Ladenbesitzer darf aus Geschäft keine Notunterkunft machen

Flüchtlinge: Verhinderte Herberge

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Karl-Heinz Schmitt nutzt seinen Laden seit 2002 nur noch privat als Bastelstube – unter anderem für Puppenhäuser.

Rodgau - Die Kreisverwaltung sucht in Rodgau händeringend nach Wohnraum für Flüchtlinge. Trotz dramatischen Mangels darf ein Ladenbesitzer aus Obertshausen seinen früheren Friseursalon in einer fast leer stehenden Geschäftspassage in Nieder-Roden nicht als Asylanten-Übergangswohnung vermieten. Von Bernhard Pelka

 Der Mann fühlt sich von der Kreisbauaufsicht schikaniert und versteht die Welt nicht mehr. „Ich will keinen Reibach machen. Ich will helfen. Wenn meine Unkosten reinkommen, reicht mir das“, versichert Karl-Heinz Schmitt. Der Obertshäuser kaufte 1995 in der Passage im Terrassenhaus Seestraße 2-4 in Nieder-Roden einen Laden. Seine Frau Ursula und sein Sohn Markus betrieben darin einen Friseursalon. Nachdem die Passage immer weniger Kundenlauf hatte, schlossen erst der Bäcker, dann das Spielzeuggeschäft, ein Versicherungsbüro und schließlich auch der Friseursalon. Seit 2002 steht das Geschäft leer. Nachmieter oder Käufer waren trotz großer Anstrengungen nicht zu finden. „Seit der Puiseauxplatz in unserer unmittelbaren Nähe immer belebter wurde, ging es hier bergab“, bedauert Schmitt. Als die Wohnungsnot für Asylanten immer größer wurde, kam ihm die Idee, das Geschäft als Notunterkunft zu vermieten. Den Architekten bestärkte die Tatsache, dass die Kreisbauaufsicht vor einiger Zeit bereits den Umbau eines anderen leeren Ladens in der Passage zur Wohnung genehmigt hatte. Seither ist diese Fläche Schmitt zufolge vermietet.

In einer formlosen Anfrage informierte der Rentner die Stadt Rodgau von seiner Idee. Der Fachbereich Soziale Dienste der Stadt wiederum fragte bei der Kreisbauaufsicht in einer E-mail nach, ob die geplante Nutzungsänderung genehmigungsfähig wäre. Die Bauaufsicht lehnte ab. Die Räume könnten nicht ausreichend belüftet werden und es falle zu wenig Tageslicht hinein. Der Laden gliedert sich in zwei Flächen: 40 Quadratmeter im Erdgeschoss, 34 Quadratmeter im Untergeschoss, das über eine Wendeltreppe erschlossen ist. Tatsächlich fällt ausschließlich ins Erdgeschoss Tageslicht – durch eine Glasfront direkt am Hauptgang der Passage. Die Glasfront bildet auch den Zugang zum Laden. Ins Freie gucken kann man nur seitlich nach rechts durch die Fenster. Das Untergeschoss hat keine Fenster. Ein Fluchtweg in den Kellerflur ist aber vorhanden.

Ein Ventilator dient der Belüftung. Im Kellergeschoss sind Toiletten vorhanden. Der Ladeninhaber würde dort eine Dusche einbauen. „Mir ist klar, dass das keine Dauerlösung sein kann. Aber fürs Erste, als Zwischenlösung, könnten hier doch Flüchtlinge wohnen. Überall heißt es, jeder Quadratmeter würde gebraucht. In Berlin-Tempelhof haben sie sogar einen alten Flugzeughangar zur Unterkunft umgebaut“, argumentiert der Immobilienbesitzer. Im Unterschied zu dem bereits als Wohnung vermieteten Laden hat das Geschäft von Karl-Heinz Schmitt allerdings kein direktes Fenster nach außen. Wobei sich die Fenster der vermieteten Laden-Wohnung nicht öffnen lassen, da es sich dabei um das frühere Schaufenster handelt.

Eine Kreissprecherin sagte auf Anfrage unserer Zeitung, die Räume von Schmitt erfüllten für den gedachten Zweck nicht die Anforderungen der Hessischen Bauordnung. Eine natürliche und ausreichende Belichtung und Belüftung müsse in Aufenthalts- und Schlafräumen gewährleistet sein. „Bauordnungsrechtlich“ bestehe da „kein Spielraum“. Gesundheit und Sicherheit der Bewohner müssten gewährleistet sein. Schmitt ärgert, dass die Kreisbauaufsicht vom Schreibtisch aus entschieden hat. Einen Ortstermin habe es bisher nicht gegeben. Die Kreissprecherin begründet dies damit, dass die Anfrage des Ladenbesitzers bisher formlos geschehen sei. Eine Bauvoranfrage, zum Beispiel, gebe es noch nicht. Grundsätzlich bestehe seitens der Kreisbauaufsicht trotz der klaren Gesetzeslage nach wie vor Gesprächsbereitschaft.

Quelle: op-online.de

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