Überflug mit 154 Sachen

Wasserflugzeuge machen am Badesee richtig Tempo

+
Fast so schnell wie das Original in den 1930er Jahren ist dieser Flugboot-Nachbau unterwegs. Hier ein Bild vom Start.

Nieder-Roden - Zu Lande, zu Wasser und in der Luft - alles, was der Badesee in Nieder-Roden bietet, haben am Wochenende rund 50 Modellflieger-Piloten aus der Region genutzt. Beim vierten Wasserflugzeug-Treffen des Dietzenbacher Flug- und Modellbauclubs wetteiferten rasante Flitzer, behäbige Klassiker und wendige Helikopter um die Aufmerksamkeit mehrerer hundert Zuschauer.  

Auf Schwimmern statt auf Rädern, oft von der Nase bis zum Leitwerk im Wasser, gewinnen imposante Fluggeräte mit bis zu 3,30 Metern Spannweite Fahrt. Einige werden von mehreren Propeller-Triebwerken auf Startgeschwindigkeit gebracht und erheben sich mit bis zu 20 Kilo Abfluggewicht über die Miniatur-Brandung auf der bewegten Seeoberfläche. „Wasserflug macht noch einmal ein bisschen mehr Spaß als der Landflugbetrieb“, meint Ralf Kaiser, Vorsitzender des traditionsreichen Dietzenbacher Clubs. Das sagt einer, der in 55 Jahren so gut wie alles über den Modellflug mitbekommen hat. Schon als Vierjähriger habe er sich mit dem Vater für das Hobby begeistert, berichtet Kaiser. Treu blieb er ihm auch in seiner Jugend, als die nötige Ausrüstung mit einem Lehrlingsgehalt oder Taschengeld unerschwinglich gewesen sei: „Allein die Fernbedienung kostete mehrere tausend Mark“ - vom Flugzeug plus Triebwerk ganz zu schweigen.

„Da gab es dann zum Glück den Verein“, ergänzt ein Clubkamerad: Kinder und Jugendliche lernten dort, Flugzeuge aus verfügbaren Materialien selbst zu bauen, außerdem Grundlagen der Physik und des Pilotenhandwerks. Heute liegt die Schwelle laut Kaiser sehr viel niedriger: „Ein Anfänger kommt mit 400 Euro für die Grundausrüstung hin“. Möglich gemacht habe dies die digitale Revolution: Elektronische Bauteile für die Fernbedienung steckten auch in Handys und Laptops und würden zu Millionen hergestellt.

Die früher üblichen, hoch spezialisierten und wartungsintensiven Methanol-Motoren, würden mehr und mehr von Elektrotriebwerken mit immer leistungsfähigeren Akkus abgelöst. „Es ist kein elitäres Hobby mehr“. Weil viele Bausätze einfach zusammensteckbar seien, brauche ein moderner Modellpilot nicht einmal besondere Bastelbegabung.

„Technisch und feinmotorisch versiert“ sollte er dennoch sein - bei allem Fortschritt dringe doch schon mal ein Wassertropfen durch die Isolierung und setze einen der Mini-Motoren für die Ruder außer Gefecht, erläutert Kaiser. Dann sei Feinarbeit gefordert.

Alles zum Badesee auf der Themenseite

Wirklich Spaß am Wasser-Modellflug habe zuerst der „Outdoor-Typ“, der Regen und Kälte trotz und „nicht zu pingelig ist wegen ein bisschen Dreck - schließlich sind wir fast nur draußen, und da ist nicht immer alles klinisch rein“. Dazu gehöre auch ein gewisser Blick für Tempo und Entfernungen, schon wegen der gesetzlichen Regeln. Weiter als 500 Meter darf sich ein Modellflugzeug nicht von seinem Lenker am Ufer entfernen und sollte grundsätzlich immer im Sichtfeld sein.

„Multicopter“ - Drohnen nennt sie Ralf Kaiser sie wegen des militärischen Beiklangs nicht gern - gibt es im Dietzenbacher Club nicht, Modell-Hubschrauber in klassischer Form werden dort indessen gern und oft geflogen. Einer davon kreiste am Samstag mit Big Jim, einer Action-Figur für Kinder aus den 1970er Jahren, über dem Badesee. Der Vorsitzende hält es lieber mit „Flächenflugzeugen“: Stolz ist er auf einen detailgetreuen Nachbau einer Piper Cup mit über drei Metern Spannweite. Richtig Tempo macht er mit einem knallroten Flugboot mit Doppel-Tragflächen und hoher Motorgondel. Nahe am Original, das in den 1930er Jahren flog, brachte es der Flitzer im Horizontalflug auf 154 Stundenkilometer.

Wasserflugzeug-Treffen am Badesee Nieder-Roden: Fotos

Für Wasserflugzeuge gibt es südlich von Frankfurt laut Ralf Kaiser kein besseres Aktionsgelände als den Badesee in Nieder-Roden: Große Wasserfläche, ebenes Umfeld für konstanten Wind und kaum Bäume am Ufer. Das fiel schon bei der Premiere vor vier Jahren, als die Dietzenbacher dort einen internationalen Wettbewerb ausrichteten, positiv auf: „Alle waren begeistert, und so machen wir jetzt jedes Jahr das Treffen“, sagt der Vorsitzende. Vorwiegend Piloten aus dem Rhein-Main-Gebiet hätten den Termin inzwischen fest gebucht. (rdk)

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare