Beobachtungen auf dem Weihnachtsmarkt

Schafe statt Sternschnuppen in Weiskirchen

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Streicheln erlaubt: Die Schafe mit ihrem dicken Winterpelz können über Kälte nicht klagen.

Weiskirchen - Unter einem Sternenhimmel finden sich die Weiskircher wieder - alle Jahre wieder am ersten Advent. Dort gilt es Sternschnuppen zu erblicken - beim gleichnamigen Adventsmarkt.

Wer am ersten Advent mit dem Auto zum Weiskircher Bahnhof fahren will, muss ein Ortsfremder sein. Einheimische wissen: kein Durchkommen bis 22 Uhr. Beim Sternschnuppenmarkt will man „auf der Gass“ etwas erleben. Und sich was wünschen: Eine Sternschnuppe verspricht schließlich die Erfüllung eines geheimen Wunsches. Sei es bei den Jüngsten vielleicht das komplette Abhaken des Wunschzettels. Oder bei anderen die Hoffnung auf eine friedliche Vorweihnachtszeit. Für die Organisatoren steht der außergewöhnliche Name im Vordergrund. Weihnachtsmarkt kann ja jeder. Über dem Eingangsbereich zum Innenhof des Heimatmuseums hängt die Sternschnuppe als weithin sichtbares Zeichen, erzählt Bettina Fecher vom Heimatverein stolz.

Klein, aber fein mag man den Markt rund um das Heimatmuseum nennen. Man kennt sich. Das typische „Ei Gude, wie?“ ist allerorts zu hören. „Mir gefällt die Atmosphäre“, sagt eine Frau. Man treffe hier viele Bekannte. „Und kann das eine oder andere Schöppsche trinken“, ergänzt ihr Mann lachend. Bettina Fecher ist stolz, dass die Weiskircher wieder einen Adventsmarkt auf die Beine gestellt haben. Neben der Kerb einer der Höhepunkte im Jahr, wie sie sagt. Plätzchen aus Eigenproduktion verkaufen Jennifer Wolf und Lukas Massoth; mit Schokolade, Gewürzen oder mit Glühweingeschmack. So wie sie beteiligen sich viele Privatleute am Markt. „Alle aus dem Dorf“, ergänzt Wolf.

Am Stand gegenüber gibt es Knuddeliges zu bewundern. Schäfer Markus Metzger aus Nieder-Roden hat neben Wollprodukten auch deren lebendige Produzenten mitgebracht. Die Schäfchen entlocken nicht nur den kleinsten Marktbesuchern ein gerührtes „Ach, wie süß!“. Mit dabei hat er auch ein paar Zackelschafe, eine alte Haustierrasse, die er als einziger in Hessen noch züchtet. Erinnerungen an den Sommer weckt eine Ausstellung im Heimatmuseum. Sie zeigt Bilder von der 800-Jahr-Feier. Wer mal etwas anderes verschenken will, ist bei der Kunsthandwerksausstellung genau richtig. Jenseits von Parfüm, DVD oder Smartphone könnten „Täumels“ eine Idee sein. Hermine Jünger stellt sie in Handarbeit her, die kleinen Kuschelfiguren mit integrierter Rassel. „Statt Sport“ mache sie das als Hobby, lacht sie. Auf dem Markt ist sie dabei, seit er vor drei Jahren wiederbelebt wurde. Sie hofft, dass daraus eine Tradition für Weiskirchen wird. Genauso wie Judith Winheim und Alexandra Faranda. Die beiden verkaufen selbst Genähtes und Gestricktes wie Mützen, Etuis oder Kuscheltiere. Im September fingen sie mit den Vorbereitungen an.

Sternschnuppenmarkt in Weiskirchen: Fotos

Allein Wind und Regen vermiesen ein wenig das Geschäft. Dennoch: „Wir sind jetzt ganz glücklich, dass es grad nicht regnet“, sagt Fecher mit Blick auf das Wetter, das sich zum Ende hin beruhigt hat. Absagen wäre nicht in Frage gekommen. Immerhin steckt viel Liebe und Aufwand im Markt. Und was wäre ein Weihnachtsmarkt ohne musikalische Untermalung? Dafür sorgen Musiker des Musikvereins in unterschiedlichen Besetzungen - von den Jüngsten bis zum großen Orchester. Gut geölte Stimmen hört man beim Chor „Da Chor“ aus Hainhausen, der zum ersten Mal dabei ist. Die Trompetengruppe „Doppel(s)pass“ spielt internationale Weisen. Die Musiker sind allesamt Alte-Herren-Kicker, die ihre Liebe für das Musizieren entdeckt haben.

Wenn gegen halb sechs die Turmbläser ihre Posaunen über den Platz schallen lassen, ist vielen klar: „Nächstes Jahr wird’s wieder schee.“

dh

Quelle: op-online.de

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