Mediziner werben für ihren Beruf

Wilhelm-Busch-Schüler zu Besuch in einer Arztpraxis

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Wer soll denn mit so einem Verband noch Hausaufgaben machen? Die Schüler der 1a der Wilhelm-Busch-Schule sind pfiffig. 

Jügesheim - Fraidoon Nazemi will für den Arztberuf werben. Deswegen sind heute 19 Erstklässler der Wilhelm-Busch-Schule in seiner Praxis zu Gast. Von Simone Weil 

An drei Stationen sollen die Schüler hautnah erfahren, mit was sich Mediziner und Fachpersonal beschäftigen: Herz-Ultraschall, Lungen-Funktion und Verbände stehen heute auf dem Stundenplan der Sechs- bis Achtjährigen. Die Wilhelm-Busch-Schüler sind mit Klassenlehrerin Isabel Sindern zu Gast: In drei Gruppen ziehen die Jungen und Mädchen der 1a durch die Praxis, um sich umzuschauen. Die Begeisterung für den Abstecher war schon im Vorfeld groß, erzählt die Pädagogin. „Heute morgen ging nichts Anderes mehr.“

Der Renner ist der Ultraschall vom Herz: Vor allem die ganz coolen Jungs drängeln sich in der ersten Gruppe. Jonas findet das Ganze aber doch ein bisschen unheimlich: Das eigene, pulsierende Herz zu beobachten und auch noch zu hören, wie es schlägt, ist sehr merkwürdig. Andere Mitschüler finden den Herzton „cool“.

Dr. Nazemi erklärt ein bisschen: „ Das Herz liegt bei jedem ein wenig anders im Körper. Man braucht es nicht auf der linken Seite zu suchen, sondern direkt unterm Brustbein.“ Mitarbeiterin Angelika Lukas zeigt in einem anderen Raum, wie Verbände angelegt werden: Auch das stößt bei den Kindern auf großes Interesse. Mika (8) hat schon den ganzen Arm verbunden. Dann fällt einem der Jungen was ein: „Ich kann keine Hausaufgaben mehr machen, das ist mein Schreibfinger“, ruft er.

Dr. Fraidoon Nazemi begrüßt die Schüler in seinem Behandlungszimmer. Dort stapelten sie erst mal Schulranzen und Jacken.

Die Lehrerin grinst. Hausaufgaben stehen gar nicht an. Aber besondere Erlebnisse wie heute werden ins Tagebuch eingetragen, das jeder Schüler führt. Diesmal können sie auch das Foto vom Herz-Ultraschall dazulegen, das sie ausgedruckt bekommen haben. „Das war schön und spannend“, finden Nisa und Julia. Die beiden achtjährigen Mädchen haben die Frau Doktor und sich gegenseitig mit dem Stethoskop abgehört. „Das war toll“, bestätigt Nisa. Die hausärztlich-internistische Gemeinschaftspraxis in Jügesheim von Nazemi sowie seinen Kollegen Oliver und Karolin Fröhlig will den Nachwuchs für den Arztberuf begeistern. Den Fachkräftemangel und die fehlende Bereitschaft, sich auf dem Land niederzulassen, bekommen Patienten bereits seit einiger Zeit zu spüren.

Die beiden Kardiologen Nazemi und Fröhlig haben ganz bewusst ihre Oberarztkittel an den Nagel gehängt, um als hausärztliche Internisten zu arbeiten. Nazemi ist es wichtig, den Menschen in seiner Gesamtheit zu betrachten und nicht nur organbezogen.

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Bei den Schülern möchte er den Grundstein legen, sie für den Arztberuf oder eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten begeistern –immerhin wird in der Praxis auch ausgebildet. „Wenn wir den einen oder anderen gewinnen können, ist das großartig“, hofft der Arzt.

Die Situation sei bereits kritisch und der demographische Wandel tue ein Übrigens. Das haben die Mediziner am eigenen Leib erfahren: Als sie per Anzeige nach Unterstützung durch einen Kollegen suchten, fand sich niemand für die Stelle, bis sich die Gattin des Kollegen entschloss, als angestellte Ärztin in der Praxis mitzuarbeiten.

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Quelle: op-online.de

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