Jules-Verne-Stück auf dem Kirchplatz

Theatergruppe bereitet großes Freilichtspektakel vor

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Die Bühnenbauer messen den Kirchplatz aus: Steffen Hartmann (vorne), Matthias Ott (links) und Thomas Hofferberth (rechts). Im Hintergrund die Vorstandsmitglieder Christine Kunkel-Stolz und Jürgen Nissen.

Nieder-Roden - „In 80 Tagen um die Welt“ kann das Rodgauer Theaterpublikum im Sommer reisen. Mit sechs Freilichtaufführungen kehrt die Theatergruppe Großes Welttheater an ihre erste Spielstätte zurück: auf den Platz an der katholischen Kirche. Etwa 55 Amateurschauspieler sind an Bord. Von Ekkehard Wolf

Die Bühnenfassung orientiert sich am Roman von Jules Verne. Darin geht es um die spektakuläre Wette eines englischen Exzentrikers im London des 19. Jahrhunderts. Was 1873 im Buch noch 80 Tage dauerte, verkürzt das Theater auf einen Abend. Zwei Reiseleiterinnen verbinden die Szenen und fassen die Handlung zusammen.

Für ihr neues Stück hat die Theatergruppe einen alten Spielort neu erfunden. Der Kirchplatz wird diesmal diagonal geteilt. Die breite Bühne steht schräg vor der alten Schule und dem Heimatmuseum. Die Zuschauerreihen staffeln sich schräg zwischen Kirchturm und Pfarrhaus. Damit alle 360 Besucher beste Sicht zur Bühne haben, gibt es wieder eine Tribüne. Der Theaterverein lässt sich jedoch nicht auf das finanzielle Abenteuer einer Leihtribüne ein, sondern setzt auf einen Eigenbau aus hölzernen Europaletten. Ähnlich wird die Bühne konstruiert.

„Wir brauchen 610 Paletten“, sagt Steffen Hartmann, der Vorsitzende und Bühnenarchitekt des Vereins. Auch der Materialaufwand fürs Bühnenbild ist hoch: 500 Quadratmeter Sperrholz. Wegen der zahlreichen Szenenwechsel bekommen die Kulissenschieber viel zu tun. Dabei machen sich die Theaterleute die örtlichen Gegebenheiten zunutze: Weil in der Mitte ein Baum steht, wird die Bühne zweigeteilt. Die Handlung wechselt vom linken zum rechten Bühnenflügel und umgekehrt. „So wird das Thema ,Reisen‘ erlebbar“, sagt Hartmann. Nebeneffekt: Während sich alle Aufmerksamkeit auf eine Bühnenhälfte konzentriert, können die Kulissenschieber in aller Ruhe auf der anderen Seite arbeiten. Der Platz vor der Bühne bietet Raum für Straßenszenen. Ab und zu wird auch der Zuschauerraum bespielt, wie man das beim Welttheater gewohnt ist.

Seit November laufen die Proben unter Regie von Christa Wolf. Die Massenszenen gestaltet Co-Regisseur Erik Schmekel, der von 1996 bis 2006 alle Stücke der Welttheatergruppe inszeniert hatte. Bisher stehen rund 55 Mitwirkende auf der Besetzungsliste.

„Die Hauptrollen haben richtig viel Text, aber wir wollten ja wieder was Großes machen“, sagt Matthias Ott vom Vorstand des Welttheatervereins. Er freut sich schon auf die besondere Atmosphäre beim Theaterspielen unter freiem Himmel. Für Samstag, 16. April, ist eine erste Durchlaufprobe angesetzt. Sie soll an Ort und Stelle stattfinden, wenn das Wetter mitspielt.

Eine Weltreise in 80 Tagen war vor 140 Jahren kaum zu schaffen. Um seine Wette zu gewinnen, reist die Hauptperson des Stücks mit allen verfügbaren Fortbewegungsmitteln: Schiff, Eisenbahn und sogar auf einem Elefanten. Für die Theatergruppe ist das alles kein Problem. Wer als Zuschauer auch noch einen Heißluftballon erwartet, wird enttäuscht: „Den Ballon gibt es nur im Film, aber nicht im Roman“, erklärt Steffen Hartmann.

Vom 25. bis 31. August stehen sechs Vorstellungen auf dem Programm. Der Sonntag ist spielfrei. Für den Fall von Schlechtwettertagen hat sich der Verein noch zwei Ersatztermine am 1. und 2. September reserviert. Steffen Hartmann: „Danach müssen wir allerdings abbauen, weil ja am Wochenende darauf die Kerb ist.“

Quelle: op-online.de

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