Nach Eklat am Vorabend stärken Redner ihm den Rücken

Bürgermeister Hoffmann tritt zweite Amtszeit an

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Stadtverordnetenvorsteherin Anette Schweikart-Paul und Michael Schüßler bei der Vereidigung von Jürgen Hoffmann.

Jügesheim - In seine zweite Amtszeit als Rodgauer Bürgermeister wurde Jürgen Hoffmann am Dienstagabend im Rathaus eingeführt. Der Sozialdemokrat war am 27. September 2015 für weitere sechs Jahre gewählt worden. Offiziell beginnt die neue Dienstperiode am 9. Juni. Von Simone Weil 

Den Grußworten der zahlreichen Gratulanten stellte Stadtverordnetenvorsteherin Anette Schweikart-Paul (CDU) einige grundsätzliche Gedanken voran: Ein Bürgermeister sitze immer „zwischen allen Stühlen“. Dennoch sei es seine Aufgabe, die Bürgerschaft mitzunehmen. Das Bekenntnis, mit allen demokratischen Parteien sprechen und arbeiten zu wollen, zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Denn nur einen Tag zuvor war es bei der Sitzung des Stadtparlaments zum Eklat gekommen (wir berichteten): CDU und Zusammen mit Bürgern (ZmB) machten gemeinsame Sache mit der AfD und versagten dem Magistrat die Entlastung zur Jahresrechnung 2014. Hoffmann kündigte an, Widerspruch einzulegen. Wer wollte, konnte bei der Amtseinführung des Bürgermeisters umso deutlicher heraushören, wie andere ihm ausdrücklich den Rücken stärkten. Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP) würdigte Hoffmann als Politiker, Kollegen und Freund, lobte seine Kraft des Ausgleichs und ein hohes Maß an Verbindlichkeit. Der Liberale stellte aber auch klar: „Man wird es nicht schaffen, es jedem recht zu machen.“ Immerhin hätten Hoffmanns Ideen für die Entwicklung Rodgaus Anklang gefunden.

Oliver Quilling (CDU), Landrat des Kreises Offenbach, erinnerte an die Wiederwahl des Sozialdemokraten, bei der er 70 Prozent Zustimmung verbuchen konnte und nannte dies eine „klare Bestätigung“. Bei der ersten Wahl im Jahr 2009 hatten 132 Stimmen den Ausschlag gegeben. Mit Champagner gratulierte Stephan Gieseler, geschäftsführender Direktor des Hessischen Städtetags. Er mahnte die wenig familienfreundlichen Arbeitszeiten an: „Wer das Glück hat, einen Bürgermeister geheiratet zu haben, der ist ihn erst mal los.“ Beim Defilee der Fraktionen überreichte Sebastian Schwarz (Grüne) eines der originellsten Präsente: ein vegetarisches Kraftpaket aus dem Bioladen – ein Fernglas für den Weitblick gab es von ZmB. Karl-Heinz Dauth von der Rodgauer Liste erinnerte an den Holzbohrer, den er Hoffmann bereits zur ersten Amtszeit geschenkt hatte.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

„Von mir gibt es nix geschenkt, das gab es noch nie“, setzte FDP-Fraktionschef Heino Reckließ noch einen drauf. Der Liberale wetterte gegen „einige demokratische Parteien, die um der Macht willen“ die Stimmen der AfD nutzen. Ein paar Redner später ergriff Hoffmann schließlich selbst die Gelegenheit, sich bei vielen Weggefährten und Mitarbeitern zu bedanken und bekannte: „Mir macht diese Arbeit einen wahnsinnigen Spaß.“ Jeder Tag sei wie eine Wundertüte voller Überraschungen.

Der Sozialdemokrat plädiert dafür, offen und ehrlich zu sein. Pessimismus sei nicht sein Ding. „Auch wenn ich immer den Ausgleich suche, darf man nicht wachsweich sein“, forderte er. Es sei auch an der Zeit, noch intensiver über Nachhaltigkeit zu reden, kündigte der Bürgermeister an.

Quelle: op-online.de

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