Erweiterung macht Fortschritte

Seltener Einblick ins Opel-Testcenter

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Die „Lange Gerade“ entlang der Landesstraße Dudenhofen - Babenhausen ist zum größten Teil asphaltiert, das kreisrunde „Skidpad“ folgt im nächsten Jahr. Das Luftbild zeigt eine Hälfte der neuen Teststrecke mit Blick nach Dudenhofen. Rechts ist ein Teil der Rundbahn zu sehen.

Dudenhofen - Die Erweiterung des Opel-Testcenters macht sichtbare Fortschritte. Neben der Landesstraße 3116 zwischen Dudenhofen und Babenhausen entsteht eine schnurgerade Piste mit einem kreisrunden Platz am Ende. Die „Lange Gerade“ soll im August fertig sein. Von Ekkehard Wolf 

Flakgranaten aus dem Zweiten Weltkrieg erschweren die Bauarbeiten. Auto- und Radfahrer auf der L 3116 können den Fortschritt der Arbeiten täglich beobachten. Solche Einblicke sind ungewöhnlich: Der Testbetrieb läuft seit 1966 im Schutz der Bäume ab. Auch die umfangreiche Bautätigkeit der vergangenen Jahre fand innerhalb statt. Seit 2013 erweitert der Autokonzern sein Versuchsgelände nach Nordwesten. Neue Strecken sind notwendig, um alle gesetzlich geforderten Tests zu fahren. Die „Lange Gerade“ ist 2 100 Meter lang und bis zu 30 Meter breit. Dort sind unter anderem Tests für Lenkmanöver, Kurvenverhalten und Reifenabstimmung vorgesehen. Auch der so genannte Elchtest darf nicht fehlen.

Diese Prüfungen finden zurzeit auf dem früheren Nato-Flugplatz bei Pferdsfeld im Hunsrück statt. Opel konzentriert seinen Testbetrieb nun in Dudenhofen. „Ende September werden wir Pferdsfeld an den Eigentümer zurückgeben“, sagt Dr. Matthias Schollmaier, der Chef der Opel-Teststrecken in Europa. Etwa 50 bis 100 Mitarbeiter wechseln nach Rodgau. Einige haben dann dort ihren ständigen Arbeitsplatz, andere pendeln zwischen Dudenhofen und dem Entwicklungszentrum Rüsselsheim.

Ausgeklügelte Konstruktionen

Jede einzelne Teststrecke ist eine ausgeklügelte Konstruktion. Die neue Piste neben der L 3116 macht dabei keine Ausnahme. Sie enthält unter anderem zwei Bremsstoppzonen aus Beton - eine davon ist im Luftbild als heller Streifen zu erkennen. Ihre Oberfläche ist mit einem so genannten Besen-Querstrich abgezogen, um die maximale Reibung zu erhalten. Beim Abbremsen aus 120 oder 140 km/h treten in den Bremsen extrem hohe Kräfte auf.

Am Babenhäuser Ende der „Langen Geraden“ wird eine ganz besondere Steilkurve gebaut. Sie ist so gekrümmt, dass man ohne Fliehkraft beschleunigen kann. „Man kommt mit 140 km/h auf die gerade Strecke, als hätte man einen Kilometer Anlauf genommen“, erklärt Dr. Schollmaier. Diese Spezialkurve, eine so genannte Klothoide, ist ein Zugeständnis an die örtliche Situation: „Die lange Gerade ist zwei Kilometer lang, weil das Grundstück nicht mehr hergibt. Eigentlich brauchen wir drei Kilometer. Den fehlenden Kilometer haben wir in die Wendeschleife gewickelt.“

Baumrodung für Opel-Testcenter

Eine kreisrunde Fläche gegenüber der Gärtnerei Wolf wird nächstes Jahr zu einem „Skidpad“ ausgebaut, um die Fahrdynamik zu testen. Der Kreis mit 300 Meter Durchmesser ersetzt eine kleinere Fläche aus dem Jahr 1966. Noch ist dort der Kampfmittelräumdienst unterwegs. Allein am Skidpad wurden mehr als 500 Flakgranaten aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. An der „Langen Geraden“ lagen mehrere tausend Stück der 20-Millimeter-Munition. „Der Wald ist komplett verseucht“, berichtet der Leiter des Testcenters. Fast alle Granaten seien noch scharf. Viele müssten vor Ort gesprengt werden.

Die „Lange Gerade“ ist nicht die einzige Baustelle. Eine Werkstatt zur Fahrwerksentwicklung mit Büros für 30 Ingenieure ist so gut wie fertig. Dazu gehört ein Lager für 8 000 Räder und Reifen. Zudem hat Opel das unterirdische Leitungsnetz erneuert - Wasser, Abwasser, Energie, Datenkabel. „Die alte Infrastruktur stammte noch von 1966“, so Dr. Schollmaier: „Jetzt sind wir für die nächsten 15 Jahre gerüstet.“

Quelle: op-online.de

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