Junge Freiwillige probieren sich bei Behindertenhilfe  aus

Dank Hilfe selbstständig

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In der Behindertenwohngruppe leben junge Erwachsene weitgehend selbstständig. Stehend: Simone Stodal-Kostka und Steffen Heitlinger.

Jügesheim - Der Verein Behindertenhilfe ist seit 2009 anerkannter Träger von Bundesfreiwilligendienst und Freiwilligem Sozialen Jahr. Von Simone Weil 

Bis zu 70 junge Leute engagieren sich jährlich in diversen Aufgabengebieten des Vereins: etwa 25 in Wohngruppen und 20 in integrativen Kindertagesstätten. Außerdem gibt es den Ambulanten Dienst und schulische Integrationshilfen. „Ich wusste nicht, wie sehr die Bewohner im Leben stehen.“ Steffen Heitlinger ist beeindruckt, wie selbstständig die meisten der 13 Menschen aus der Behindertenwohngruppe ihren Alltag bestreiten. Er ist erstaunt, was sie leisten. Denn die meisten arbeiten noch in einer Werkstatt für Behinderte. Hilfestellungen durch Sozialarbeiter ermöglichen den eingeschränkten Erwachsenen weitestgehende Eigenständigkeit. Dazu trägt auch Steffen Heitlinger bei, der seit August 2014 ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Einrichtung des Vereins Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach absolviert.

Die Auszeit vom Lernen nach dem Abitur war für den 20-Jährigen eine Möglichkeit, herauszufinden, wie es für ihn weitergehen soll. Obwohl er beruflich einen anderen Weg einschlagen wird, hält Heitlinger die Erfahrung mit dem FSJ für lohnenswert.

Positive Entwicklungen im Laufe der Zeit

Der Jügesheimer brachte keinerlei Erfahrung im Umgang mit Behinderten mit und traute sich pflegerische Aufgaben zunächst nicht zu. Das hatte er beim Vorstellungsgespräch gesagt. Doch nach und nach übernahm er es neben Aufgaben wie Wäsche sortieren und einkaufen, Ausflüge begleiten und Bewohner zum Arzt fahren auch, einen der Männer zu duschen und zu rasieren. „Das war am Anfang ungewohnt, ist aber immer alltäglicher geworden“, erzählt der FSJler. Das habe sich im Laufe der Zeit entwickelt, sagt Simone Stodal-Kostka, die die Wohngruppe Rodgau leitet: „Wir schauen natürlich bei den jungen Leuten, was geht und was nicht“, erläutert die Heilerziehungspflegerin.

Weil das soziale Bildungsjahr von Steffen Heitlinger nun bald zu Ende geht, sucht die Wohngruppe an der Jügesheimer Vordergasse nach einem jungen Mann oder einer jungen Frau, die ihre Schulpflicht erfüllt haben und nicht älter als 27 Jahre alt sind. In zwei halbtägigen Hospitanzen können die Interessenten ausprobieren, ob ihnen die Aufgabe liegt.

„Man muss kommunizieren und offen sein“

Außer der freien Stelle in der Wohngruppe Rodgau, für die der künftige Freiwillige unbedingt einen Führerschein braucht, gibt es noch Kapazitäten in Langen, Dietzenbach und Offenbach. Ab August bis Mitte September wird eingestellt. Der Verdienst liegt bei 410 Euro im Monat, es gibt 26 Tage Urlaub. In 25 Bildungstagen werden die Freiwilligen geschult. Fachwissen ist wichtig, dennoch ist die Tätigkeit von persönlichen Eigenschaften beeinflusst und wird individuell geprägt. „Man muss kommunizieren und offen sein“, erwartet Stodal-Kostka.

Auf alle Fälle aber „gehen die jungen Leute anders hier weg“, findet Claudia Kamer vom Fachdienst Freiwilligendienst der Behindertenhilfe. Das hat für den Verein durchaus positive Folgen: Zu 90 Prozent sind Auszubildende ehemalige Freiwillige. Von 70 entscheiden sich etwa 30 für eine Aufgabe in der Behindertenarbeit.

Infos: www.fjs-bho.de oder auf Facebook unter FSJ Behindertenhilfe. Kontakt : Claudia Kamer, 069/80906917.

Quelle: op-online.de

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