Petra Distler-Bäcker ist Mutter der „Kaktussi“

Tonkünstlerin schreibt Buch

+
Ein wahres Computer-Fossil ist der Laptop, auf dem Petra Distler-Bäcker ihr erstes Buch geschrieben hat. Der Rechner hat ähnlich viele Macken wie die Hauptperson des Romans - aber darüber kann sie nur lachen.

Dudenhofen - Die Kinder aus der Freiherr-vom-Stein-Schule in Dudenhofen oder der Rödermärker Ferienspiele kennen Petra Distler-Bäcker als Handwerkerin. Seit 2003 gibt sie Töpferkurse. Von Michael Löw 

Doch ihre Finger können nicht nur Ton kneten, sondern flogen auch monatelang über die Tastatur eines Uralt-Computers. Der spuckte - wenn auch nur nach gutem Zureden - ihren ersten Roman aus: „Kaktussi“. Am 20. März stellt die Rodgauerin ihn in Rödermark vor. Die „Kaktussi“ - das ist Liz Schneider. Petra Distler-Bäckers 38-jährige Antiheldin katapultiert sich von einer schrägen Situation in die nächste. Die Chance zu entrinnen? Gleich Null. Kein Wunder also, dass Männer Liz Schneider weder rote Rosen noch schwülstige E-Mails, sondern Kakteen schicken. Schusselig, unsportlich, vergesslich, launisch und hypochondrisch ist die Hauptperson. Ihre resolute Mutter Berta will verhindern, dass die Tochter als alte Jungfer endet - das Wort Singlefrau hält sie für neumodisches Geschwätz - und fahndet nach verkupplungsfreudigen Männern, die vorzeigbar sind.

Seit Arzthelferin Liz nämlich in einer noblen radiologischen Praxis ihre Brötchen verdient, hätte die Frau Mama gerne einen aufstrebenden Jungmediziner zum Schwiegersohn. Petra Distler-Bäcker hat ebenfalls Arzthelferin gelernt. Ist sie am Ende die „Kaktussi“? Den Verdacht weist die 46-Jährige laut lachend von sich. Nein, einen autobiographischen Roman habe sie nicht geschrieben. Aber ihr ursprünglicher Beruf - den sie 2003 aufgab, um als selbständige Keramikgestalterin zu arbeiten - lieferte Ideen. Im Wartezimmer haben die Leute ja Zeit zum Reden. Auch als Kunstdozentin bekommt sie einiges zu hören. Diverse Bekannte finden sich also mit ihren im Buch wieder. Aber stets so, dass die Autorin sie nicht blamiert. Auch der chaotische Fahrradausflug, den Petra Distler-Bäcker am 20. März vorliest, hat sich von Kleinigkeiten abgesehen so abgespielt.

Buchmesse 2014: Impressionen

Buchmesse 2014: Impressionen

Vier Jahre brauchte es von der ersten Idee zum Druck. „Das Schreiben war nicht das Aufwändigste“, erzählt Petra Distler Bäcker. Mit ihrer Familie kümmerte sie sich um Titelgestaltung, Korrektur, Druck und Vermarktung. Das Titelbild, eine kopflose Frau mit Karokleid und einem Kaktus in den Händen, ist eine Idee ihrer Tochter Anna (17). Ihr Mann Michael war der Technik-Chef und fand für jede Macke des über 20 Jahre alten Laptops eine Lösung. Er spürte zum Beispiel einen Computerfreak auf, der die ersten, noch auf Floppy gespeicherten Textfragmente auf eine ordentliche Festplatte rettete. Welcher Verlagslektor wüsste auch mit einer Floppy-Disc noch etwas anzufangen?

Der Steinzeit-PC war vor Jahren ein Weihnachtsgeschenk ihres Vaters. Daher käme Petra Distler-Bäcker nie auf den Gedanken, das gute Stück gegen ein 399-Euro-Sonderangebot vom Media-Markt einzutauschen. „Ich bin doch nicht blöd, sondern ein Sparbrötchen“, wandelt sie dessen Reklame ab und bekennt: „Bevor ich mir einen neuen Computer kaufe, schreibe ich lieber mit der Hand.“ Von den Computermacken noch mal kurz zurück zu den Macken der Liz Schneider. „Eigentlich findet man die Person blöd“, sagt Petra Distler-Bäcker. Aber am Ende muss man sie mögen. „Heinz Becker-Effekt“ heißt das in Anspielung an Gerd Dudenhöffers Kultfigur.

Petra Distler-Bäckers erste Lesung findet am Freitag, 20. März, um 19.30 Uhr im Lesecafé der Stadtbücherei Ober-Roden statt.

Quelle: op-online.de

Kommentare