Instrument erklingt erstmals im Gemeindezentrum am Puiseauxplatz

Voller Klang aus 442 Orgelpfeifen

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Thomas Köhler (links) und Ralf Berns sind an den Innereien der Orgel zugange. Der Kirchenraum des Gemeindezentrums ist für einige Tage eine Werkstatt.

Nieder-Roden - Mit vollem Orgelklang weiht die evangelische Kirchengemeinde Nieder-Roden am Samstag ihr umgebautes Gemeindezentrum ein. Die Orgel aus der ehemaligen Christuskirche war zwei Jahre lang eingemottet. Jetzt wird sie wieder aufgebaut. Von Ekkehard Wolf

Gut 40 Jahre sind für so ein Instrument noch kein Alter. „Ich habe es jetzt so überholt, dass es bedenkenlos die nächsten 40 Jahre weiter spielt“, sagt Thomas Köhler von der Orgelbauwerkstatt Gerald Woehl aus Marburg. Gemeinsam mit seinem Kollegen Ralf Berns baut er die Einzelteile wieder zusammen. Einen ersten Eindruck erhielten die Gottesdienstbesucher bereits am Sonntag: Die beiden Fachleute hatten die Prospektpfeifen provisorisch aufgesteckt, so dass die Vorderseite schon fast wie gewohnt aussah. Dahinter war die Orgel erst halb fertig. Die Pfeifenorgel stammt aus dem Jahr 1971, neun Jahre nach der Einweihung der Christuskirche. Die Kirchengemeinde beauftragte damals ein junges Unternehmen: Gerald Woehl hatte sich 1969 selbstständig gemacht.

Das Instrument ist eine typische Woehl-Orgel: schlank, kompakt und ohne opulente Verzierung. Die Profis in Marburg können aber auch anders: Neben Neubau und Wartung haben sie sich darauf spezialisiert, alte italienische Pfeifenorgeln zu restaurieren. Damit sprechen sie Kunden in aller Welt an. Die Nieder-Röder Orgel ist für die klassische Aufgabe gebaut, die Gemeinde im Gottesdienst zu begleiten. Sie verfügt über eine kräftige Grundstimme und wenige hohe Stimmen. Die klangliche Vielfalt ist überschaubar: ein Manual mit sieben Registern plus Subbass, zusammen 422 Pfeifen. Nach dem Verkauf der Christuskirche vor zwei Jahren hatte Orgelbauer Thomas Köhler das Instrument auseinandergenommen und eingelagert. Der Kirchenvorstand entschied sich, die Orgel zu behalten anstatt eine neue anzuschaffen. Die Gründe lagen auf der Hand: Erstens kennt die Gemeinde ihre Orgel, zweitens hätte ein Neubau viel Geld gekostet.

Die Orgelbauer in Marburg nutzten die Zeit, um das Instrument gründlich zu überholen. Sie überarbeiteten die Mechanik, erneuerten elektrische Anschlüsse, reinigten jede einzelne Pfeife und dichteten altersbedingte Risse im Holz ab. Keine einzige Pfeife musste ausgetauscht werden. Der veränderte Aufstellplatz erforderte lediglich einen neuen Windkanal. Farblich sieht man dem Instrument sein Alter durchaus an. Das Holz ist nachgedunkelt. „Ein schöner Kontrast zu dem relativ hellen Raum“, meint Thomas Köhler.

Neuer Wohlklang für Kirchenorgel

Beim Umbau des Gemeindehauses hat der Architekt eine Nische für die Orgel freigehalten. Auch in der Christuskirche stand sie unter einem Unterzug. Das Raumklima am neuen Standort dürfte aber besser sein. Im Gegensatz zur Kirche verfügt das Gemeindehaus über eine gute Wärmedämmung und kühlt im Winter nicht aus. Dadurch entfallen Temperaturschwankungen, unter denen Kirchenorgeln normalerweise leiden. Zur Einweihung des Gemeindehauses am Samstag, 26. September, soll die Kirchenorgel erstmals wieder erklingen. Und wer weiß, vielleicht kommt in einigen Jahren ja eine weitere Klangfarbe dazu. Trotz der kompakten Bauweise reicht der Platz für ein weiteres Register.

Quelle: op-online.de

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