Verein möchte den Wasserturm noch mehr beleben

Schlanke Gestalt aus rotem Stein

Jügesheim - Die „Freunde des Wasserturms“ haben mit dem Rodgauer Wahrzeichen noch viel vor. Der Stadt wurden Pläne vorgestellt, wie das Gelände rings um den Turm belebt werden könnte. Von Bernhard Pelka 

Frank Eser, Roland Henkel und Stephan Mathes (von links) haben viele Ideen für das Wasserturmgelände.

Der Wasserturm rückt im Jahreslauf zwar regelmäßig bei Veranstaltungen ins Blickfeld. Die Monate zwischen Wassertormfest, nächtlichem Fastnachtsumzug und adventlichem Budenzauber liegt das Gelände aber weitgehend brach. „Das kann’s nicht sein“, findet der Vereinsvorsitzende Frank Eser. Zusammen mit seinem Stellvertreter, dem Architekten Stephan Mathes, hat er der Stadt Ideen zur Belebung des weitläufigen Geländes vorgestellt. Einbezogen werden soll in diese Überlegungen auch der seit einigen Jahren geschlossene Minigolfplatz. „Wir wollen die gesamte Fläche attraktiv machen auch als touristisches Ausflugsziel“, erläutert Eser. Dazu soll zum Beispiel ein Wasserspielplatz neben dem Turm entstehen. Nicht nur zum Matschen und Spielen, sondern auch zum Lernen. „Dort wollen wir Kindern begreiflich machen, wie der Turm als Wasserspeicher früher funktioniert hat.“

Neuen Schub erhalten die Ideen durch die Bereitschaft der Jügesheimer Dachdeckerei und Zimmerei Henkel und Geflitter, sich an dem Projekt zu beteiligen. Geplant ist auch der Bau eines überdachten Freisitzes. „Wenn so etwas kommt, werden wir unseren Beitrag leisten“, verspricht Firmenchef Roland Henkel. Sein Engagement kommt nicht von ungefähr, denn sein Unternehmen hat zu dem Baudenkmal unmittelbar an der B45 einen engen Bezug. Denn die Arbeiten an der einzigartigen und kühnen Dachgebälkkonstruktion hat Roland Henkels Großvater Heinrich Henkel 1936 mit seinen Männern ausgeführt. Den Turm krönt eine runde und geschwungene Dachhaube, die nach oben etwa sieben Meter spitz zu läuft. Diese schwierige Dachstuhlkonstruktion gilt in Fachkreisen noch heute als gewagt und einmalig. Das gilt besonders für den runden Haupttragekranz des Gebälks, bestehend aus rundgeschnittenen und vernagelten Brettern – immer drei übereinander.

Teufelkerle im Dachgebälk. Ohne Netz und doppelten Boden zimmerten die kühnen Männer der Firma Henkel 1936 in schwindelerregender Höhe den Dachstuhl des Wasserturms. Unten, rechts: Heinrich Henkel.

„So etwas würde heute kein Statiker mehr genehmigen. Das würde heute mit aufwendig gearbeiteten Leimbindern gemacht. Aber wie stabil es ist, zeigt der gute Zustand der Konstruktion“, sagt Roland Henkel respektvoll. „Immerhin hat der Turm in all den Jahren viele teils verheerende Herbststürme wie zum Beispiel Wiebke überlebt.“ Einmalig ist auch die geschwungene Form des spitz zulaufenden und mit Naturschiefer eingedeckten Dachs. „Das sieht man sonst nur noch in Asien“, ist Henkel sicher. Diese großartige Handwerkerleistung findet in Fachkreisen noch heute höchste Anerkennung. So diente die außergewöhnliche Handwerkerarbeit schon interessierten Architekturstudenten der Fachhochschule Frankfurt als Anschauungsobjekt. Auch Schulklassen oder Kitas sind dort etwa alle vier Wochen zu Gast. Dann stehen immer Erläuterungen zum früheren Zweck des Turms als Wasserspeicher auf dem Programm.

Spenden und Einnahmen aus Veranstaltungen sollen das aktuelle Vorhaben finanzieren. Das ist dem Verein schon einmal bei einem früheren Projekt gelungen. 2011 weihte er den Drachenbrunnen am Turm ein. Die fünf Basaltstelen mit drei Drachenfiguren, die den Quellstein des Brunnens einkreisen, nehmen exakt den Radius des Wasserbehälters im Turm auf.

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Quelle: op-online.de

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