Erinnerungen an verstorbenen Kultur-Macher

Strandbadfestival: Ein Konzert mit großen Gefühlen

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Idylle pur in der späten Abendsonne: die Bühne beim Strandbadfestival liegt aus Sicht der Zuhörer fast im See. 

Nieder-Roden - Musik aus allen Genres, Lasershow, weit über 1 500 Zuschauer und noch dazu Wetterglück: Das war das Strandbadfestival 2015 des Impuls-Kulturvereins und der Stadt am Kiessee. Von Christine Ziesecke 

Das Ortsschild am Eingang des Rodgauer Badesees sagte alles: „St. Tropez am Baggersee“. Auch wenn es mittlerweile über 30 Jahre alt ist, passt selten ein Lied so gut wie dieser Monotones-Titel zum Strandbadfestival: „Wir brauchen keinen Club Mediterranée, wir ham doch unsern guten alten DLRG - St. Tropez am Baggersee!“ Die Botschaft des Liedes stimmt auch heute noch: „Es ist uns wichtig, dass hier alles möglichst im Ort bleibt“, betont Frank Redemann, der Vorsitzende des Impuls-Kulturvereins. So stehen nicht nur Rodgauer Händler mit Ständen auf dem Platz, sondern auch Vereine: die Handballerinnen der HSG etwa, die Tanzgarde der TGM SV oder die Jugendfeuerwehr. „Wir haben in diesem Jahr aus den Erfahrungen der ersten drei Veranstaltungen heraus einiges umgestaltet“, sagt Frank Redemann. Gaby Ziegler von der Stadt Rodgau hat den Verein unterstützt - nicht zuletzt durch die Hilfe bei den unzähligen Genehmigungen, derer es bedarf.

Gesteigert hat der Kulturverein die Zahl der Eintrittskassen; geändert wurde die Lage der Stände, um die Besucher besser über das Gelände zu verteilen. Damit ist auch die Übersicht besser für die Hilfsorganisationen wie Feuerwehr, DLRG oder Johanniter Unfallhilfe. „Neben den 30 Security-Kräften machen hier rund 60 Helfer von unserer Seite Dienst, darunter ein etwa zehnköpfiges Vorbereitungsteam, das schon jetzt wieder fürs nächste Jahr vordenkt“, zählt Frank Redemann auf und verspricht: „Es wird auf alle Fälle ein fünftes Festival geben!“

Musik war schließlich das Stichwort. Wegen ihr (und natürlich wegen des „Wir-Gefühls“) waren die Besucher - von jung bis alt, mehr 1 500 allein bis zum frühen Abend - bei nur leicht erhöhtem Eintritt gekommen. Mit Decken und Sitzkissen, die meisten aber stehend, tanzend und wippend, genossen sie die Atmosphäre, den grandiosen Sonnenuntergang über dem See und die langsam einbrechende Dunkelheit. Vor allem aber genossen sie eine gehörige Portion Livemusik: Zum Warmlaufen etwa von der Rödermärker Band „Jukes“, die im Herbst ihr erstes Album veröffentlicht und mit ansteckender Fröhlichkeit und ihrem Rock-Pop-Reggae-Gemisch jeden Gast mitriss. Das gelang auch den fünf Musikern von „New Deal“. Das ist eine jener Bands, wie man sie gerne hört, wenn man etwas zu feiern hat, wenn man Unterhaltung pur ins Fest bringen will. Sie machten mächtig Stimmung.

Bilder: Strandbadfestival am See in Nieder-Roden

Ganz großes Kino am Baggersee: die sechs Musiker der anerkannt besten Tribute-Band von „Foreigners“, deren Name Programm ist: Die „Juke Box Heros“ ließen den Strand beben. Sie brachten aber auch einen ganz besonders emotionalen Moment auf den Platz, als sie den Song „Sky Rider“ einem Mann widmeten, der sie noch zu diesem Festival engagiert hatte und der im Februar überraschend gestorben war: Dirk Kratz. Einige sehr intensive Minuten lang gedachte das Publikum einem der Väter des Strandbadfestivals.

Ein guter Coup war den Organisatoren auch mit dem abschließenden Auftritt der „StreetLIVE Family“ gelungen, deren Repertoire von Rock oder Rock’n’Roll über Soul, Funk, Pop oder Swing gewaltig ist und von „Motown“-Klassikern bis zur aktuellen Hitparade reicht. Die Band hat das Ganze noch verpackt in eine mitreißende Bühnenshow, die niemanden am Baggersee unberührt ließ. Wie der Impuls-Kulturverein die Bands fürs Festival aussucht, beantwortete Frank Redemann ganz pragmatisch: „Wir machen, was wir uns leisten können.“ Der Erfolg gibt dem Gefühl der Organisatoren und ihrer Weitsicht Recht.

Und selbst wer es nicht schaffte, bis zur großen Überraschung des Impuls-Kulturvereins am Schluss - statt eines Feuerwerks wie im vorigen Jahr leuchtete diesmal eine Lasershow über den Köpfen der Gäste - am Strand zu bleiben, der hatte dennoch sein kleines romantisches Erlebnis beim Nachhausegehen. Vom Drachengelände stiegen bis tief in die Nacht bunt glitzernde und leuchtende Elemente in den Himmel, die das Festivalpublikum bis zu ihren Autos oder ihren Fahrrädern begleiteten.

Musikfestival am Badesee (2012)

Quelle: op-online.de

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