ADFC-Fachmänner testen für unsere Zeitung Fahrradparkplätze

Fester Halt und „Felgenkiller“

Rödermark - Egal, ob rostiger Drahtesel oder 3 000-Euro-Carbonbike: Wer mit dem Fahrrad zum Bahnhof, Supermarkt oder Rathaus fährt, will es zumindest einigermaßen sicher parken. Von Michael Löw

Kein Wunder, dass Winfried Fischer vorm Rathaus in Ober-Roden so skeptisch guckt. Solche Fahrradständer heißen in ADFC-Kreisen schlicht und einfach „Felgenkiller“. Und einen vernünftigen Diebstahlschutz bieten sie auch nicht, denn nur die wenigsten Schlösser sind lang genug, um Vorderrad und Rahmen sicher anzuschließen.

Wir haben uns mit drei Fachleuten des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) quer durch die Stadt umgesehen. Ergebnis: manches Licht, aber auch reichlich Schatten - sowohl vor öffentlichen Einrichtungen als auch vor Geschäften. Winfried Fischer fährt jedes Jahr mindestens 5 000 Kilometer mit dem Rad. Der ADFC-Mann kennt sich also bestens mit Abstellmöglichkeiten für Fahrräder aus. Vereinskollege Bernward Bayer ist ähnlich versiert. Am Rathaus beginnen sie unsere Testrunde durch Ober-Roden mit einem vernichtenden Urteil. „Das sind Felgenkiller“, kritisiert Fischer die beiden tellergroßen Stahlkringel knapp 30 Zentimeter über dem Boden, in die er sein Vorderrad ausschließlich fürs Foto schiebt. Denn ein Schubs am Hinterrad kann das Fahrrad so herumhebeln, dass sich die die Felge vorne total verbiegt. Außerdem kann er den Rahmen nicht anketten. Ein Blick in den hinteren Rathaushof zeigt, dass die Stadt auch bessere Parkplätze bietet. Dort sind die Fahrradständer überdacht und in zwei unterschiedlichen Höhen angeordnet. Das schafft auf gleicher Fläche mehr Abstellmöglichkeiten. Das Dach hat"s Winfried Fischer besonders angetan - aber nicht, weil der Sattel trocken bleibt: „Sonne macht mehr kaputt als Regen. Da werden die Reifen porös.“

An Bahnhöfen stellen viele Pendler ihr Fahrrad nur mit einem mulmigen Gefühl ab. Dabei sind sie laut Polizei kein Schwerpunkt, an dem sich Fahrraddiebe tummeln: Nur ein Bruchteil der 82 Fahrräder, die voriges Jahr als gestohlen gemeldet wurden, verschwanden von den Bahnstationen. „Hier gibt"s jedoch viele Leichen“, sagen die ADFC-Männer in Ober-Roden mit Blick auf traurige Reste wie Vorderräder ohne Rahmen oder Rahmen ohne Räder und Sattel. Theoretisch sind die Fahrräder an der S-Bahn-Station aber gut aufgehoben. Dicke Stahlbügel bieten reichlich Befestigungsmöglichkeiten, Videokameras überwachen auch diesen Teil des Geländes. Doch auch Gutes kann man nach Ansicht das ADFC besser machen. Winfried Fischer würde die Stahlbügel am liebsten mit Kunststoff beschichten, damit der Rahmen nicht zerkratzt wird.

Bernward Bayer demonstriert am Bahnhof, dass es auch besser geht: Er kann sein Mountainbike an einen soliden Stahlbügel ketten, der überdacht ist und von einer Videokamera überwacht wird. Am beiden Bahnhöfen gibt’s außerdem blaue Boxen, in denen man sein Fahrrad für 60 Euro Jahresmiete parken an.

Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, schließt sein Rad in einer der 32 blauen Boxen ein, die die Stadt für 60 Euro pro Jahr vermietet. Solche Boxen gibt es auch am Urberacher Bahnhof. Dort hat Rödermarks ADFC-Vorsitzender Hanno Wirth die Führung der Testfahrt übernommen. Ein Teil der Fahrrad-Garagen steht allerdings eingeklemmt zwischen den Büschen des Parks am Entenweiher und dem gut zwei Meter hohen Bahndamm - Wirth kann jeden verstehen, den dort im Dunkeln ein komisches Gefühl beschleicht. „Mehr braucht man nicht“, kommentiert der Vielradler mit fast 7 000 Jahreskilometern zufrieden die Qualität der Fahrradständer vor der Halle Urberach. Im Boden einbetonierte Edelstahlbügel mit reichlich Abstand dazwischen sind fast schon Garanten dafür, dass das gute Stück nach Chorprobe, Handballtraining oder Gaststättenbesuch noch dort steht, wo es geparkt wurde. „Mehr hat man aber auch nicht“, knüpft Wirth an sein Qualitätsurteil an und kritisiert die Minimenge von ganzen 13 Stahlbügeln.

Lob und Tadel halten sich vorm Badehaus die Waage. Positiv bewertet der ADFC die sicheren Befestigungsmöglichkeiten, die Überdachung und die große Zahl, weniger gut kommt der Komfort weg. Denn bei - geschätzten - 90 bis 100 Zentimetern Höhe braucht der Badegast schon ein ziemlich langes Schloss, um sein Radl anzuschließen. Würde der Balken 20 oder 30 Zentimeter tiefer sitzen, wäre die Sache in Ordnung.

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Maximal ausreichende Noten geben die ADFC-Tester der Rödermärker Geschäftswelt. Ausgerechnet vor einem Bio-Markt stießen Bayer und Fischer auf Fahrradständer, deren Aufhängemulden so tief sind, dass sie teure Scheibenbremsen ruinieren, wenn Radfahrer beim Einparken nicht äußerste Vorsicht walten lassen. Weit größere Probleme haben jedoch viele Einzelhändler in den Ortskernen. Dort sind die Bürgersteige oft zu schmal, um überhaupt irgendwelche Fahrradständer hinzustellen.

Und wohin in Rödermark würden selbst eingefleischte Radler zu Fuß gehen oder mit dem Auto fahren? Zwischen Musikschule und Kelterscheune fristen 40 „Felgenkiller“ ein ebenso trauriges wie einsames Dasein. Hanno Wirth wundert das kein bisschen: Zum einen ist"s die Konstruktion selbst, die vor diesen Fahrradparkplätzen abschreckt. Zum andern sind sie so dicht nebeneinander angebracht, dass eigentlich nur jeder zweite oder dritte nutzbar ist.

Quelle: op-online.de

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