Warten auf die S-Bahn

Der ganz normale Wahnsinn

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Jügesheim - Fast 50 Minuten in klirrender Kälte warten ohne Erklärungen und Informationen: Für die Kunden des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) und der Bahn geht am Dienstag wieder mal ganz unrühmlich ein Arbeitstag zu Ende. Von Simone Weil 

Wer Pech hat, steht bereits seit 17.23 Uhr auf dem offenen Bahnsteig und hofft auf die S1 in Richtung Wiesbaden. Lediglich zehn Minuten Verspätung werden zunächst angezeigt. Doch der Zug kommt nicht, dafür gibt es aber auch keine weiteren Nachrichten über den Verbleib des Gefährts. Ein Mann regt sich auf: „Das gibt es doch nicht, jetzt muss ich schon wieder warten.“ Auch wenn der Nahverkehr-Kunde seinem Ärger Luft macht, es nützt nichts. Auch der nächste Zug um 17.38 Uhr fällt ersatzlos aus. Die Wartenden vermissen Informationen, zücken ihre Handys, bitten liebe Menschen, sie doch abzuholen.

Der laute Randalierer scheint kurz vom Kollaps zu sein. Immer wieder brüllt er seinen Zorn heraus. Manche der Bahnkunden fürchten, er könne noch handgreiflich werden und machen einen großen Bogen um ihn. Doch inzwischen ist der Bahnsteig voller geworden, weil sich immer mehr Menschen eingefunden haben, die nach Hause oder zum Einkaufen und Ausgehen in die große Nachbarstadt wollen. Wie die junge Frau, die jetzt aufgibt: „Ich sage meinen Termin ab, weil ich es nicht mehr rechtzeitig schaffe und gehe heim“, erklärt sie. „Der ganz normale Wahnsinn, das geht seit Wochen so“, schimpft eine Frau.

Der nächste Zug soll laut Fahrplan um 17.53 Uhr fahren, doch in Jügesheim am Bahnhof fährt gar nichts. Obwohl in die Gegenrichtung ein Zug unterwegs war. Der muss doch auch irgendwann zurückkommen? Auf der anderen Seite des Bahnsteiges in Richtung Ober-Roden ist auf der Anzeige immer wieder mal zu lesen: 20 Minuten Verspätung oder der und der Zug fällt heute aus. Über Züge in Richtung Wiesbaden aber erfährt man nichts. Erst um 18.08 Uhr kommt ein Zug in Richtung Frankfurt. Inzwischen sind alle Bahnkunden so durchgefroren, dass der Jubel ausbleibt, den man jetzt eigentlich erwarten würde.

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Bei der Bahn heißt es dazu: Ein Zug sei an der Station Offenbach-Ledermuseum liegengeblieben und habe abgeschleppt werden müssen. Klar, da kann man nichts machen. Aber warum gibt es keine Hinweise? „So soll das natürlich nicht laufen. Schicken Sie mir eine Mail, dann klären wir das“, meint der Pressesprecher.

Übrigens sind diese Impressionen keine Ausnahme sondern gehören zum Alltag der Nahverkehrskundschaft, auch wenn der RMV an diesem Tag zahlreiche Verbesserungen angekündigt hat. Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember sollen längere Züge rollen und ein Halbstundentakt an Sonn- und Feiertagen ab 7.30 Uhr eingeführt werden.

Quelle: op-online.de

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