Das Handy als Übungsleiter

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Johannes Schüler, Hendrik Otto, Joshua Bitterberg und Dawid Stachurski (von rechts) finden Sport-Apps zwar interessant, richtigen Sport - etwa im Studio oder im Verein - könne das aber nicht ersetzen, meinen die Jungs aus der Stauffenberg-Schule.

Rodgau - Smartphones sind kleine Alleskönner. Zum Beispiel dienen sie als Trainer in der Hosentasche. Sport-Apps machen’s möglich. Von Bernhard Pelka 

Waschbrettbauch oder Schwabbelspeck? Spätestens jetzt wird es höchste Zeit, an der Badehosenfigur für den Sommer zu feilen. Wer nicht im Fitnessstudio oder im Vereinssport schwitzen möchte, kann sich auf sein Smartphone Sport-Apps herunterladen. Was halten Jugendliche davon?

Wer die Quälerei mit Abnehmdrinks leid ist, fährt mit sportlichen Trainingseinheiten vielleicht besser. Smartphones spielen dabei eine immer größere Rolle. Denn die kleinen Alleskönner dienen auch als elektronische Übungsleiter. Die App „Nose Push Up“, zum Beispiel, animiert zu Liegestützen. Einfach in Liegestützposition gehen. Zuvor das Handy unters Gesicht legen, dann mit der Nase das Display berühren. Die App zählt jede Berührung zählt mit. Oder „GymPact“: Dabei gewinnen fleißige Sportler von Faulenzern Geldpreise. Außerdem kann man Wetten abschließen, zu welcher Leistung man fähig ist. Dabei erschwert die Elektronik das Schummeln. Per GPS-Daten überprüft die App, ob tatsächlich vom Sportstudio aus gesendet wird.

Isabel, Julia und Kirsten (von links) nutzen Sport-Apps sporadisch zum Fitnesstraining.

Wie bewerten Jugendliche solche Sport-Apps? Helfen sie wirklich dabei, den inneren Schweinehund zu überwinden? Wir fragten Jugendliche an der Claus-von-Stauffenberg-Schule in Dudenhofen. Johannes Schüler, Hendrik Otto, Joshua Bitterberg und Dawid Stachurski finden solche Apps zwar ganz lustig. „Das Sportstudio oder den Vereinssport ersetzen können sie aber nicht. Das ist nichts Ernsthaftes. Das lädt man sich höchstens zum Spaß herunter.“ Das wissen offenbar auch manche Anbieter. Und setzen auf eine Kombination aus Nervenkitzel und Sport. Etwa die App „Zombies, Run!“ Sie ist eine Mischung aus Laufsoftware und Horrorgeschichte. Dabei rennt der Spieler um sein eigenes Leben, während die Untoten ihn unerbittlich verfolgen.

„In der Gruppe ist Sport besser“

Auch die Schülerinnen Kirsten, Julia und Isabel haben ihre Handys schon als Fitnesstrainer benutzt. Kirsten hat sich die App „Runtastic“ als Lauftraining heruntergeladen, nutzt sie inzwischen aber weniger als früher. „In der Gruppe ist Sport besser. Zum Beispiel im Verein. Sich immer alleine zu motivieren, ist manchmal ganz schön schwer“, sagt die 15-Jährige.

Das sieht Julia ähnlich. Sie hat die App „Weight loss Workout“ auf ihrem Smartphone. „Meistens gehe ich aber lieber Joggen.“ Isabel kennt ihre Sport-App „Freeletics“ aus dem Training bei der SG Nieder-Roden. „Wir haben das dort abwechselnd mit Fit-Boxen gemacht. Und einige wenige Mal auch im Judo bei TGM SV.“ Die digitale Trainingsunterstützung hat viele Gesichter. Etliche Programme ermitteln per GPS die Geschwindigkeit beim Wandern, Joggen oder Radfahren, zeigen den Kalorienverbrauch an und dokumentieren auf einer Karte die zurückgelegte Strecke. Auch erfassen die Geräte Höhenunterschiede. Manche messen sogar den Puls.

Einige Apps erläutern mit Bildern und Videos, wie man die Übungen richtig ausführt. Wer will, kann Trainingseinheiten und Trainingspläne speichern, die Ergebnisse vergleichen und auf Facebook oder in anderen sozialen Netzwerken mit Freunden teilen. Im Internet werben die Hersteller mit eindrucksvollen Vorher- Nachherbildern für die Vorzüge ihrer Programme. Grundversionen sind meist kostenlos. Wer mehr möchte, muss zahlen.

Die Tricks der Daten-Hacker

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Gute Erfahrungen mit der modernen Trainingsmethode macht Thomas Lutz. Der junge Mann absolviert bei der TGS Jügesheim gerade sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Zugleich ist er in der Sparte Fußball als Trainer der F-Jugend aktiv und spielt in der A-Jugend selbst mit.

Um die Ergebnisse seiner kleinen Schützlinge nach dem Spiel an den Kreisleiter und mithin den Hessischen Fußballverband so schnell und so unkompliziert wie möglich zu melden, nutzt Lutz die Apps „Fußball.de“ und „DFBnet“. „Da kann man auf alle Verbände zugreifen und Ergebnisse vergleichen. Man weiß sofort, wo die eigene Mannschaft steht.“ Um an Trainingsplänen zu feilen, hat sich der FSJ’ler die App „My F.C.“ (My Football Creator) heruntergeladen. „Da hat man auch einen Einblick, wie andere Trainer das machen und seine eigenen Übungen anbieten“, beschreibt der 18-jährige Heusenstammer die Stärken des Fußball-Managementsystems.

Weitere Beispiele:

  • Die App „Runkeeper“ bietet ein ähnliches Leistungspaket die „Runtastic“. Dazu gehören unter anderem die Wegstreckendaten.
  • Die App „Tägliches Bauchmuskeltraining“ geht gezielt gegen den Bauchspeck vor. Videos zeigen, wie’s richtig geht. Wer das beherzigt, bei dem purzeln die Pfunde. Wichtig ist allerdings eine Umstellung der Ernährung. Hier kommen dann am besten Ärzte und ausgebildete Fitnesstrainer ins Spiel. Ganz ohne fachkundigen Rat geht es also nicht. Fazit: Sport-Apps sind zwar eine sinnvolle Ergänzung zum eigentlichen Sport. Mehr aber auch nicht.
  • Als „App“ (Abkürzung für den Fachbegriff Applikation) bezeichnet man Anwendungssoftware für Smartphones und Tabletcomputer.

Quelle: op-online.de

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