SOS-Helferkreis Nieder-Roden

Stricksocken für Waisen

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Die Damenrunde hat auch viel Spaß bei der Arbeit: Vera Weber, Gerlinde Wolf, Gisela Weick, Marga Weiland und Jutta Scharnow (von links). 

Nieder-Roden - Glückwunschkarten, Geschenkanhänger, warme Strümpfe und Pullover: Die Damen vom SOS-Helferkreis Nieder-Roden sind unermüdlich. Seit 1967 engagieren sie sich, um die Kinderdörfer in aller Welt zu unterstützen. Von Simone Weil 

Die ehrenamtlich arbeitenden Gruppen sind vertreten beim Ostermarkt, Frühlingsmarkt, dem SOS-Tag, der Kunstschau im Bürgerhaus, dem Nikolausmarkt und anderen Veranstaltungen. Wenn am ersten Adventssonntag, 30. November, ab 10 Uhr der Markt im Bürgerhaus Nieder-Roden über die Bühne geht, haben wieder zahlreiche Hände mitangepackt, um zum Gelingen der Hilfsaktion beizutragen. Seit Wochen wird im Strickkreis unermüdlich gearbeitet, pausenlos wird gestrickt und vernäht. Ausnahmsweise kommen die Damen bei Vera Weber zusammen, um ihre Produkte zu begutachten, vor allem aber auch, um über die Preisgestaltung zu beraten. Vor allem die schönen warmen Socken sind gefragt. In fast allen Farben sind diese zu haben und kosten etwa in Größe 38 zwölf Euro. Für ein Paar brauchen die Frauen zwischen 15 und 20 Stunden.

Zu den Grundsätzen des Strickkreises gehört es, dass keine Wolle gekauft wird, gearbeitet wird also nur mit gespendetem Garn und Resten. Warum die Damen die Handarbeiten für den guten Zweck machen? „Ich werde nervös, wenn ich nichts in der Hand habe“, gesteht Vera Weber. Mitstreiterin Jutta Scharnow sagt: „Sonst schlafe ich ein vorm Fernseher.“ Ihrer Gruppe macht es Spaß zu stricken, sich regelmäßig zu treffen und sich gleichzeitig für eine gute Sache einzusetzen. Außerdem glauben sie „Stricken hält uns jung“. Denn den Damen zwischen 70 und 89 Jahren ist ihr Alter wirklich nicht anzusehen.

Verkaufen statt stricken

Marga Weiland gibt zu, dass sie nicht strickt. „Dafür ist sie aber eine tolle Verkäuferin“, meinen die anderen Frauen. Denn die braucht es auch. Und kurze Zeit später stellt sie ihr Talent auch unter Beweis: Als ich mich nicht entscheiden kann, welches Paar Strümpfe ich kaufen soll, rät sie: „Nehmen Sie beide!“

Trotz des großen Erfolgs ihrer Arbeit, würden sich die Damen Nachwuchs wünschen. Denn das Stricken hat eine Renaissance erlebt. Doch die Riege ahnt, dass es der Zeitpunkt am Vormittag ist, der die jüngeren Frauen abhält, zu ihnen zu kommen.

Was beim Strickkränzchen entsteht, ist toll: Die dicken Socken etwa machen sich nicht nur im Wanderschuh gut, sondern dienen daheim als Ersatz für Hausschuhe und halten im Winter die Füße kuschelig warm. Außerdem stricken die fleißigen Handarbeiterinnen Pullover, Westen, Jacken, Decken, Plaids und noch einiges mehr. Die Frauen haben einen festen Kundenstamm und verkaufen privat das ganze Jahr über. Deswegen geht es mit dem Werkeln auch immer weiter: Denn nach dem Nikolausmarkt ist ja bekanntlich vor dem Nikolausmarkt. Auch beim Bastelkreis wird rasant gewerkelt: Etwa 18 Frauen haben sich im Sozialzentrum am Puiseauxplatz eingefunden, um Bildchen auszuschneiden, aufzukleben und Karten und Geschenkanhänger zu verzieren. Dabei wird auch erzählt und gelacht: Diese tolle Gemeinschaft und dass

sie gleichzeitig etwas Gutes tut, ist für viele Teilnehmerinnen ein Ansporn, sich zu engagieren. Vor 47 Jahren begann der von Helga Hoffmann gegründete SOS-Helferkreis mit dem Spendensammeln. Die Rodgauer Hilfe hat Einrichtungen in der Pfalz, Brandenburg, Sachsen, Russland, Paraguay und Chile erreicht. Dank des Engagements der Aktiven im Alter von 37 bis 87 Jahren kamen bei mehr als 100 Veranstaltungen mehr als 695.660 Euro zusammen.

Jeweils ein Drittel der Einnahmen des SOS-Helferkreises geht diesmal an ein Kinderdorf in der Pfalz, in Brandenburg und in Nigeria. Die SOS-Kinderdörfer sind eine Zuflucht und Heimat für elternlose Kinder. Mit den Spenden werden außerdem auch Kindergärten, Jugendeinrichtungen, Schulen und Berufsbildungszentren sowie Familienhilfsprogramme finanziert.

Quelle: op-online.de

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