Zu schade für den Müll

Wie man an den üppigen Festtagen beim Kochen Reste vermeidet

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Jürgen A. Herr, Chef des „Journal“, hat in seinen Zeiten als Küchenmeister im Kempinski Gravenbruch Pop-Größen wie Michael Jackson und Phil Collins bekocht. Unseren Lesern gibt er Tipps, wie sie beim Essen für die Festtage Reste vermeiden können.

Rodgau - Zu keinem Fest wird so viel gekocht wie an Weihnachten. Und zu keinem Fest werden so viele Lebensmittel weggeworfen. „Den Kardinalfehler machen die Leute schon beim Einkaufen“, sagt Küchenmeister Jürgen A. Herr. „Sie planen nicht.“ Von Bernhard Pelka

Dabei müsste bei ein bisschen Überlegung so gut wie nichts verkommen. Keiner gibt gern zu, Lebensmittel wegzuwerfen. Die meisten haben auch gar nicht das Gefühl, dass zu viel in der Tonne landet. Dieser Eindruck täuscht aber. Wegwerfen ist meist vollkommen überflüssig. Denn auch aus Resten kann man leckere Speisen zaubern. „Aus Nichts was zu machen, ist eine Kunst“, wirbt Jürgen A. Herr für einen sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln. Für unsere Leser hat sich der Chef des Jügesheimer Restaurants und der Bar „Journal“ überlegt, was aus den Resten des Festessens noch werden kann.

Überbleibsel vom leckeren Fleischfondue taugen zum Beispiel noch hervorragend als Gulaschtopf. Oder Schnitzel. Die sind auch am nächsten Tag noch schmackhaft, sofern man sie mit Käse überbackt, dass sie saftig bleiben, und noch Ananas drauf legt. Oder Nudelreste und Bolognesesauce: Daraus wird mit ein bisschen Geschick beim Übereinanderschichten ganz schnell eine Lasagne. Oder die Platte mit Grillgemüse vom Vortag. Warum nicht daraus mit wenigen Handgriffen noch eine Suppe oder einen Auflauf zaubern? Der gekochte Kasselerbraten mit Sauerkraut und Püree hingegen ist am nächsten Tag auch noch als Kartoffelsuppe mit gerösteten Kasselerrauten und Sauerkohlschmand gut. Und wer noch vom Gänsebraten übrig hat, kann daraus zum Beispiel ein Rillette machen.

„Wichtig ist bei der Resteverwertung, dass man nach Möglichkeit nicht mehr sieht, was es mal war“, rät der gelernte Koch. Und er gibt Einkaufstipps zum Geldsparen und zur Müllvermeidung:

  • Vor dem Einkaufen unbedingt etwas essen. Wer mit knurrendem Magen los zieht, greift gern auch zu Überflüssigem und nimmt nach den Erfahrungen des Gastronomieprofis automatisch mehr mit als nötig.

Einkaufsplan machen:

Vorher darüber nachdenken, was gebraucht wird. Dann wird nichts spontan in den Einkaufswagen geworfen, was man nachher bereut. Dazu gehört auch die Überlegung, wer denn überhaupt zum Essen kommt. „Eine ältere Dame wird kein 600-Gramm-Steak verdrücken wollen“, erläutert der 47-Jährige. „Auch wir im Journal fragen bei Gesellschaften vorher genau nach, wie sich die Klientel denn zusammensetzt, die wir bedienen dürfen.“

  • Coupons und Angebote auch von Prospekten und Anzeigen aus der Tageszeitung nutzen, um nicht in Teuer-Fallen zu tappen.

Discounter auswählen:

Einkaufen beim Discounter ist oft günstiger. Viele Eigenmarken der Discounter sind von bekannten Markenherstellern. Das ist dann vergleichbare Qualität zum deutlich günstigeren Preis.

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Qualität statt Quantität:

Fleisch sollte man grundsätzlich beim Metzger seines Vertrauens einkaufen. Dort kann man nachfragen, wo das Fleisch herkommt. Der Kunde erhält Informationen über das richtige Garen. Der Kilopreis wird etwas höher sein als beim Discounter. Das macht die bessere Qualität aber wett.

Vorm Kochen Vergleichsrezepte ansehen:

Wer die Möglichkeit hat, sollte bei Zweifeln in Google oder sonstigen Suchmaschinen Vergleichsrezepte nachschlagen. Das verschafft einen Überblick über die richtigen Zutaten und die vorgeschlagenen Mengen. Dies hilft beim Sparen und man kann sich den ein oder anderen Trick herauslesen.

Frische Produkte am Abend kaufen:

Oft werden Gemüse und Obst kurz vor Ladenschluss billiger.

  • Haltbarkeitsdatum:

Zwar sind Produkte kurz vor Erreichen des Haltbarkeitsdatums im Handel manchmal billiger. Aber aufpassen: Nicht einfach kaufen, nur weil es günstiger ist.

  • Saisonprodukte:

Diese sind – zum richtigen Zeitpunkt gekauft – besonders günstig, weil die Ernte unbedingt abverkauft werden muss und das Angebot groß ist. So spart man durch die richtige Auswahl der Lebensmittel Geld.

  • Nichts kaufen, nur weil es billig ist. Dann vermeidet man Müll und letztlich ein zu Recht schlechtes Gewissen.

Quelle: op-online.de

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