Aller Anfang war schwer

Das ist die erste Gruppenführerin bei der Rodgauer Feuerwehr

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Vlaikul Müller mit einem Halligan-Tool am Einsatzfahrzeug. Das Hebel- und Brechwerkzeug wird oft bei der Feuerwehr verwendet.

Weiskirchen - Vlaikul Müller engagiert sich bei der Freiwilligen Feuewehr Weiskirchen und ist die erste Gruppenführerin bei der Feuerwehr Rodgau. Von Simone Weil 

Die 29-Jährige mit thailändischen Wurzeln ist beim Kreis Offenbach angestellt und beschäftigt sich dort mit dem vorbeugenden Gefahrenschutz. Sie ist die erste Gruppenführerin bei der Feuerwehr Rodgau. Dafür hat sie auch vier Wochen lang die Landesfeuerwehrschule in Kassel besucht. Vlaikul Müller weiß, was sie will. Die Architektin, die in der Brandschutzdienststelle beim Kreis Offenbach arbeitet, sieht einen sinnvollen Zusammenhang zwischen ihrem Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr Weiskirchen und ihrer Arbeit im vorbeugenden Gefahrenschutz. Deswegen peilt sie die Qualifikation „Sachverständiger im Brandschutz“ an, für die der „Gruppenführer“ Voraussetzung ist.

Während des Studiums bemerkte Vlaikul Müller, „dass die Hessische Bauordnung so brandlastig ist“. Um Hintergründe und Zusammenhänge besser zu verstehen, beschloss sie, zur Feuerwehr zu gehen. Warum alle 40 Meter eine Brandwand sein muss, kann die 29-Jährige mit thailändischen Wurzeln heute locker erklären: „Das hängt mit der Reichweite des B-Schlauchs zusammen.“ Schnell habe sie erkannt, dass die Aufgaben der Feuerwehr vielfältig sind und es nicht nur ums Feuerlöschen geht. Wichtig ist der Kreishausmitarbeiterin auch der Zusammenhalt im Team: „Das ist eine Bereicherung, weil jeder etwas anderes mitbringt und sich das ergänzt“, findet die 29-Jährige.

Dennoch sei der Anfang für sie als Frau nicht gerade einfach gewesen. Die männlichen Kollegen waren sehr distanziert. „Man muss beweisen, dass man was drauf hat und sich richtig durchbeißen“, ist ihre Erfahrung. „En“, so der Spitzname der Feuerwehrfrau ist inzwischen längst angekommen: Die Akzeptanz hat sie sich erkämpft. Allerdings war sie vor sechs Jahren auch die einzige Frau bei der Feuerwehr Weiskirchen. Heute gibt es unter den etwa 50 Aktiven immerhin schon sieben weibliche Kameradinnen. Außer der körperlichen Fitness ist auch Kraft Voraussetzung für die Arbeit bei der Helfertruppe. Allein Jacke, Hose und Stiefel wiegen schon etwa 15 Kilo. Deswegen geht die Gruppenführerin auch ins Sportstudio.

Bilder: „Fire-Fit-Challenge“ bei Feuerwehrtag in Rodgau

Gefährliche Situationen hat Vlaikul Müller schon einige erlebt. Sehr lebhaft in Erinnerung ist ihr ein Dachstuhlbrand, bei dem „von einer Sekunde auf die andere alles voller Qualm war“. Sie konnte nichts mehr sehen und fühlte Panik aufsteigen. „Ich musste mich erst beruhigen“, erinnert sie sich. Auch Verkehrsunfälle sind schlimm. „Was man da alles zu sehen kriegt“, erzählt sie. Doch jeder Helfer habe seine Aufgabe und funktioniere wie ein Zahnrädchen, das ins andere greife. „Deswegen sind Hierarchien wichtig, damit es während eines Einsatzes eine klare Linie gibt.“ Bei der Nachbesprechung könne diskutiert werden, was verbesserungswürdig sei - während der Arbeit unmöglich.

Vlaikul Müller ist in Thailand aufgewachsen und mit sechs Jahren zu ihrer Mutter nach Deutschland gekommen – ohne Deutschkenntnisse. Die Sprache hat sie sich schnell angeeignet, immerhin lernen die Kinder in ihrem Heimatland schon Englisch im Kindergarten. Mit Freude und Neugier begegnet die Gruppenführerin Feuerwehrkameraden, die wie sie „offensichtlich nicht aus Deutschland kommen“. Denn die Organisation hat sich aus Nachwuchsmangel auf die Fahnen geschrieben, neue Mitglieder gewinnen zu wollen – insbesondere Frauen und Migranten. Müller: „Das interessiert mich dann besonders, zu erfahren, warum diese sich engagieren.“

Bilder: Übung der Feuerwehr in Brandcontainern

Quelle: op-online.de

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