20 Stationen ermuntern zur sportlichen Betätigung im Freien

Große Sprünge auf Trimmpfad

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Vincent Gajewski (10) ist nicht nur bei den Footballern der Rodgau Pioneers von TGM SV Jügesheim ein schneller Mann. Auch bei der Wiedereröffnung des Trimmpfades machte er große Sprünge.

Jügesheim - Seit 1988 fristete der Trimmpfad nahe der Waldfreizeitanlage nur noch ein Schattendasein. Im Wesentlichen beschränkte sich die Pflege darauf, kaputte Geräte abzubauen. Nach einer Frischzellenkur ist dieser traurige Zustand nun vergessen.

Seit Samstag besteht auf dem runderneuerten Pfad auf 3050 Meter und an 20 Stationen wieder Gelegenheit, auf dem inneren Schweinehund herumzutrampeln. „Genießen Sie die drei Kilometer“, ermunterte Bürgermeister Jürgen Hoffmann die Teilnehmer der kleinen Wiedereröffnungsfeier. Mitglieder des Lauftreffs Jügesheim machten daraus auch ihr eigenes Fest. Schließlich kann der Lauftreff Jügesheim schon auf 40 bewegte Jahre zurückblicken. Mitbegründer Rudi Bischoff (87) erinnerte in einer kurzen Ansprache an die Ursprünge der Laufbewegung. So war der Lauftreff Jügesheim bei seiner Gründung am 19. Januar 1975 der erste seiner Art in Rodgau und in Hessen sowie der 14. in Deutschland. Die Initiative dazu ging damals vom früheren Rodgauer Redaktionsleiter unserer Zeitung, Gerd Morian, dessen Frau Helga sowie von Rudi und Edith Bischoff (TGM Jügesheim, heute TGM SV) aus.

Klaus Wiederspahn und Ruth Jäger dankten Rudi Bischoff (Mitte) für sein Engagement. Der Lauftreff Jügesheim freut sich über neue Mitsportler. Kontakt: Tel.: 16834 und 14928.

Die aktuell aktiven Läufer um ihre Leiter Klaus Wiederspahn und Ruth Jäger haben das nicht vergessen. Während der Feier ehrten sie Mitbegründer Rudi Bischoff mit einer Urkunde und einem Strauß Blumen. Applaus gab es dafür auch von den Mitgliedern des Rodgauer Lauftreffs (RLT), der einst aus dem Jügesheimer Lauftreff hervorgegangen war. „Dass Ihr heute hier seid zeigt, dass wir alle Freunde sind“, freute sich Klaus Wiederspahn über die gern gesehen Gäste. Ist ein Trimm-Dich-Pfad als Relikt einer Bewegung aus den frühen 70er Jahren heute noch zeitgemäß? Sind die 10.000 Euro Sanierungskosten gut angelegtes Geld? „Früher sah man hier Familien mit ihren Kindern Sport machen. Die Eltern haben die Kinder dann bei den Übungen angeleitet. Das hat leider nachgelassen“, sagen dazu Rudi Bischoff und RLT-Chef Wolfgang Junker mit Bedauern. „Aber vielleicht animiert der neue Trimmpfad ja dazu, dass das wieder anders wird“, wünschen sich beide. Nicht animieren zur Bewegung musste man am Samstag die Gäste der kleinen Feier mitten im Wald. Die Läuferinnen und Läufer machten sich gerne auf den Weg. Lauftreffmitglied Hermann Fongar führte eine der Gruppen und erläuterte die Stationen.

In den 70er Jahren waren Trimmpfade total in. Sie wurden im Zuge der Trimm-Dich-Bewegung errichtet, die damals auf den Deutschen Sportbund zurückging. Unterstützt durch Krankenkassen, Politik und Wirtschaft wurde zunehmenden Kreislauferkrankungen und Übergewicht der sportliche Kampf angesagt. Der Boom ist inzwischen lange abgeebbt, und zahlreiche der geschätzt bundesweit etwa 1500 Anlagen wurden sich selbst überlassen. Der Pfad in Jügesheim hatte seinen Reiz für Sportler allerdings nie ganz verloren. Deshalb begannen etwa vor zwei Jahren die ersten Renovierungsarbeiten. Die Laufwege wurden freigeschnitten und ausgebessert. Axel Karl und seine Männer vom Fachbereich Grünanlagen und Forst tüftelten an einem Konzept und schauten sich auch in anderen Städten um. Für den Kauf neuer Schildern und Geräte wurden 10.000 Euro im Haushalt zur Verfügung gestellt. Die Weiskircher Firma Werbetechnik Hügel hat die Schilder nicht nur produziert, sondern größten Teils auch gestiftet. Alte Geräte wurden abgebaut und fünf neue Stationen errichtet. Diese Arbeit übernahmen die städtischen Forstwirte. Sie bauten auch aus heimischem Holz Sitzbänke. Wer Sport treibt, muss schließlich auch mal Pause machen.

bp

Quelle: op-online.de

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