Bohren für die Sicherheit

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Baumkontrolleur Dominik Scheich vom Sachverständigenbüro Zorn prüft an der Linde mit einem Resistografen den Bohrwiderstand. Das gibt Aufschluss über den Fäulnisgrad des Holzes. Pro Jahr gibt die Stadt für Baumkontrolle- und Pflege 220.000 Euro aus.

Rodgau - Linde Nummer 7 ist nicht mehr zu retten. Der Baum an der Kirche St. Matthias hat 74 Jahre auf der Rinde. Seit Jahren schon fault die Sommerlinde schneller von innen durch, als sie außen gesundes Holz bilden kann. Das wird jetzt langsam gefährlich.

Die Stadt wird den Oldie fällen lassen. Das geschieht bis Ende April. Nachgepflanzt wird an derselben Stelle dann eine sogenannte Grimm-Linde. Die kommt besser zurecht mit dem veränderten Klima, das immer längere Perioden der Trockenheit bringt. Auffällig geworden war die Linde direkt am Eingang einer Kita im Zuge der Baumkontrollen, die die Stadt seit 1994 regelmäßig beauftragt. Die übernimmt das Sachverständigenbüro von Gartenbauingenieur Matthias Zorn aus Usingen. Das Büro betreut 45 Kommunen in Hessen, darunter außer Rodgau auch Rödermark und Dreieich. Zorn und seine Mitarbeiter nummerieren die Bäume durch und geben ihnen Schulnoten von 1 bis 6. Wer eine 6 bekommt, muss gefällt werden. Auch schon eine 4-5 gilt als kritisch.

Der Stadt geht es bei den Baumkontrollen um die Abwehr von Gefahren für Leib und Leben. Für rund 9000 Bäume in Rodgau hat die Stadt die Verkehrssicherungspflicht. Für Schäden, die von diesen Bäumen ausgehen, muss sie also haften. Deshalb geht es der alten Linde Nummer 7 jetzt an die Wurzeln: zu gefährlich unter anderem für die Kitakinder, für Gottesdienstbesucher und für Eltern, die ihre Kinder im Kindergarten abliefern. Dem Nachbarbaum (ebenfalls eine Sommerlinde) geht es noch besser. Er fault zwar auch, aber nicht so stark. Eine Nachkontrolle ist erst 2019 fällig.

Gewöhnlich werden Linden viel älter als knapp 80 Jahre. Für Bäume in der Stadt ist dies allerdings schon ein stattliches Alter, in dem das Lebensende kurz bevor steht. Dies hat mit dem Stress zu tun, dem Stadtbäume ausgesetzt sind: Abgase, Streusalz, beengte Standorte, Straßenpflaster und Asphalt drücken auf die Wurzeln, Gebäude und Straßen reflektieren die Hitze viel mehr als die freie Natur. So kommt’s, dass pro Jahr etwa ein Prozent des Rodgauer Baumbestands, für dessen Standfestigkeit die Stadt Verantwortung trägt, das Zeitliche segnet. Einmal im Jahr ist der Baum-TÜV unterwegs. Wie sehen Stamm und Krone aus? Gibt es Risse? Breiten sich Pilze aus? Fault der Baum von innen? Das sind Fragen, denen die Experten nachgehen, sobald sie ihr Baumkataster abarbeiten und nach Warnzeichen suchen. Sichtkontrollen gibt es auch im Wald rund um Schutzhütten, an Hauptwegen und Bänken. (bp)

Quelle: op-online.de

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