Zufahrt für Gehbehinderte bald fertig

Strandbad: Im Zickzack bis zum Wasser

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Vom Beobachtungsturm zeigt sich das ganze Ausmaß des Bauwerks. Die Fahrstrecke zum Wasser ist 100 Meter lang.

Nieder-Roden - An welchem Badesee können Rollstuhlfahrer ohne fremde Hilfe bis zum Wasser fahren? Antwort: nur in Rodgau. Das Strandbad Nieder-Roden ist ab Mitte Juni laut Magistrat der einzige Badesee der Region, der diese Möglichkeit bietet.

Bürgermeister Jürgen Hoffmann erwartet, dass der See dadurch auch gehbehinderte Besucher aus der Region anzieht. Die Anlage sei „nicht nur zum Angucken da“. Ein Zickzackweg überwindet 6,90 Meter Höhenunterschied und den 50 Meter breiten Sandstrand mit einer Rampe von rund 100 Metern. Das Bauwerk erfüllt die gängigen Vorschriften. Diese sollen gewährleisten, dass möglichst viele Rollstuhlfahrer den Weg selbstständig bewältigen können. Demnach darf das Gefälle höchstens sechs Prozent betragen, alle sechs Meter muss ein Podest ein Ausruhen ermöglichen. Zudem müssen Geländer an beiden Seiten vorhanden sein, damit Rechts- und Linkshänder sich festhalten können.

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Bei Planung und Bau hat die Stadtverwaltung auch den Verein „Gemeinsam mit Behinderten“ (GmB) und den Sozialverband VdK mit ins Boot geholt. Sprecher beider Organisationen würdigten gestern in einer Pressekonferenz die Initiative der Stadt. „Es ist bei dieser Landschaft sicher nicht einfach“, etwas Vernünftiges zu planen, sagte GmB-Vorsitzender Christian Goldmann. Das Ergebnis bezeichnete er als eine „vorteilhafte Lösung“. Vielen Mitgliedern seines Vereins sei es wichtig, den Weg zum Wasser selbstständig zu bewältigen. Auch VdK-Bezirksvorsitzender Bernd Koop bezeichnete es als wichtig, dass Gehbehinderte nicht nach Hilfe fragen müssten.

Der Unterbau und die Seitenwände aus Beton sind fertig. Seit gestern verlegen Arbeiter die Pflastersteine auf dem Zickzackweg. Die Geländer sind bestellt, ebenso der Lift, mit dem sich Behinderte ins Wasser heben lassen können. Die Stadt musste kurzfristig einen zweiten Lift-Lieferanten suchen: Der erste gab auf, als er Maß nahm.

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Wann der Lift eingebaut wird, steht noch nicht fest. Die Stadt erwartet, dass die Anlage Mitte Juni in Betrieb gehen kann. Der zuständige Fachdienstleiter Klaus Barthelmes beziffert die Gesamtkosten auf 91.000 bis 96.000 Euro - doppelt so viel wie der Ansatz im Haushaltsplan. Mindestens 35.000 Euro würden durch Spenden finanziert, der Rest durch Einsparungen bei anderen Vorhaben im Strandbad. Der Zickzackweg ersetzt eine alte, steile Rampe am Textilstrand. Der Sichtschutz zum FKK-Strand wird noch bemalt und bepflanzt.

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eh

Quelle: op-online.de

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