Feuerwehrvereine finanzieren teure Spezialausbildung

Training mit Feuer und Flamme

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Die Durchzündung ist vorbei, jetzt gilt es, das Feuer mit einem feinen Sprühnebel „einzufangen“: Einsatzkräfte der Feuerwehr Rodgau-Nord beim Training.

Rodgau - Ein ungewöhnliches Training haben 14 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Rodgau-Nord absolviert. In einem glühend heißen Metallcontainer erlebten sie den gefürchteten Flashover: Wenn man die Tür öffnet, zünden die Flammen schlagartig durch. Von Ekkehard Wolf 

„Man sitzt in kauernder Stellung und das Feuer rast über den Kopf hinweg“, schildert Wehrführer Dieter Horch. Der Effekt kann bei jedem Zimmerbrand auftreten. Weil solche Brände seltener geworden sind, müssen die Einsatzkräfte ihre Erfahrungen im Training sammeln. Bei der „Heißausbildung“ in Külsheim (Baden-Württemberg) auf dem Panzerwaschplatz einer ehemaligen Kaserne ging es in erster Linie darum, einen Brand unter realen Bedingungen zu bekämpfen. Im Gegensatz zu den üblichen gasbefeuerten Anlagen wird in Külsheim jede Menge Holz verbrannt. Die Feuerwehrleute aus Rodgau lernten das Feuer mit einem feinen Sprühstrahl „einzufangen“ und erst dann zu löschen. Das Ziel: „Mit wenig Wasser viel Erfolg erzielen“, wie Dieter Horch sagt. Ein Vollbrand könne eine Temperatur von bis zu 1 000 Grad erreichen: „Die Stahlhelme werden so erhitzt, dass man sie fast mit der Hand zusammendrücken kann.“ Deshalb verwende man fürs Training nur ausrangierte Helme „Bei der ersten Übung sind uns Helme durch die enorme Hitze kaputtgegangen.“

Der Feuerwehrverein Weiskirchen ließ sich dieses Training mehr als 3000 Euro kosten. Beim ersten Durchgang im vergangenen Jahr zahlte der Verein sogar 4 000 Euro. Um so viel Geld zu erwirtschaften, müssen die aktiven Mitglieder beim Sommerfest viele Würstchen verkaufen. In der Jahresversammlung der Feuerwehr Rodgau würdigte Stadtbrandinspektor Andreas Winter dieses Engagement der Feuerwehrvereine: „Eine Ausbildung in einer solchen Anlage stellt den absoluten Höhepunkt dar, um Erfahrungen und Eindrücke bei Feuerphänomenen zu sammeln. Eigentlich müssten alle neu ausgebildeten Atemschutzgeräteträger eine solche Ausbildung absolvieren.“ Bereits 2014 hatten die Feuerwehrvereine Dudenhofen und Nieder-Roden ein Spezialtraining mit Drehleitern finanziert.

Während die Ausbildung in der Freizeit stattfindet, fallen Einsätze oft in die Arbeitszeit. Die Arbeitgeber in Rodgau zeigten überwiegend Verständnis, lobt Winter. Das größere Problem bestehe darin, dass nur wenige Einsatzkräfte in Rodgau arbeiten. Tagsüber sei die Feuerwehr auf die „drei S“ angewiesen: „Schüler, Schichtarbeiter und Studenten - wenn wir die nicht hätten, würden wir alt aussehen.“ Stets bei Einsätzen dabei seien auch Selbstständige wie Thomas Murmann und Stephan Sattler. Die Einsatzabteilung der Feuerwehr Rodgau besteht aus 196 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten. Der Nachwuchs wächst in der Jugendfeuerwehr heran. Sieben von zehn Jugendlichen, die als Kinder anfingen, wechseln später als 17-Jährige in die Einsatzabteilung. Andreas Winter: „Das ist wie eine Quelle, die nicht versiegt.“

Quelle: op-online.de

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