Sachverständiger und Gutachten

TÜV-geprüfte Narretei aus Dudenhofen

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Alles Banane bei den Wagenbauern des SKV Hainhausen (von links): Jens Wega, Corinna Entzeroth, Karl Töglhofer und Udo Schön. Nicht im Bild: „Seppi“ Freimuth, Tim Winter und die übrige Mannschaft.

Rodgau - Der Fastnachtszug kann rollen - aber sicher! Tino Schwenk vom TÜV Hessen ist zurzeit Stammgast bei den Wagenbauern der Vereine. Er weiß als Einziger, welche Überraschungen die Motivwagen am Fastnachtsdienstag bieten werden. Aber er verrät es nicht. Von Ekkehard Wolf

Sein Augenmerk richtet er vielmehr auf die Sicherheit: Als amtlich anerkannter Sachverständiger prüft er Fahrgestell, Bremsen, Aufbau, und, und, und .  In einer offenen Halle auf dem Seehof steht der Motivwagen des SKV-Laternche, Er hat imposante Ausmaße: 7,60 Meter lang, drei Meter breit und 4,30 Meter hoch. Eine orangerote Plane verbirgt den Aufbau. Nur eine gelbe Tropenfrucht schaut hervor. Alles Banane beim SKV? „Die Frage ist nur, ob trotz TÜV oder wegen des TÜV“, lacht Corinna Entzeroth, die Künstlerin der Wagenbauer.

Mit dem Zollstock misst Tino Schwenk den Bodenabstand: Die Abweiser an den Seiten sollen verhindern, dass Kinder auf der Suche nach Bonbons unter die Räder geraten.

Der Sachverständige hat wenig auszusetzen. Neue Reifen hat der Verein bereits aufgezogen, der Aufbau ist stabil, die Brüstung ist höher als vorgeschrieben, Seitenabweiser und Unterfahrschutz sind vorhanden. Ein rutschfester Bodenbelag für die 20 mitfahrenden Akteure liegt bereit. Fehlt nur noch die Bremsprobe: Der Traktor beschleunigt bis auf 10 km/h, der Fahrer tritt in die Eisen und das Gespann steht fast sofort. Perfekt. Schneller als sechs „Sachen“ darf der Motivwagen sowieso nicht fahren.

Zufrieden steigt Udo Schön aus dem Führerhaus: „Wir fühlen uns als Wagenbauer sicherer, wenn wir wissen, woran wir sind“, sagt der Chef des SKV-Bautrupps: „So fahren wir stressfrei zum Zug und haben unseren Spaß.“ Tino Schwenk erteilt in diesem Jahr erstmals die so genannten Brauchtumgsgutachten für die Rodgauer Fastnachter. In Seligenstadt hat der Ingenieur das schon öfter gemacht. Jeden Verein besucht er in der Regel zwei Mal: zum Vorab-Check am leeren Fahrgestell und zur Endabnahme. Je nach Zeitaufwand kostet das ungefähr 60 bis 350 Euro. Das Gutachten gilt für eine Saison. Eine Verlängerung ist möglich, wenn das Fahrzeug technisch nicht verändert wird.

Der TÜV-Fachmann stellt nicht nur Mängel fest, sondern sagt auch, wie man sie beheben kann - damit möglichst viele Wagen im Fastnachtszug fahren können. In einem Fall ging aber gar nichts mehr: „Ein Verein darf leider sein Fahrzeug nicht weiter benutzen, weil es keine Betriebsbremse hat.“ Bei einem anderen Anhänger stellte Tino Schwenk Beschädigungen am Fahrwerk und an der Zugvorrichtung fest.

Im vergangenen Jahr waren die Motivwagen erst am Fastnachtsdienstag vom Ordnungsamt abgenommen worden, wie Udo Schön vom SKV berichtet. „Da mussten wir schon um 8 Uhr morgens auf der Aufstellfläche sein.“ Die Wagenbauer hatten vorsichtshalber einen voll ausgerüsteten Werkstattwagen einschließlich Schweißgerät bereitgestellt. Es hätte ja sein können, dass die Behörde kurzfristig eine Nachbesserung fordert. Der SKV hatte Glück, „aber andere haben vor dem Zug noch geschraubt“. Die TGS Jügesheim hat in diesem Jahr nur ihre beiden Prinzenwagen durch den TÜV gebracht. Nun startet sie einen „Gesundheitszug“: Der Elferrat muss laufen.

Quelle: op-online.de

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