Von der Rose bis zum Duftflakon

So gut sind die Werbegeschenke zur Bürgermeisterwahl

Rodgau - Im Endspurt vor der Bürgermeisterwahl am Sonntag geben beide Kandidaten noch einmal alles, um die Wähler an die Urnen und auf ihre Seite zu ziehen. Besonders viel Erfolg versprechen sie sich von der Begegnung an der Haustür und am Infostand. Von Ekkehard Wolf 

Eine subjektiven Bewertung

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft - auch wenn es Werbegeschenke sind. Neben Hausbesuchen und Internet führt an den klassischen Werbemitteln kein Weg vorbei. Plakate und Zeitungsanzeigen sorgen dafür, dass die Kandidaten im Blickfeld präsent sind und dass niemand den Wahltermin vergisst. Auf ihren Wahlplakaten zeigen beide Kandidaten Format - auch wenn man darüber streiten kann, ob jeder sein vorteilhaftestes Porträt ausgewählt hat. Bildschnitt und Design bieten keine Überraschungen: Bei einer Personenwahl führt am klassischen Porträtfoto offenbar kein Weg vorbei. Bei der Größe der Plakate liegt Olaf Burmeister-Salg (CDU) vorn. Er wirbt auch deutlich mit dem Logo seiner Partei. Wer das rote SPD-Quadrat bei Jürgen Hoffmann sucht, muss genau hinsehen. Hinter dem Namen sind vier winzige Quadrate, für jeden Kooperationspartner eines: rote, gelbe, grüne, blaue - lieber Wähler, komm’ schaue.

Einen Coup landete die CDU im Sommer mit dem ersten Werbegeschenk dieses Wahlkampfs. Der Bierdeckel mit dem Konterfei des Kandidaten saugt bei Wald- und Hoffesten so manchen Spritzer auf. Er dient nicht nur als Tropfenfänger, sondern auch als Schutz vor Wespen. Vor jedem Schluck Äppler, Bier oder Limo sieht man den markanten Schädel - auch eine Methode, ein unbekanntes Gesicht bekannter zu machen. „Guerilla-Marketing“ nannte das Olaf Burmeister-Salg. Auf der Rückseite des Pappdeckels ist Platz für einen Steckbrief - wie eine Visitenkarte im Quadrat. Von den 3000 Bierdeckeln sind immer noch welche übrig. Vielleicht war die Auflage doch etwas zu hoch? Macht nichts: Nach der Wahl kann man die Pappe als Altpapier umweltfreundlich entsorgen. Aus dünnerem Karton ist das Sommer-Accessoire aus dem Wahlkampfteam von Jürgen Hoffmann: ein Fächer, mit dem man sich an heißen Tagen Frischluft zufächeln kann. Ob’s auch in heißen Sitzungen hilft, kann man am 5. Oktober in der Stadtverordnetenversammlung testen. Ein Stecksystem mit Schlitzen gibt der Konstruktion etwas Haltbarkeit. Wer den Bürgermeister lange genug angeguckt hat, dreht den Fächer einfach um: Auf der Rückseite ist ein Sonnenuntergang am Badesee.

Nach dem Motto „Lasst Blumen sprechen“ wirbt die SPD für Jürgen Hoffmann. Was gibt es Schöneres als rote Rosen? Die Blütenfarbe passt zur Partei, auch wenn sie nicht immer exakt mit dem SPD-Rot übereinstimmt. Die Werbung durch die Blume kommt an: 80 Rosen am Infostand sind meist innerhalb einer Stunde weg. Auch der CDU-Kandidat spricht den Geruchssinn an: zwar nicht mit Rosenduft, aber mit Eau de Toilette aus dem Glasröhrchen. Die Duftnote zum Sprühen riecht komplexer als es der schlichte Flakon vermuten lässt. Die Botschaft ist klar: Ein dufter Typ will frischen Wind ins Rathaus bringen.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Eine Enttäuschung für die Nase ist das Klackband für Fahrradfahrer, das die SPD an ihren Infoständen verteilt. Das Ding riecht wie eine Chemiefabrik - oder wie das Plastikspielzeug aus China, vor dem Ökotester warnen. Aber dieses Werbegeschenk ist ja auch nicht zum Riechen da. Man trägt es fern der Nase am Hosenbein - und da erfüllt es seinen Zweck perfekt. Es schützt den Stoff vor Kettenschmiere und sorgt reflektierend für Sicherheit an trüben Tagen - wahrscheinlich noch lange nach der Wahl. Auch die kleine Bade-Ente der CDU dürfte noch lange Zeit Freude bereiten. Dass sie nicht in der Parteifarbe Orange hergestellt ist, macht nichts aus, schließlich wendet sie sich auch erst an die Wähler von übermorgen. Scherzbolde könnten sich über den aufgedruckten Namen lustig machen, etwa nach dem Motto: „Das Gesicht ist aber gut getroffen.“ Schwamm drüber!

Nichts für Kinder ist der Inhalt der Aludose mit dem Aufdruck „Energie für Rodgau“. Der Energy-Drink enthält so viel Koffein (30 mg / 100 ml), dass er auch für schwangere Frauen nicht zu empfehlen ist. Die kalorienreiche Koffeinbrause ist aber sicher ein kraftvolles Werbemittel für den CDU-Kandidaten und dafür ist sie ja auch gedacht. Der Aufdruck „pfandfrei“ soll kein Freibrief für Ex-und-hopp-Entsorgung sein: Die leere Dose gehört in den gelben Sack. Auf einen Klassiker setzt Bürgermeister Hoffmann: Er verteilt Kugelschreiber. Einen Preis für Originalität kann er damit nicht gewinnen. Aber immerhin sind Kugelschreiber eines der wenigen Werbegeschenke, die niemand wegwirft. Das wissen nicht nur Journalisten zu schätzen.

Quelle: op-online.de

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