Winterlaufserie der TGM SV

„Einige Raketen am Start“

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Winterhart und wasserdicht: Unbeeindruckt von Regen und Kälte gingen beim dritten Winterlauf des TGM SV Jügesheim rund 400 Läufer an den Start.

Jügesheim - Kalt, nass und wintergrau – nicht eben Idealbedingungen für die erste Runde im neuen Jahr. Von Oliver Klemt

An die 400 Sportler aus dem Rhein-Main-Gebiet und der näheren Nachbarschaft haben sich nicht abschrecken lassen und am Samstag unverzagt die zehn Kilometer des dritten von vier Winterläufen beim TGM SV Jügesheim hinter sich gebracht. Als das Feld pünktlich um 15 Uhr auf die Strecke ging, konnten sich die etwa 40 Helfer erst einmal zurücklehnen. Seit 9 Uhr am Vormittag ist das Team der Langlaufabteilung um Projektleiter Detlev Gumbmann rastlos unterwegs, um die Basis im Maingau Energie-Stadion am Weichsee herzurichten. Manche, wie etwa Heike Ritter, haben da schon eine Nachtschicht hinter sich: Vier Stunden lang, bis gegen 1 Uhr in der Früh, hat Ritter aus rund 70 Eiern und sechs Kilo Mehl den Teig für ihre Waffeln angerührt. Als gegen Mittag die ersten Gäste eintreffen, steuern einige gezielt die improvisierte Backstube im Zelt hinter den Funktionsgebäuden an: „Es gibt wieder Käsewaffeln!“ – was die Jügesheimerin mit ihrer Schwester Karin Schließmann in Serie backt und verteilt, ist in Läuferkreisen längst berühmt.

Altgediente Unterstützer wie die Waffel-Schwestern bilden laut Gumbmann den Kern der Langlauf-Abteilung und sind unverzichtbare Garanten dafür, dass auch die 36. Winterlaufserie mit ihren vier Starts von Anfang November bis Anfang Februar reibungslos funktioniert. Gerd Jakobi etwa, jetzt 71 Jahre alt, war seit seinem 33. Lebensjahr aktiver Langläufer und spült jetzt Teller, Tassen und Gläser im Hintergrund der Essensausgabe. An der Front bringen Petra Widerspahn und ihr Team bis zum späten Nachmittag rund 90 Würstchen, ebenso viele Brötchen, 50 Bretzeln, 16 selbst gebackene Kuchen und etliche Liter Kaffee an Mann oder Frau – gar nicht zu reden von Glühwein, Wasser, Bier oder die Apfelsaft.

Nach Worten Gumbmanns, der bei den Langläufern als Abteilungsleiter fungiert, ist die Winterlaufserie ursprünglich ein Kind der Turngemeinde (TGM) und wird seit der Fusion mit dem Sportverein (SV) im Jahr 2002 von einem rund 1300 Mitglieder starken Hauptverein getragen. Andere Abteilungen, etwa Leichtathleten und Volleyballer, helfen laut Vorstandskollegin Ruth Jäger zwar gelegentlich aus, die Hauptlast aber ruhe auf den Läufer-Veteranen. „Früh um neun fährt ein Team raus auf die Strecke“, berichtet Gumbmann. Jeder der zehn Kilometer, vorwiegend durch Wald, wird mit Schildern markiert. Später sorgen Streckenposten dafür, dass sich niemand verläuft.

Bis zum Startschuss reißt die Kette der Aufgaben nicht mehr ab: Tische und Bänke müssen gestellt, Sanitäranlagen und Umkleideräume ebenso vorbereitet werden wie die Startnummern-Ausgabe. In der Anmeldung registrieren Klaus Widerspahn und seine Helfer noch fast 80 Nachmeldungen. Die Zeitnehmer checken ihre Elektronik, die zwar jeden Läufer im Ziel automatisch registriert, dabei aber hundertprozentig funktionieren muss – schließlich geht es um den Seriensieg, der nach dem letzten Lauf am 6. Februar ermittelt wird. Spätestens um 12 Uhr müssen dann die Verkehrseinweiser auf ihrem Posten sein.

Mit den Vorbereitungen hat Gumbmanns Organisationsteam schon im Frühsommer begonnen: Für jede Winterlaufserie brauche der Verein Genehmigungen von der Forstbehörde, den Städten Rodgau und Heusenstamm. Wasserwerk und Reitverein, die an der Strecke liegen, müssten verständigt werden. Der Deutsche Leichtathletikverband (DLV), der die Jügesheimer Serie als Wertungsläufe führt, brauche die Termine gar schon ein Jahr vorab. Ähnlichen Aufwand verursachen der jährliche Doppellauf über zehn oder 25 Kilometer am Ostermontag und der Rodgau-Rundweglauf, der mit 42 Kilometern auch die Marathon-Distanz bietet.

Als sich das Feld Schließlich zum Start formiert, blickt Detlev Gumbmann in viele bekannte Gesichter: „Die meisten sind Aktive aus Vereinen in der Region, die sich übers Jahr immer wieder bei Laufveranstaltungen treffen“. In Jügesheim seien diesmal „einige Raketen am Start“, bemerkt der Abteilungschef stolz: Ambitionierte junge Athleten, die bundesweit vorne mitlaufen wollen, einige bekannte Namen aus der deutschen Szene. Angemeldet hatte sich auch Julian Flügel, derzeit drittschnellster Marathon-Läufer der Republik und Olympia-Kandidat.

Quelle: op-online.de

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