Theater Total begeistert in der Gärtnerei Fischer

In den Abgrund geschaut

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Was war bloß los in der vergangenen Nacht? Ein Filmriss ist Ausgangspunkt der Komödie von Wolfgang Deichsel.

Dudenhofen - Altmodisch, aber modern; hessisch, aber filigran; detailreich und verstrickt, aber dennoch deutlich und humorvoll: Die Theatergruppe „Theater Total“, unter der Leitung von Tanja Garlt, zeigte sich vielseitig. Von Sven Stripling 

Ein sechsköpfiges Ensemble begeisterte Freitag-, Samstag-, und Sonntagabend mit der Komödie „Loch im Kopf“ von Wolfgang Deichsel in der Gärtnerei Fischer. Es war ein Theaterstück inmitten von Blüten und Blättern und vor einem aufwendigen Dekor, das sich vor allem durch Kreise auszeichnet, die während des Stücks verschoben werden konnten und neben den Lichtern ebenfalls zur Inszenierung eines Spots Verwendung fanden. Mehr noch für jene, die mit dem üblichen Theater der Rodgauer Kulturpreisträgerin, Tanja Garlt, vertraut waren. Für „Loch im Kopf“ hatte die Regisseurin nämlich mit gleich zwei Prinzipien gebrochen: Normalerweise neigt sie dazu, das Bühnenbild schlicht zu halten und Dialekt zu vermeiden.

Ausgangspunkt der Komödie ist ein Filmriss. Kommerzienrat Naube (Thorsten Stichweh) ist durch diverse Spekulationsgeschäfte an Reichtum gelangt, doch mit zunehmendem Alter sehnt er sich nach etwas mehr Abenteuer. Am Abend vor seinem Geburtstag hält ihn nichts mehr und so kommt es, dass er nach einer durchzechten Nacht am Morgen nicht mehr rekonstruieren kann, wo er am Abend zuvor gewesen ist. Petzhold, sein Neffe (Stefan Schmidt) will ihm auf die Sprünge helfen. „Die Schuh’ aus Paris, aus Frankfurt die Füß“, singt er, während er im Kreise tanzt, um seinem Onkel an die gemeinsame Eskapade zu erinnern. Zunächst erfreut, dass er endlich einmal etwas erlebt hat, kehrt sich seine Stimmung bald wieder, als Julia, seine Frau (Tanja Roßbach) hinzustößt und er aus seinem Schlafzimmer Stimmen hört.

Und gerade als es ihm gelungen ist, seine Frau kurzzeitig loszuwerden, um in Erfahrung zu bringen, wen er denn nun von seinem nächtlichen Ausflug mitgebracht hat, trifft ihn der nächste Schock: Es ist ein Mann! Als derselbe sich aber zu erkennen gibt, erfährt die Stimmung auf der Bühne abermals eine Wende. In der Tat steht sein ehemaliger Kommilitone und Trinkkumpan Fuchs-Pedrigo (Michael Gelbke) vor ihm. Dieser tappt die Ereignisse der vorherigen Nacht betreffend allerdings genauso im Dunkeln. Naube nennt Pedrigo eine Bar nach der anderen, in der sie gewesen sein könnten, doch das Einzige, was diesem dabei wieder ins Gedächtnis gerufen wird, ist, dass er in so mancher davon Hausverbot habe. „Ich geb’ das Saufen auf“, resigniert Naube.

Erst als seine Frau, in einer Zeitung vom Vortag, die der Diener des Hauses, Jean Baptist Schroh (Dieter Krebs), der Haushälterin aus Trägheit gegeben hat, weil er die aktuelle Zeitung nicht aus der Küche holen wollte, einen Bericht vorliest, dämmert es beiden, was geschehen sein muss. Ein Mord war von zwei Männern verübt worden, deren Beschreibung auf die beiden passt. Am Tatort wurde just solcher Tascheninhalt gefunden, den sie vermissen und sie befinden sich nun im Besitz von Habseligkeiten, die gut und gerne vom Tatort stammen könnten. Schließlich findet aber auch diese Verwechselung Aufklärung.

Während im Publikum schon gerätselt wurde, welcher der Darsteller denn nun mit dem Verbrechen in Verbindung zu bringen sei, vor allem der Butler stand wohl im Verdacht, wurde schließlich noch einmal betont, dass die Zeitung ja vom Vortag gewesen war. Ende gut, alles gut? Nicht so ganz, denn für Naube und seinen Kumpanen war es doch ein Blick in den Abgrund, den man nicht so einfach abschütteln kann. Die Einzige, die weitestgehend unberührt blieb, war die offensichtlich etwas schlichte Margarete, die Tochter von Naube (Leonie Löw), deren Frisur und Handlungen jedoch immer wieder zum Blickfang wurden.

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Quelle: op-online.de

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