Unterkünfte für Flüchtlinge

Kreis geht unter die Häuslebauer

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Der Boden gehört Rodgau, das Haus dem Kreis: Rodgaus Bürgermeister Jürgen Hoffmann (von links), Stadtrat Michael Schüßler, Landrat Oliver Quilling, Kreis-Baudezernentin Claudia Jäger und Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller beim Ortstermin.

Rodgau - Bezugsfertig im Mai. Angesichts steigender Zahlen von Asylbewerbern verschiebt der Kreis Offenbach sein Engagement: Während er bisher Unterkünfte für die ihm zugewiesenen Flüchtlinge lediglich mietete, baut er nun selbst. Von Michael Eschenauer 

Gestern stellte die Kreisspitze die neue Einrichtung im Rodgauer Stadtteil Nieder-Roden vor. 2,4 Millionen Euro kostet das in anspruchsvoller Containerbauweise errichtete Haus mit der gelben Fassade neben der „Schule am Bürgerhaus“, in dem künftig 80 Personen wohnen sollen. Eine zweite, weitgehend baugleiche Sammelunterkunft wird wenige Wochen später in Seligenstadt auf dem Gelände der ehemaligen Matthias-Grünewald-/Don-Bosco-Schule eröffnen. Landrat Oliver Quilling (CDU) kündigte gestern den Bau von zwei weiteren „auf Dauer angelegten“ Wohnheimen an. Eines wird in Dietzenbach entstehen, für ein weiteres läuft die Suche nach Standorten in Dietzenbach, Obertshausen, Dreieich und Neu-Isenburg.

Quilling äußerte gestern Dank an die Stadt Rodgau, die die Entscheidung, eine Wohneinrichtung des Kreises hier zu bauen, von Anfang an unterstützt habe. Nach seinen Angaben hat der Kreis im vergangenen Jahr fast 1300 Flüchtlinge aufgenommen. Davon wurden 800 von den Städten mit Wohnraum versorgt, um den Rest kümmerte sich die Kreisverwaltung selbst. In diesem Jahr erwartet der Kreis 1400 Menschen, die irgendwie untergebracht werden müssen. Die Zusammenarbeit, so der Landrat, habe trotz „anfänglichen Zähneknirschens“ bei den Städten und Gemeinden insgesamt sehr gut funktioniert.

Leise Kritik

Dennoch wollten ihm der ebenfalls anwesende Rodgauer Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) und sein Stadtrat Michael Schüßler (FDP) leise Kritik nicht ersparen. So fühlte sich Hoffmann bemüßigt, den Kreis-Chef daran zu erinnern, dass bei Fragen der Planung von Flüchtlingsunterkünften auch die Interessen der Menschen vor Ort berücksichtigt werden müssten. Außerdem bezeichnete er die Zusammenarbeit zwischen dem Kreis und den Sozialarbeitern seiner Stadt als verbesserungsbedürftig. In diesem Jahr müsse Rodgau 200 Asylbewerber mit Wohnraum versorgen. Der SPD-Mann nannte dies eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, der man sich nicht entziehen werde - obwohl man auf einem Großteil der Kosten sitzen bleibe.

Schüßler und Hoffman wiesen darauf hin, dass die Integration der Flüchtlinge ins Gemeinwesen extrem wichtig sei, auch deshalb, weil mindestens die Hälfte der Menschen mittel- bis langfristig in Deutschland bleibe. Die Versorgung dieser Personengruppe mit Wohnraum außerhalb der Gemeinschaftsunterkünfte sei ein wichtiges Ziel, stelle aber die Kommunen vor große Probleme. „Die Mietpreise in dem geeigneten Wohnungssegment steigen, das Angebot sinkt“, so Schüßler. Deshalb werde die Stadt Rodgau sowohl selbst im Wohnungsbau tätig werden als auch privaten Wohnungsbau fördern. „Dies ist notwendig, um den sozialen Frieden in der Stadt zu sichern“, so Schüßler. Nicht jeder Bürger könne bei den steigenden Mieten mithalten.

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Sozialdezernent Carsten Müller (SPD) ergänzte diesen Hinweis mit der Forderung an die Landes- und Bundespolitik nach einer Beschleunigung der Asyl-Verfahren. Baudezernentin Claudia Jäger (CDU): „Die Beschleunigung ist das A und O bei diesem Thema.“ Nur so sei es möglich, ausreichend Raum für die wirklich Verfolgten zu schaffen und unmenschlichen Abschiebungen nach einem langen Aufenthalt in Deutschland vorzubeugen. Derzeit stammen die meisten Asylbewerber im Kreis aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Eritrea und Somalia.

Die Unterkunft in Nieder-Roden bietet 30 Zimmer mit je 16 Quadratmeter Grundfläche, in denen immer zwei Personen untergebracht werden. Für Familien werden fünf jeweils doppelt so große Einheiten bereitgestellt. Hinzu kommen Dusch- und Toilettenräume, zwei Küchen für jede der drei Etagen und ein Versammlungsraum. Für die Möblierung werden Einrichtungsgegenstände des früheren Kreis-Jugendheims in Affhöllerbach verwendet. Das Außengelände verfügt über Sandkasten, Sitzgelegenheiten und Grillplatz. Es wurde von Rodgau kostenfrei an den Kreis verpachtet. Der Kreis betreibt damit fortan zwei eigene und neun angemietete Sammelunterkünfte.

Quelle: op-online.de

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