Planung setzt Vorschläge aus der Bevölkerung um

Spielplatz am Tucholskyweg in Hainhausen eröffnet

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In der Nestschaukel fühlen sie sich sichtlich wohl: Diese Drei aus der städtischen Kita Hainhausen gehörten gestern zu den ersten Nutzern des neuen Spielplatzes.

Hainhausen - Hinter der Lärmschutzwand der Südtrasse können jetzt Kinder spielen. Der Spielplatz am Tucholskyweg ist seit gestern in Betrieb. Das Besondere daran: Die Planung basiert auf Vorschlägen von Bürgern aus dem angrenzenden Wohngebiet.

Kinder aus der Kita Robert-Koch-Straße waren die ersten, die den neuen Spielplatz für sich eroberten. Sie baggerten Sand auf der Sandbaustelle, versetzten den Drehtisch in Schwung und probten Höhenflüge auf der großen Nestschaukel. Zum Schluss gab es für jedes Kind einen Henkelbecher und Tee zum Aufwärmen. Bewusst hatte der Magistrat keine feierliche Eröffnung inszeniert. „Die Kinder stehen im Mittelpunkt“, so Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Der Spielplatz am Tucholskyweg ist das Ergebnis einer neuen Form der Bürgerbeteiligung. Erstmals erprobte die Stadt das so genannte Charrette-Verfahren. Dabei konnten interessierte Bürger nicht nur ihre Ideen formulieren, sondern auch gleich mit Fachleuten aus dem Rathaus erörtern. Vor den Augen aller Beteiligten griff Landschaftsarchitektin Barbara Katzer aus Großkrotzenburg zum Zeichenstift und verwandelte die Ideen in eine erste Planungsskizze.

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Die Stadt sei damit einen mutigen Weg gegangen, sagte Peter Kämmerling, der im Rathaus den Fachdienst Grün und Stadtplanung leitet. Das Ergebnis: „So, wie der Spielplatz steht, ist er tatsächlich dort entwickelt worden.“ Dieser Spielplatz sei „eine extrem schwierige Planungsaufgabe“ gewesen, erläuterte Kämmerling. Der Architektin sei es gelungen, das schlauchförmige Gelände in mehrere Teilräume zu gliedern und eine Vielfalt an Spielmöglichkeiten unterzubringen. Das Resultat sei überzeugend: „Das Geld, das wir hier ausgegeben haben, hat sich wirklich gelohnt.“ Etwa 30 Erwachsene und Kinder hatten sich im Sommer letzten Jahres zum Charrette-Nachmittag am Tucholskyweg getroffen. Damals war das Gelände noch eine Wiese, auf der Anwohner ihre Autos abstellten.

Nicht alle Wünsche ließen sich verwirklichen. Die Gründe dafür wurden an Ort und Stelle ausdiskutiert. Eine Seilbahn zum Beispiel kam nicht in Frage, weil sie viel Fläche verbraucht und beim Fahren unvermeidlichen Lärm erzeugt. Ein Wasserspielplatz scheiterte an den hohen Kosten. Eine Hecke vor der Lärmschutzwand hätte auf dem schmalen Gelände zu viel Platz verbraucht. Stattdessen schlug Landschaftsarchitektin Barbara Katzer vor, die Wand zu bemalen. Nun blicken Spielplatzbesucher und Anwohner auf eine Phantasielandschaft, auf der es viel zu entdecken gibt, etwa einen See mit Ruderboot oder den Jügesheimer Wasserturm. „Nur die Wasserburg fehlt“, merkt der Hainhäuser Stadtverordnete Ewald Simon an. Aber auch in Wirklichkeit liegen die Mauerreste unter einer Wiese.

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Die großflächige Wandmalerei ist eine Arbeit von Carlo Zilch aus Jügesheim, der bereits die Skateranlage am Badesee zu einem bunten Blickfang gemacht hatte. Auch für den Spielplatz erwies sich der Künstler als Glücksgriff. Er sei mit Herzblut bei der Sache gewesen, würdigt die Planerin. „Und er war fleißig“, lobt Jürgen Kraatz, der in der Nähe wohnt. Sogar am Wochenende habe er den Maler bei der Arbeit gesehen.

Der Spielplatz ist für Kinder bis zum Alter von acht Jahren gedacht. Dort gibt es unter anderem eine Nestschaukel, eine Kleinkinderschaukel, Geräte zum Balancieren und Klettern, Sitzgelegenheiten für Erwachsene, Büsche und Bäume und einen Zaun mit Tür, damit Kleinkinder nicht auf die Straße laufen. Ein Teil des Platzes bleibt vorerst gesperrt, weil der Rasen wegen der langen Trockenheit noch nicht angewachsen ist. Der neue Spielplatz hat rund 104.000 Euro gekostet, davon entfallen 83.000 Euro auf die Baukosten. Bürgermeister Hoffmann ist begeistert: „Dafür ist etwas Wundervolles entstanden.“

eh

Quelle: op-online.de

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