Umfrage zur Woche der Abfallvermeidung

Schüler gegen Plastiktüten

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Zu viele Plastiktüten belasten die Umwelt. Junge Klimaschützer aus der HBS wollen dazu beitragen, Abfälle zu vermeiden.

Nieder-Roden - Schüler der Heinrich-Böll-Schule sagen der Plastiktüte den Kampf an. In einer Umfrage haben sie herausgefunden, dass viele Menschen bereits mit Körben oder Stoffbeuteln einkaufen. Dem Handel fällt das Umdenken hingegen schwer. Von Ekkehard Wolf

Seit drei Jahren hat die integrierte Gesamtschule ihre eigenen Klimabeauftragten. Das sind 24 Schüler, die sich für Energiesparen und Umweltschutz einsetzen. Sie sorgen dafür, dass im Klassenzimmer nicht unnötig Licht brennt und dass die Fenster in der kalten Jahreszeit nur zum Stoßlüften geöffnet werden. Die jungen Klimaschützer achten sogar auf die Fensterdichtungen. Die Gruppe unter Leitung von Petra Carbon trifft sich etwa mindestens einmal im Monat. „Wussten Sie schon, dass auf dem Meer zwischen Japan und Nordamerika eine ,Plastikinsel’ treibt, die viermal so groß ist wie Deutschland?“ Mit dieser Frage konfrontierten die Schüler 93 Besucher des Drachenfests im September. Zwei Drittel der Befragten hatten schon etwas davon gehört.

Die Auswertung der Umfrage zeigte ein hohes Maß an Problembewusstsein bei Verbrauchern. Nur sieben Personen antworteten mit „Ja“ auf die Frage, ob sie in jedem Geschäft eine Plastiktüte mitnehmen. 46 Befragte gehen mit einem Korb zum Einkaufen, 42 nehmen einen Stoffbeutel mit (Mehrfachnennungen möglich). Die meisten Plastiktüten enden als Müllbeutel oder landen gleich im Abfall. Nur jeder Sechste nimmt sie nochmals zum Einkauf mit. Auch 40 Einzelhändler in vier Stadtteilen stellten sich den Fragen der HBS-Schüler. Das Ergebnis: Jeder Zweite übergibt seinen Kunden die Ware in einer Plastiktüte. Nur drei Händler sagten, dass ihre Kunden auch eigene Taschen mitbringen.

„Wir haben schon Papiertüten, aber keiner fragt danach“, erfuhr Lena (13) in einem Geschäft. Kai (11) beobachtete, dass die Kunden in Supermärkten bevorzugt zu Kunststoffbeuteln greifen. Jakob erfuhr von einer Verkäuferin, etwas, das die ganze Gruppe erstaunte: Eine Tragetasche aus Papier koste den Einzelhändler bis zu 50 Cent, eine Plastiktüte nur 0,3 Cent. Auf dem Wochenmarkt mussten die Schüler kaum noch jemanden überzeugen. Fast alle Kunden hatten Stoffbeutel oder Körbe dabei. Die Markthändler äußerten viele Ideen zur Abfallvermeidung, sahen aber auch Probleme: Alternativen seien entweder teurer oder nur schwer mit den Hygienevorschriften vereinbar.

Gemeinschaft statt Familie - Was ist den Deutschen wichtig?

„Ich glaube, wir haben schon etwas bewirkt“, sagt Achtklässlerin Lena. Die anderen Schüler bestätigen das. Die Gruppe will weiterhin am Thema Plastiktüten dranbleiben. Bereits beim Drachenfest hatten die Schüler ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität gesetzt, indem sie Einkaufstüten zu flugfähigen Drachen verarbeiteten. Weitere Aktionen sind geplant. Unter dem Motto „Plastiktüten nein danke“ beteiligen sich die HBS-Schüler an der europäischen Woche der Abfallvermeidung, die noch bis zum Sonntag läuft.

Quelle: op-online.de

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