Nachwuchs gut behütet

Auffangstation kümmert sich um hilflose Jungtiere

+
Vom kleinen Eichhörnchen bis zum Rehkitz reicht das Spektrum der Jungtiere, die Jahr für Jahr in der Wildtierauffangstation in Dudenhofen aufgepäppelt werden.

Dudenhofen - Die Gehege und Quarantäneräume sind vorbereitet. In der Wildtierauffangstation Rodgau warten vier engagierte junge Leute im Bundesfreiwilligendienst auf die ersten Jungtiere, die Hilfe brauchen. Von Ekkehard Wolf 

Die Brut-und Setzzeit bringt nicht nur für Hundehalter Veränderungen. Auch die Auffangstation für Wildtiere in Dudenhofen erwartet Hochbetrieb. Denn viele Rodgauer werden dort in den nächsten Wochen wieder aus dem Nest gefallene Jungvögel und anderen verloren gegangenen Nachwuchs aus Wald und Feld abgeben. „Nicht jedes Feldhäschen oder Rehkitz, das da sitzt, ist von seiner Mutter verlassen“, mahnt Petra Kipper, die Leiterin der Auffangstation. Aber wie erkennt man ein mutterloses Jungtier? Und wie hilft man ihm am Besten? Darüber informiert Petra Kipper zum Beginn der Brut- und Setzzeit. Ihr Vortrag am Samstag, 27. Februar, von 15 bis 17 Uhr in der Kronberger Straße 10 wendet sich an alle Menschen, denen der Tierschutz am Herzen liegt. Anmeldung per E-Mail an wildtierarche@ petrakipper.de.

Vier junge Leute im Bundesfreiwilligendienst unterstützen Leiterin Petra Kipper bei der Arbeit. Sobald die Tiere allein überleben können, werden sie ausgewildert.

Drei Grundregeln nennt die Referentin für die Erstversorgung von hilflosen Jungvögeln und Säugetieren: Schutz vor Fressfeinden, Schutz vor Auskühlung und Ruhe. Bevor man ein aufgefundenes Tier füttert, solle man sachkundige Personen fragen, rät sie. Gut gemeinte Hilfe könne den Tieren sonst schaden. Ein Beispiel: „99 Prozent unserer Vögel sterben, wenn man ihnen Regenwürmer zu fressen gibt.“ Man solle Vögeln auch kein Wasser aus der Pipette geben – es könne in die Luftsäcke geraten, so dass der Vogel erstickt. Gut gemeint, aber falsch sei auch Kuhmilch für Säugetiere: „Sie ist nur für Kälber gut. Für alle anderen Tiere ist sie tödlich.“ Wenn überhaupt eine Erstversorgung durch einen Laien notwendig ist, rät Petra Kipper bei Vögeln für hartgekochtes Eigelb und bei Säugetieren für lauwarmen Fencheltee mit etwas Zucker.

Apropos Verdauung: Junge Säugetiere können in den ersten Wochen noch nicht selbstständig Urin absetzen. „Da muss man die Harnröhre aktivieren“, weiß Petra Kipper. Sonst müssten die Tiere qualvoll sterben. Die Hilfe bei der Ausscheidung sei notwendig, solange die Augen noch geschlossen sind. Diese Tipps und noch viele mehr erhalten die Besucher des Vortrags am 27. Februar. Gleichzeitig können sie sich über die Arbeit der Wildtierauffangstation informieren.

Von Affennase bis Zebrapo: "Selfies" aus der Serengeti

Allein im vergangenen Jahr nahm die Station in Dudenhofen knapp 600 Wildtiere auf. „Wir mussten aber etwa 3 000 Tiere ablehnen, vor allem Schwalben und Mauersegler“, berichtet Petra Kipper. Während der Hitzewelle im Sommer kamen Anrufe aus ganz Deutschland wegen Not leidender Vögel. Mit Pflegetipps und Futterinsekten gab die Leiterin der Station den Anrufern Hilfe zur Selbsthilfe, um möglichst viele Tiere zu retten.

Der Verein Wildtierarche Rodgau“ unterstützt die Arbeit der Auffangstation mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Die jährliche Hauptversammlung des Vereins findet am Montag, 29. Februar, um 19.30 Uhr in der Kronberger Straße 10 statt.

Bilder: Bundes-Kaninchenschau in Kassel

Quelle: op-online.de

Kommentare