Zugpferd im Rodgauer Wald

Waldarbeit wie anno dazumal

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Das Kaltblut Moritz und Pferdeführer Peter Nuß verbessern im Dudenhöfer Wald den Lebensraum für vom Aussterben bedrohte Tierarten.

Rodgau - Kaltblut Moritz ist ein Zugpferd im wahrsten Wortsinn. Im Rodgauer Wald legt sich das imposante Tier derzeit mächtig ins Zeug. Von Bernhard Pelka 

„Auf geht’s! Hü!“ Energisch, aber trotzdem einfühlsam, treibt Peter Nuß das Kaltblut Moritz an. Stampfend und mit dampfendem Fell setzt sich der 900-Kilo-Koloss kraftvoll in Bewegung. An einer Kette zerrt das imposante Tier einen etwa 500 Kilogramm schweren Baum hinter sich her. Die Wucht des Zugpferds ist enorm. Fast sieht es so spielerisch aus, als zöge das Arbeitstier einen Zahnstocher.

Moritz und Peter Nuß räumen im Dudenhöfer Wald nahe den Baustoffwerken auf. So rustikal das Ganze auch scheinen mag: Diese sanfte Form der Waldarbeit wie anno dazumal schont die Umwelt weit mehr als der Einsatz schwerer Maschinen. Der Fachdienst 2 für Stadtplanung, Umwelt und Grünanlagen lässt die etwa 2000 Quadratmeter große Fläche frei schlagen. Vergeben wurden die Arbeiten an den gemeinnützigen Verein „Zugpferd e.V.“ in Mühlheim. Peter Nuß führt dort nicht nur das Kaltblut Moritz, sondern auch die Geschäfte.

Hilfe für benachteiligte Menschen

Der Verein hilft als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe benachteiligten Menschen, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren und Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen. Dieses Ziel wird insbesondere durch Bildung und Erziehung verfolgt. Das geschieht auch in Projekten rund um den Wald und die Natur.

Ein Problem bei der Arbeit im Winterwald: Der Schnee verdichtet sich unter den mächtigen Hufen zu festen Klumpen. Und die irritieren das Pferd dann vorübergehend beim Gehen.

Peter Nuß und seine Mannschaft, zu der auch zwei fest angestellte Forstwirte gehören, holzten auf der Fläche etwa 30 Bäume und Sträucher ab (Kiefern, Birken, Traubenkirsche, Holunder). Anlass waren Hinweise des Naturschutzbunds Nabu, dass auf dem Gelände in Sichtweite zum Parkplatz der Baustoffwerke geschützte Arten leben, die auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Tiere stehen: die Haarige Holzameise (Camponotus vagus) und der Dukatenfalter (Lycaena virgaureae). „Beides sind Licht liebende Arten, die Sonne brauchen. Also musste hier freigeschnitten werden“, erläutert Juditha Sender vom Fachdienst 2 die Naturschutzmaßnahme. Bei der Prozedur bleiben die Baumstümpfe samt Wurzeln extra im Boden stehen, damit die Ameisen weitere Möglichkeiten zur Vermehrung und Bildung von Staaten vorfinden.

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Moritz ist 20 Jahre alt und zog früher im Hessenpark eine Kutsche. Der Verein „Zugpferd“ nutzt den mächtigen Vierbeiner jetzt auch zur Rücke-Arbeit im Wald. Bis zu 500 Kilogramm packt das Belgische Kaltblut. „Das hängt aber vom Trainingszustand ab“, weiß Peter Nuß. „Vom Charakter her ist Moritz super: ruhig und nicht schreckhaft.“ Der Verein besitzt überdies zwei Therapiepferde. Zur Familie gehört aber auch eine dicke Ziege mit dem markanten Namen „Tante Jürgen.“

Quelle: op-online.de

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