Ortslandwirtin fühlt sich alleine gelassen

Wildsäue machen Mais platt

+
Ortslandwirtin Beate Mahr zeigt eine von mehreren Stellen ihres verwüsteten Maisfeldes. Sie ist der Meinung, dass mehr Wildschweine geschossen werden sollten. 

Dudenhofen - „Es macht einfach keinen Spaß mehr, Bauer zu sein.“ Beate Mahr zeigt auf abgefressene Maispflanzen und auf die erbärmlichen Reste von Weizen und Roggen. „Was der Hitze nicht zum Opfer fällt, erledigen die Wildschweine“, schimpft die Ortslandwirtin. Von Simone Weil 

„Wir wissen bald nicht mehr weiter“, klagt auch ihr Ehemann Karl-Heinz Mahr. Die Hitze und die Wildschweine machen den Landwirten das Leben schwer: Den Verlust durch die Wildtiere, die sich in ihren Feldern satt gefressen oder sich das letzte bisschen Flüssigkeit aus den Pflanzen geholt haben, beziffert Beate Mahr auf 7000 bis 9 000 Euro. „Das ist das Minimum“, sagt die Ortslandwirtin. Es werde einfach nicht genügend gejagt, kritisiert sie. Die Jäger selbst hätten kein finanzielles Interesse mehr, das Wild zu schießen oder Flächen zu schützen und einzuzäunen, weil nun die Jagdgenossenschaft Dudenhofen für den Schaden aufkomme und nicht mehr der einzelne Pächter, vermutet sie. Die Vereinigung hatte im vergangenen Jahr einen neuen Jagdpachtvertrag abgeschlossen, der die Übernahme der Ersatzleistung durch die Genossenschaft vorsieht.

„Die Hochsitze stehen nur noch als Dekorationsobjekte in der Landschaft herum“, schimpft die Bäuerin. Dabei könnte man die Tiere, die wegen der extremen Hitze verzweifelt auf der Suche nach Flüssigkeit sind, doch mit Wasserlöchern regelrecht anlocken. „Wir sind mit dem Problem auch nicht allein, andere Landwirte haben auch Verluste“, sagt Mahr.

Bulldogge adoptiert Wildschwein-Frischlinge

Wer für die Einbußen aufkommt, könnte den Bauern zunächst zwar egal sein, doch die Ortslandwirtin vermutet, dass die Kasse der Genossenschaft bald leer sein wird. Dann wird die Schadenssumme auf alle Mitglieder umgelegt. Weil aber alle Grundstückeigentümer Mitglied der Genossenschaft sind, die Flächen in der Gemarkung besitzen wie die Mahrs, würden diese dann für ihren eigenen Verlust blechen müssen, fürchtet die 52-Jährige. Weil auch die Stadt Rodgau als Mitglied der Jagdgenossenschaft mit im Boot ist, werde letztlich auch der Steuerzahler zur Kasse gebeten. Sie selbst habe in der Mitgliederversammlung auf diese Problematik hingewiesen und gewarnt, dort jedoch kein Gehör gefunden.

Wildtierunfall: Das passiert beim Aufprall

Peter Kratz, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Dudenhofen, erklärt die Verwüstungen der Felder mit der großen Wildschweinpopulation. „Das Problem existiert bundesweit“, sagt er. Zum Teil seien Rotten mit 20 bis 25 Frischlingen unterwegs. Den Vorwurf, es würden nicht genügend Tiere erlegt, will der Genossenschaftschef nicht gelten lassen: Im vergangenen Jahr seien 40 Tiere geschossen worden, jetzt seien es bereits 50. Er schätzt, dass bis zum Ende der Jagdsaison 100 Wildschweine erlegt werden. „Das ist eine außergewöhnliche Abschussquote.“ Die Schäden der Landwirte würden alle ersetzt: „Das wird geregelt“, beruhigt der Vorsitzende. Es gebe interne Querelen in der Organisation, erläuterte Kratz. Zur finanziellen Situation der Jagdgenossenschaft wollte er sich nicht äußern.

Quelle: op-online.de

Kommentare