Pflanzen bei Wanderung mit Expertin auf der Spur

Kräuter gegen Insektenstiche

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Aus etwa 25 Teilnehmern besteht die Gruppe, die unter Leitung der Kräuterführerin Morgane Bannöhr rund zwei Stunden am Waldrand unterwegs ist.

Dudenhofen - Ob für die Verfeinerung von Speisen oder als Wiesenapotheke, wild wachsende Kräuter gibt es in der Region in Hülle und Fülle. Von Peter Petrat 

Bereits zum sechsten Mal boten Gewerbeverein Dudenhofen und Wanderclub Edelweiss mit ihrer Kräuterwanderung die Möglichkeit, diese unscheinbaren Schätze mit einer professionellen Kräuterführerin zu entdecken. Für Neulinge und auch erfahrene Sammler gab es viel über die Natur vor der eigenen Haustür zu lernen, dabei lag der Schwerpunkt aber auf der kulinarischen Verwendung der Pflanzen. „Kräuter stehen zur Zeit hoch im Kurs“, erklärte Gewerbevereinsvorsitzender Berthold Schüßler bei Beginn des kleinen Rundgangs an der Gänsbrüh, wie man auf die Idee gekommen war. Die gespannt wartenden Teilnehmer gaben ihm Recht. Kaum eine Zeitschrift sei noch ohne Rezepte oder Hausmittelchen aus Kräutern. „Ich möchte mein Wissen auffrischen, was im Laufe der Zeit verloren gegangen ist“, erklärt eine Teilnehmerin. Andere haben schon öfter teilgenommen und stellen gezielt Fragen. Aber auch Neulinge sind am Start: „Man hört und liest viel, jetzt will ich auch mal wissen, was auf meiner Wiese alles so wächst“.

Aus etwa 25 Teilnehmern besteht die Gruppe, die dann unter Anleitung der Kräuterführerin Morgane Bannöhr aus Waldaschaff rund zwei Stunden am Waldrand entlang geht. Das solle ein bisschen Appetit machen, scherzt Morgane, die auch den passenden Kochkurs „Kochen mit Wildkräutern“ in knapp zwei Wochen im Clubhaus der Wanderclubs leitet. Dort wird gemeinsam gesammelt und dann mit diesen Wildkräutern gekocht.

Kräuterführerin gibt Grundregeln vor

Man könne aus der Natur viel mehr essen und verwenden als man denke, erklärt die Fachfrau. Vom Sekt aus Fichtennadeln bis hin zum Spitzwegerich als Wundermittel gegen Stiche auf der Haut sei alles möglich. Während der Sekt wegen seines eigenwilligen Geschmacks in der Gruppe nur wenige Freunde findet, können einige die wundersame Wirkung des Spitzwegerich bestätigen: Ein Blatt zusammenknüllen und auf den Insektenstich drücken – der juckt nicht mehr und schwillt nicht an.

Original und Fälschung - noch sind der Holunder und dieser Kerbel leicht zu unterscheiden, denn bisher blüht nur der Holunder. Sobald auch der Kerbel hell blüht, erkennt man ihn daran, dass sich alles nur von einer Stelle aus sternförmig verzweigt. 

Einige Grundregeln wiederholt die Kräuterführerin an diesem Tag mehrmals. Zunächst sollte man sich sicher sein, was man zupft. „Wenn ich mir nicht sicher bin, lass ich die Finger davon“, so die vorbildliche Einstellung einer Teilnehmerin. Viele Pflanzen sehen auf den ersten Blick ähnlich aus, die Details können aber zwischen essbar und giftig unterscheiden. Bei der Bestimmung sollte man immer unten anfangen. Welche Farbe hat der Stiel, ist er rau oder glatt? Welche Formen haben die Blätter? Die Knoblauchsrauke etwa, früher „Salz der armen Leute“ genannt, obwohl der Geschmack eher pfeffrig ist, sieht Gundermann zum Verwechseln ähnlich. In diesem Fall ist das jedoch nicht schlimm, da beides essbar ist.

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Manchmal ist es jedoch ganz tückisch, da verändert manche Pflanze in den Wachstumsstadien ihr Aussehen, bis hin zur Form der Blätter. Bereits Aschenputtel wusste: Die guten ins Töpfchen. Beim Kräutersammeln gilt aber eher: Die schönen ins Tütchen. Denn es sollten nur schöne Blätter und Blüten gezupft werden, denn nur was gut aussieht, schmeckt auch. Verpackt werden sollte das Grün idealerweise in Frischhaltebeuteln aus Plastik, so die Expertin. „Niemals alles mitnehmen“, mahnt Bannöhr. Nicht nur für andere Kräutersammler, sondern vor allem auch für die Pflanzen- und Tierwelt sollte noch genug übrig bleiben, damit die Pflanze dort auch nächstes Jahr blüht.

Märchenhaft ist auch die Geschichte um den Holunder. Aus „Frau Holle“ sei die Pflanze als Holunderbusch bekannt und symbolisiere die Verbindung zwischen Leben und Tod, so Bannöhr. Während die Blüte auch als Medizin eingesetzt wird, können die Beeren in größeren Mengen für den Menschen schädlich sein. Wer Holunderblüten verarbeiten möchte, ein Tipp: Die Blüten nicht direkt nach Regen sammeln und auch nicht abwaschen, der Geschmack steckt schließlich im Blütenstaub.

Quelle: op-online.de

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