Amtsärzten „Zollstockmentalität“ vorgeworfen

Ärger über Kreis: Tierschützer wittern Schikanen

+
Kleines Eichhörnchen in der Wildtierauffangstation in Dudenhofen

Rodgau - Tierschützer aus dem Landkreis Offenbach fühlen sich vom Kreisveterinäramt gegängelt. Von Bernhard Pelka

Sie werfen den Amtsärzten vor, ehrenamtliche Betreiber von Tierherbergen und Auffangstationen so lange mit Vorschriften, Durchsuchungen und Klagen zu überhäufen, bis sie entnervt aufgeben. Tierschützer im Kreis laufen Sturm gegen das Veterinäramt. Bei einem Krisentreffen machten sie ihrem Ärger Luft. Landrat Oliver Quilling weist als Dienstherr der Mitarbeiter im Veterinäramt die Vorwürfe zurück. Es bestehe „kein gesondertes Verfolgungsinteresse“. Das Amt achte lediglich auf die konsequente Einhaltung der zum Wohl der Tiere erlassenen Gesetze. Tierliebe allein genüge eben nicht.

Die Tierfreunde führen als Belege ihrer These die Schließung der Igel-Insel Mühlheim (2011), einer Papageien-Pension in Mühlheim (2012/13), die Auseinandersetzung um die Tierherberge in Egelsbach, die Beschlagnahmung einer Schafherde in Obertshausen (2009) und von Tauben (2014) an.

20 kuriose Tier-Urteile

Rückendeckung bekommen die Aktivisten vom Kreisverband Offenbach des Naturschutzbunds Nabu. Der reklamierte in einem Brief an Oliver Quilling bereits im Januar 2015: „Es ist absurd, wenn Auffangstationen geschlossen werden müssen oder in ihrer Arbeit blockiert werden, weil durch kurzfristig aufgenommene Notfälle die gesetzlichen Platzanforderungen der Tiere unterschritten werden, wenn hier eine Zollstockmentalität über das Wohl des Tieres gestellt wird. Wie können Genehmigungsverfahren zum Teil Jahre dauern, wenn bei der Rettung von Tieren spontan gehandelt werden muss? Daher unser Appell: Beenden Sie den Kampf des kreiseigenen Veterinäramts gegen jede Art von ehrenamtlich geführten Tierauffangstationen im Kreisgebiet!“ Ein offener Brief ähnlichen Inhalts erreichte den Landrat dieser Tage nun erneut.

In einem Gespräch mit unserer Zeitung widerspricht Quilling nicht als es darum geht, dass Tierschützer gegen ihn und Mitarbeiter des Veterinäramts sogar Strafanzeige gestellt hätten. Auch das Hessenfernsehen hat sich des Themas in seiner Sendung „defacto“ am 9. August 2015 unter dem Titel „Schikanen für Tierretter?“ schon angenommen. Die Briefwechsel zwischen dem Veterinäramt und den Betroffenen füllen dicke Ordner. Der Ton ist gereizt, die Stimmung vergiftet.

Leserbilder zum Welthundetag 2015 (Teil eins)

Anlass zu dem Nabu-Brief war 2015 unter anderem der Streit zwischen dem Kreisveterinäramt und dem Verein „Wildtierarche Rodgau“ mit seiner Vorsitzenden Petra Kipper. Seit Jahren nimmt die Referentin für Tier- und Naturschutz verletzte Tiere auf. Erst vergangenes Wochenende kam ein Rehkitz bei ihr unter, das nach der Sturzgeburt der totgefahrenen Ricke Pflege braucht. Überdies ist Kipper für Polizei und Feuerwehr im Kreis die einzige Anlaufstelle, sobald es um die Unterbringung gefährlicher Exoten wie Python, Skorpion & Co. geht.

Wegen Differenzen mit den Amtsärzten muss Petra Kipper aktuell um ihre Betriebsgenehmigungen fürchten. Am 30. Mai verstreicht eine Anhörungsfrist. Petra Kipper hat ein Anwaltsbüro eingeschaltet, um sich zu wehren. Landrat Quilling verwahrt sich gegen den Vorwurf, die Amtsärzte überzögen ehrenamtliche Tierpfleger mit Schikanen. Mit Petra Kipper sei man auf einem sehr guten Weg und wohl auch über den 30. Mai hinaus zum Gespräch bereit. „Wir kommen nicht mit dem Rollkommando und machen die Station dicht.“

Quelle: op-online.de

Kommentare