Hausumbau nach drei Monaten genehmigt

Thema Flüchtlinge: Erster Stadtrat drückt aufs Tempo

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Im Haus der ehemaligen ärztlichen Notdienstzentrale Dudenhofen sollen 18 Flüchtlinge ein Dach über dem Kopf finden. Bis zur Baugenehmigung vergingen drei Monate. Der Umbau soll innerhalb von acht Wochen über die Bühne gehen.

Rodgau - Ein höheres Tempo bei der Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge fordert Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP). Notfalls müsse man sinnvolle Standards für eine bestimmte Zeit senken.

Zurzeit gehe es nicht mehr darum, was wünschenswert, sondern was notwendig sei, sagte Schüßler gestern vor der Presse: „Wir sind zum Handeln gezwungen und müssen das, was möglich und irgendwie vertretbar ist, in die Wege leiten.“ In den nächsten Wochen will die Stadt das Haus Friedberger Straße 30 umbauen, in dem noch vor einem Jahr der ärztliche Notdienst untergebracht war. 18 Flüchtlinge sollen dort ein Dach über dem Kopf erhalten. Erst letzte Woche traf die Baugenehmigung im Rathaus ein. Der Antrag stammte vom 30. Juni.

Ein Vierteljahr für die Baugenehmigung sei zu lang, so Schüßler: „Da müssen wir schneller werden.“ Der Landrat schwöre die Städte und Gemeinden zwar auf den „Krisenmodus“ ein, in der Verwaltung sei das aber offenbar noch nicht überall angekommen. „Das kostet Zeit, die wir nicht haben“, drängt der Erste Stadtrat. Die 18 Betten in der ehemaligen Notdienstzentrale reichten gerade für die Neuankömmlinge einer Woche. Nun wolle die Stadt den Umbau so schnell wie möglich über die Bühne bringen: „Ich hoffe, dass wir das in acht Wochen hinbekommen.“

Mit dem bisherigen Tempo sei die Unterbringung der Flüchtlinge nicht zu schaffen, sagt Michael Schüßler. Als Beispiel nennt er die kreiseigene Gemeinschaftsunterkunft an der Borsigstraße in Nieder-Roden: „Bei der Anzahl von Flüchtlingen, die der Kreis Offenbach momentan zugewiesen bekommt, reicht diese Kapazität für fünf Tage.“ Von der ersten Planung bis zum Einzug verging jedoch mehr als ein Jahr.

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Die behördlichen Abläufe müssen laut Schüßler viel schneller werden. In der aktuellen Ausnahmesituation müsse es möglich sein, übliche Standards auch mal zu unterschreiten. Dies gelte sowohl für Baubestimmungen als auch für Kita-Gruppengrößen oder Qualitätsansprüche in der Jugendhilfe. Auch bei der Unterkunft gelte es notfalls Kompromisse einzugehen: Eine Halle im Industriegebiet sei immer noch besser als eine Zeltstadt im Winter.

Mit Blick auf die Zukunft sehe sich die Stadt in der Pflicht, weitere Wohnungen zu bauen, damit Flüchtlinge mit einem anerkannten Aufenthaltsstatus aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen könnten. Zurzeit reife in der Verwaltung die Idee zum Bau von Einfachwohnungen für 70 bis 80 Personen, berichtet der Erste Stadtrat. Eine Vorlage des Magistrats kündigt er für die Dezembersitzung der Stadtverordnetenversammlung an. „Was die Stadt Rodgau da tun kann, ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, gibt Schüßler zu. Nur mit dem Engagement privater Bauherren und Eigentümer lasse sich diese große Aufgabe bewältigen.

Bei der Anmietung von Wohnungen orientiere sich die Stadt an der ortsüblichen Miete, so Schüßler. Sie lehne es ab, überhöhte Beträge zu bezahlen. Schließlich habe die Stadt auch eine Verantwortung gegenüber Bürgern, die eine bezahlbare Wohnung suchen. Eine gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge auf alle Stadtteile werde angestrebt, sei aber nicht immer erreichbar.

Bei der Kolpingfamilie Jügesheim sprach Erster Stadtrat Michael Schüßler am Montag vor rund 100 Zuhörern über die aktuelle Situation der Flüchtlinge in Rodgau. „Grundsätzlich nehme ich eine innere Verantwortung der Bürger wahr, sich zu engagieren“, berichtete er anschließend. Die Frage, wie es im nächsten Jahr weitergehe, könne er aber nicht beantworten. Die Zuweisung der Neuankömmlinge an die Städte und Gemeinden könne sich von Woche zu Woche ändern. Schüßler: „Das ist Fahrt auf Sicht.“

eh

Quelle: op-online.de

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