Stadtbücherei Rodgau

Stammleser auf der Lauer

Im Einsatz für Buch und Leser: Nina Streib, Hella Galler und Gerrit Scholz. (c)Foto: siw Bücherei wünscht sich mehr Nutzer und lässt sich einiges einfallen, um sie zu locken.

Nieder-Roden - Winterzeit ist Bücher- und Lesezeit: Wenn es draußen kalt ist, ist es doch herrlich, sich mit Decke, Kaffee und einem Schmöker auf dem Sofa einzurichten. Fragt man aber die Experten der Stadtbücherei Rodgau, so haben die andere Eindrücke gewonnen. Von Simone Weil 

„Es wird anders gelesen“, sagt Leiterin Nina Streib. Die Hochsaison liege eigentlich im Frühjahr und im Herbst – eben wie die Buchmessen. „Im Sommer gibt es eine andere Art von Ausleihe, da wird natürlich einiges für den Urlaubskoffer mitgenommen“, erklärt Streib. Im Herbst sind außerdem Spiele gefragt und dann beginnt auch schon die Bastel- und Strickzeit, die sich in diversen Sachbüchern mit Anregungen für verregnete Nachmittage niederschlägt. Auch die Ideen für selbst gemachte Adventkalender dürfen nicht auf den letzten Drücker zur Verfügung stehen, denn es muss noch genügend Zeit sein, um etwas Schönes herzustellen. In der Bücherei werden solche Schwerpunkte gerne mit Thementischen unterstützt. Im Moment wird die Aufmerksamkeit der Kundschaft auf weihnachtliche Bücher mit Spielen, Liedern, Dekorationstipps und Plätzchenrezepten gelenkt, die dabei helfen, sich auf den Advent einzustimmen.

Weil Stammkunden regelrecht auf der Lauer liegen und darauf warten, dass es neuen Lesestoff gibt, haben die Büchereimitarbeiter in Nieder-Roden sich ein besonderes Angebot einfallen lassen: An der Ausleihtheke liegen Listen, auf denen alle Neuerwerbungen verzeichnet sind. Viele Nutzer haben Lieblingsautoren, deren neue Werke sie sehnsüchtig erwarten. „Die Leser kommen auch oft mit Rezensionen zu uns, die sie ausgeschnitten haben“, erzählt Hella Galler. Für die Anschaffung neuer Medien macht sich die Mitarbeiterin nicht nur auf den einschlägigen Bestseller-Listen schlau, sie hat auch Kontakte zum Buchhandel und hält sich mit regelmäßiger Zeitungslektüre auf dem Laufenden. Deswegen hat sie viele Trends im Blick und bei manchem Kauf tatsächlich bestimmte Leser vor Augen. Deswegen weiß sie auch, das Männer häufiger zum Sachbuch greifen, während Frauen historische Romane oder Kriminalromane verschlingen und dass das vegane Kochbuch im Moment ein echter Renner ist.

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In der Bücherei will man jedoch nicht nur die Stammkundschaft bedienen, sondern auch neue Leser gewinnen. Deswegen werden Nina Streib und Hella Galler nicht müde, für den Besuch der Einrichtung zu werben: „Gerade am Freitagvormittag wünsche ich mir noch mehr Leser“, sagt die Büchereileiterin. „Das ließe sich doch toll mit dem Marktbesuch vereinbaren“, glaubt Streib. Immerhin konnte die Gesamtzahl der Ausleihen von 40.500 im Jahr 2010 auf 81.700 im Vorjahr gesteigert werden.

Für Kinder ab drei Jahren spendiert die Aktion „Lesestart“ derzeit ein Set mit Vorlesebuch, das in der Bücherei abgeholt werden kann.

Leser dürfen sich übrigens außer einem neuen Bibliothekssystem auch auf neue Regale freuen, die im kommenden Jahr die Räumlichkeit mit 70er-Charme aufhübschen sollen. Bei den Sachbüchern stehen schon die ersten Exemplare aus Holz und Metall. Wichtig war der Hausherrin, dass die Regale dank der Rollen auch mal zur Seite rücken. Etwa wenn bei vier Veranstaltungen pro Monat beispielsweise den Bücherzwergen vorgelesen wird und Kuscheldecken eine gemütliche Atmosphäre verbreiten sollen. Denn Nina Streib hat den Nachwuchs und die Leserförderung fest im Blick und am Standort Nieder-Roden auch den zweisprachigen Buchbestand ausgebaut.

Quelle: op-online.de

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