verfolgte er, wie Gemeindereferentin Susanne Pfeffer Religion und Deutsch unterrichtete. „Es hat mir sehr gefallen, wie sie mit den Kindern umgegangen ist“, beschreibt Christoph Ladwig seine Eindrücke. Beeindruckt hat ihn auch ein Hausbesuch von Pfarrer Blamm bei einem älteren Ehepaar – mit Spendung der Kommunion und der Krankensalbung. Unvergessen wird das große Engagement der Helferinnen und Helfer bei der Lebensmittelausgabe in St. Marien bleiben. „Das machen die Leute dort alles ehrenamtlich“, sagt er bewundernd. „Sie waren froh, dass ich dabei war und die Kisten gut schleppen konnte.“ Der Kindergarten von St. Paul, die Pfarrbüros in St. Marien und St. Paul, die Katholische Jugendzentrale und ein Besuch beim Caritasverband waren weitere Programmpunkte. Gerne ließen sich die Pfarrsekretärinnen Hannelore Lehmann und Ingrid Winkler-Löw bei ihrer Arbeit über die Schultern blicken. An einer Trauerfeier auf dem Friedhof nahm Christoph Ladwig als Messdiener teil und trug das Kreuz.

Beide Pfarrgemeinden sparten beim großen Blick hinter die Kulissen selbst sensible Bereiche nicht aus. Mit Einverständnis der Beteiligten nahm der Praktikant aus Rodgau deshalb sogar an Taufgesprächen an einem großen Mitarbeitergespräch der Offenbacher Pfarrgruppe Innenstadt und an einem Vorbereitungskurs auf die Erstkommunion teil. Am meisten beeindruckt haben den Schüler die Lebensmittelausgabe und der Hausbesuch. Das Praktikum hat ihn in seinem Berufswunsch bestärkt. Pfarrer Blamm bedauert, dass Jugendliche nur selten diesen Weg wählen. „Die Kirche ist viel interessanter, als die meisten vermuten.“ Christoph Ladwig kann das nur bestätigen.

Quelle: op-online.de

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