Theateraufführung „Barfuß im Park“

Boulevard im Glashaus

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Szenen einer Ehe - nach nur 20 Tagen: Stefan Schmidt und Leonie Löw in „Barfuß im Park“.

Dudenhofen - Eine spritzige Boulevardkomödie ist heute und morgen im Kamelienhaus der Gärtnerei Fischer zu erleben. Die Theatergruppe „Theater total“ um Tanja Garlt spielt „Barfuß im Park“. Von Ekkehard Wolf 

Das Erfolgsstück des US-Autors Neil Simon ist leichte Kost und garantiert für gute Unterhaltung. Gestern Abend war Premiere. Ein junges Ehepaar zieht nach den Flitterwochen in die erste gemeinsame Wohnung ein. Doch nicht alles ist so wie erhofft. Aus diesem kurzen Plot entwickeln sich fast zwei amüsante Stunden. Das unverschämt teure Appartement befindet sich im fünften Stock: Asthmatisch keuchend fallen Besucher durch die Tür, wenn sie die 60 Stufen endlich bewältigt haben. Außerdem gibt es noch eine kaputte Heizung, einen exzentrischen Nachbarn und eine nervtötende Mutter.

Nach Shakespeare, Goldoni und anderen Klassikern bietet Theater total“ seinem Publikum eine Boulevardkomödie aus dem 20. Jahrhundert. Tanja Garlt inszenierte das Neil-Simon-Stück bereits 2004 für die Hofspiele Bad Homburg. Absurditäten des Alltags machen den Witz des Stücks aus, gepaart mit sprachlicher Komik. Die Emotionen sind eher etwas überzeichnet, wie sich das bei diesem Genre gehört.

Tempo, Tempo, Tempo: Die Schauspieler agieren in exaktem Timing und mit sicherem Gespür für die Wirkung jedes einzelnen Gags. Und davon gibt es viele. Bei „Barfuß im Park“ spielen Darsteller mit komödiantischem Talent, die ihr Können schon oft bewiesen haben.

Jung und frisch trotz des Alters

Obwohl das Stück schon 50 Jahre alt ist, wirkt es jung und frisch. Da passt einfach alles zusammen: das multifunktionale Bühnenbild, die sichtliche Spielfreude und eine Regisseurin, die genau weiß, was sie will. Nur ein winziger Moment erinnert an den angestaubten Charme der 60er Jahre.

Schon die Eröffnung wirkt erfrischend. Voll Freude trägt die frisch gebackene Ehefrau ihre erste Zimmerpflanze in die leere Dachwohnung, mit Leichtigkeit räumt sie Farbeimer und Abdeckfolie beiseite. Ebenso glaubhaft spielt Leonie Löw die Verliebte, noch im Freudentaumel der Flitterwochen, die beinahe andächtig die Tage ihrer jungen Ehe zählt. Sechs Tage! Wer möchte da nicht leise seufzen . . .

Zwei Wochen später steht die Ehe vor dem Aus. Die Gegensätze werden immer offensichtlicher – hier der seriöse Anwalt, dort die von Abenteuerlust getriebene junge Frau. Das sieht man schon an der Kleidung: er in Grau, sie in Rot. Die Emotionen werden immer heftiger. Leonie Löw spielt sie alle: Streitlust, Sorge, verzehrende Liebe und kalten Hass. Stefan Schmidt gibt sofort den Widerpart. Der Streit eskaliert. Beide wechseln unvermittelt von einem emotionalen Extrem ins nächste: ein Hochgenuss für die Zuschauer.

Bilder der Aufführung

Theateraufführung „Barfuß im Park“

Das zweite Duo der Hauptpersonen ist die Generation 50 plus. Michael Gelbke verkörpert einen alternden Frauenheld, der in der leicht vertrockneten Brautmutter (Tanja Roßbach) das Feuer der zweiten Jugend entfacht. Beide drücken in ihrer Mimik die ganze Palette der Gefühle aus. Dabei machen beide Figuren auch eine Entwicklung durch. So changiert die Brautmutter zunächst zwischen Skepsis und Selbstaufgabe und dann zwischen Konvention und Aufbruchstimmung. Erst spät wird deutlich, dass sie trotz allem ihre Tochter liebt. Der Möchtegern-Casanova hingegen ist zunächst der Mann der großen Gesten. Später muss er sich eingestehen, dass auch er älter und verletzbar wird. In Nebenrollen brillieren Thorsten Stichweh als Telefonmonteur und Dieter Krebs als Paketbote.

Sechs Wochen intensiver Arbeit liegen hinter den Schauspielern. In den letzten vier Wochen probten sie fast täglich in der Gärtnerei. Dass die Inszenierung auf den Punkt genau sitzt, bewies die Generalprobe am Donnerstag. Da legte das Ensemble nämlich ohne Regisseurin los. Ein voreiliger Knopfdruck startete die Musik und das Stück nahm seinen Lauf. Auftritt! Jede Bewegung, jede Geste, jedes Wort stimmt.

Für die Regisseurin ist so eine „Panne“ eigentlich ein hohes Lob: Die Proben waren erfolgreich, das Werk ist vollbracht, alles Weitere haben die Schauspieler in der Hand. Nur die Reaktionen des Publikums lassen sich nicht vorhersehen. Deshalb bleibt jede Vorstellung spannend bis zum Schlussapplaus.

Quelle: op-online.de

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