Sportkreis würdigt  Engagement der SV Weiskirchen für Flüchtlinge

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Die beiden Vorsitzenden der Sportvereinigung, Annemarie Jonas (Mitte) und Albert Frühwacht (rechts), haben zwei mal 500 Euro für die Arbeit mit Flüchtlingen entgegengenommen. Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel (Zweiter von rechts) und Landrat Oliver Quilling (Zweiter von links) überreichten das Geld. Links: Erwin Kneißl, der Integrationsbeauftragte des Sportkreises Offenbach.

Weiskirchen - Die Sportvereinigung Weiskirchen (SVW) hat ein Herz für Flüchtlinge. Zwischen zehn und 15 Asylbewerber trainieren im Verein, knüpfen soziale Kontakte und festigen ihre Deutschkenntnisse. Von Ekkehard Wolf

Der Sportkreis Offenbach bezeichnet das Engagement der Weiskircher als vorbildlich.  „Das sollte in die anderen Vereine ausstrahlen“, sagt Erwin Kneißl, der Integrationsbeauftragte des Sportkreises. Weniger als zehn der 365 Sportvereine im Kreis bemühten sich derart intensiv um Flüchtlinge.

Laut Vorstandsbeschluss verzichtet die SVW auf den Mitgliedsbeitrag. Nur das Training in der Kraftsportabteilung ist nicht kostenlos. Der Verein erhebt dafür einen Beitrag von fünf Euro im Monat. Dafür üben die Asylbewerber nicht abends, sondern in den Morgen- oder Mittagsstunden, wenn die Geräte kaum ausgelastet sind. Dass sich die Sportvereinigung Weiskirchen für Flüchtlinge öffnet, ist der Initiative von Annemarie Jonas zu verdanken. Die Ortsvorsteherin steht gemeinsam mit Albert Frühwacht an der Spitze des Vereins. Sie war Ende 2013 eine der Ersten, die sich ehrenamtlich um die Neuankömmlinge kümmerten.

Auf Anregung des Magistrats ist seither ein Netz von mehr als 100 Freiwilligen entstanden, die das Wort „Willkommenskultur“ in allen Stadtteilen mit Leben füllen. Auch der Kreis Offenbach sei dankbar für diese Form nachbarschaftlicher Hilfe, betont Landrat Oliver Quilling. Es gehe um Menschen, die eine dramatische Flucht hinter sich haben. Die Stadt Rodgau hat laut Quilling bisher 153 Flüchtlinge aufgenommen. Die Gemeinschaftsunterkunft, die der Kreis gerade in Nieder-Roden baut, ist voraussichtlich erst im Mai bezugsfertig - zwei Monate später als angekündigt.

Sportvereine tragen zur Integration bei

Ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen ist nicht alles, was Menschen in einer neuen Umgebung brauchen. Gerade Sportvereine können zur Integration beitragen. „Das ist die einfachste Art, Flüchtlinge in die Gemeinschaft aufzunehmen“, meint Quilling. Die SV Weiskirchen hat das früh erkannt. Zur Unterstützung dieser Arbeit überreichte Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel jetzt 500 Euro an den SVW-Vorstand. Das Geld stammt aus dem hessischen Innenministerium. Die Sparkasse Langen-Seligenstadt steuerte weitere 500 Euro bei.

Sportvereine, die bei jugendlichen Flüchtlingen auf Mitgliedsbeiträge verzichten, können sich den Beitragsausfall übrigens erstatten lassen. Der Kreis bezahle auf Antrag bis zu zehn Euro pro Person und Monat, so Dinkel. Die Frage des Geldes ist für die Weiskircher zweitrangig. „Es macht unheimlich Spaß, mit den Jungs zu arbeiten“, sagt Kai Neumann, der bei der Sportvereinigung sein Freiwilliges Soziales Jahr ableistet. Die Jugendlichen und jungen Männer, die drei Mal pro Woche im SVW-Kraftsportstudio trainieren, seien hoch motiviert. „Es ist faszinierend, wie schnell die Jungs aus Afghanistan Deutsch gelernt haben.“

Kai Neumann erlebt auch, wie sich beim Sport soziale Kontakte entwickeln. Erst neulich habe ein Besucher des Fitnessstudios einen Flüchtling zu einem Kricketspiel eingeladen. Kricket ist in Afghanistan eine populäre Sportart. Annemarie Jonas denkt schon einen Schritt weiter: „Wenn es hier genügend Leute gibt, die Kricket spielen wollen, können wir ja eine eigene Abteilung aufmachen.“

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Quelle: op-online.de

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