Kreis baut und Stadt bezahlt

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Ein Neubau an der Busch-Schule soll nachmittags Platz für 150 Schulkinder bieten. Die Wilhelm-Busch-Schule soll in einem Jahr den ersehnten Neubau für Mittagessen und Nachmittagsangebote bekommen. Seit Jahren fehlen Betreuungsplätze für die Kinder.

Jügesheim - Mit dem geplanten Neubau für die Betreuung der Wilhelm-Busch-Schule (WBS) geht es langsam voran. Nächsten Montag soll das Stadtparlament über einen Vertrag entscheiden, den der Magistrat mit dem Kreis Offenbach ausgehandelt hat. Von Ekkehard Wolf 

„Der Baubeginn soll in den Sommerferien 2015 erfolgen, so dass das Gebäude im Januar 2016 in Betrieb gehen kann“, schreibt Erster Stadtrat Michael Schüßler in der Beschlussvorlage. Bisher war eine Eröffnung im Herbst 2015 angepeilt. Im Neubau hinter der Turnhalle sollen künftig bis zu 150 Schulkinder zu Mittag essen und den Nachmittag verbringen. Der Kinderhort am Alten Weg wird dann nicht mehr benötigt.

Die Aufgabenteilung zwischen der Stadt Rodgau und dem Kreis Offenbach ist klar geregelt: Der Kreis baut, aber die Stadt bezahlt alles. Und zwar nicht nur die Baukosten (910.000 Euro), sondern auch den laufenden Betrieb mit Heizung, Strom und Versicherung. Der überschuldete Landkreis hat sich aus Bau und Betrieb solcher Betreuungseinrichtungen zurückgezogen. Früher hatten Kreis und Kommunen die Kosten partnerschaftlich untereinander aufgeteilt. Dieses Modell hatte sich in den 90er Jahren aus einem Präzedenzfall in Dudenhofen entwickelt.

Stadt trägt Last allein

Beim Neubau in Jügesheim trägt die Stadt Rodgau die Last allein. Die einzige Hoffnung richtet sich darauf, dass sich die finanzielle Lage des Kreises eines Tages so weit verbessert, dass er wieder Gelder für Investitionen einplanen kann: „Der Kreis stellt in Aussicht, zu diesem Zeitpunkt über die Erstattung eines Drittels der Baukosten (...) zu verhandeln.“ Das Gebäude wird aus vorgefertigten Teilen errichtet, damit es möglichst schnell fertig ist. Diese Modulbauweise erleichtert auch den Rückbau, falls das Haus eines Tages nicht mehr benötigt wird.

Die Eigentumsverhältnisse sind ungewöhnlich: Der Neubau wird der Stadt Rodgau gehören, das Grundstück bleibt beim Landkreis. Der Kreis überlässt der Stadt die Fläche zunächst für 25 Jahre und dann schrittweise für jeweils fünf Jahre länger. Der Vertrag enthält eine Ausstiegsklausel für den Fall, dass das Land Hessen die Schulkinderbetreuung an die Landkreise überträgt. Das Ganztagsschulkonzept des Kreises Offenbach definiert Nachmittagsangebote bereits jetzt als schulische Veranstaltungen.

Seit Jahren klagen Eltern aus dem Schulbezirk der Wilhelm-Busch-Schule über fehlende Betreuungsplätze. In einer Umfrage ermittelte die WBS bereits 2011/12, dass 78 Prozent der Schüler eine Betreuung benötigten. Die vorhandenen Angebote konnten diesen Bedarf jedoch nicht voll abdecken. Der städtische Kinderhort (42 Kinder) und die Betreuung des Schulfördervereins (67 Kinder) waren und sind ausgebucht.

In Kinderkrippen und Kindertagesstätten sind zunehmend Tagesstättenplätze gefragt. Das wirkt sich auch auf die Betreuung der Schulkinder aus, wie es in der Beschlussvorlage ans Stadtparlament heißt: „Da die Eltern in diesen Altersgruppen ein gutes Angebot vorfinden, wird für das Grundschulalter ein gleichwertiges Angebot erwartet, damit die Eltern ihrer Berufstätigkeit im gleichen Umfang wie bisher nachgehen können.“

Quelle: op-online.de

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