Kommunalwahl in Rödermark

Andere Liste: Wachstum ohne Landverbrauch

Rödermark - Die „Plaudernden Fische“- ein Mosaik der Rödermärker Künstlerin Sigrid Lang an der Rodau - zieren das Wahlprogramm der Anderen Liste/Die Grünen (AL). Von Michael Löw

Zu den miteinander redenden Fischen passend lautet die Überschrift der 24-seitigen Broschüre „Miteinander für Rödermark“. Sie soll der AL helfen, ihren Platz als zweitstärkste Kraft im Rödermärker Parteiengefüge zu behaupten. Bei der Kommunalwahl am 27.  März 2011, gut zwei Wochen nach dem Reaktorunglück im japanischen Kernkraftwerk Fukushima, erzielte sie ein Rekordergebnis von 33,5 Prozent. Einen Schwerpunkt im grünen Wahlprogramm bildet unter der Überschrift „Bewährtes erhalten - Zukunft gestalten“ die Stadtentwicklung. Der Grundsatz, Baulücken zu schließen und brachliegende Flächen zu nutzen, habe Vorrang vor der Ausweisung neuer Bau- und Gewerbegebiete am Stadtrand oder gar auf der berühmt-berüchtigten grünen Wiese. Entwicklungsmöglichkeiten für alteingesessene Unternehmen oder ansiedlungswillige Firmen sieht die AL auf dem früheren „Perlite“-Gelände in Urberach, zwischen Bahn und Odenwaldstraße sowie nördlich der Kapellenstraße.

Zu einem nachhaltig und ökologisch verträglichen Wirtschaftswachstum gehört für die AL außer Grundstücken auch der Ausbau des Breitbandnetzes, der auf Initiative aus Rödermark kreisweit in Angriff genommen werden soll. Besonderes Augenmerk will die AL auf die „weichen“ Standortfaktoren, wie Kinderbetreuung, Naherholung, Kultur, Freizeit und Verkehrsanbindung richten. Revitalisierung und Nachverdichtung sind auch beim Wohnen die Schlagworte. „Das Stadtbild und die vorhandene Bausubstanz müssen gepflegt werden“, schreibt die AL in ihrem Programm. Beide Ortskerne hätten das Potenzial dazu. Wohnen dürfe aber nicht dem Spiel der freien Marktkräfte überlassen werden, Rödermark brauche geförderte Sozialwohnungen. Platz für etwa 200 Einheiten gebe es beispielsweise auf den Flächen betagter städtischer Kindergärten, die durch einen Neubau ersetzt werden.

Ticker zur Kommunalwahl in Rödermark

Mit einem Einzelhandelskonzept will die AL bestehende Einkaufsmöglichkeiten wie den Rewe-Markt in Ober-Roden oder den Netto-Markt in Urberach erhalten und Ladenflächen im Breidert-Center reaktivieren. Hier kommen Politik und Verwaltung aber nur weiter, wenn auch der Handel mitzieht. Initiativen kann das neue Stadtparlament beim innerörtlichen Verkehr starten. Oberstes Ziel der AL: die Gleichberechtigung von Fußgängern und Radfahrern gegenüber Autofahrern. Rödermarks Radwege sollen innerhalb der Stadt besser vernetzt und außerhalb besser an überörtliche Verbindungen angeschlossen werden. Eine städtische Stellplatzsatzung soll Fahrradparkplätze an Wohnhäusern vorschreiben.

„Dringend verbesserungswürdig“ ist nach Ansicht der AL die Verkehrssituation vorm Urberacher Märktezentrum. Statt teurer und wartungsintensiver Ampeln fordert sie den Bau von Kreiseln, wenn ohnehin Kreuzungen umgebaut oder die Signaltechnik erneuert wird. Die AL spricht sich für den 30-Minuten-Takt auf der Dreieichbahn auch nach den Sommerferien aus, verlangt die Weiterführung der Buslinie U (Darmstadt/Urberach) bis zum Bahnhof Ober-Roden und will den Schülertransport dauerhaft in den Rhein-Main-Verkehrsverbund eingliedern: „Auf diese Dinge hat die Stadt einen Anspruch, denn sie finanziert den Nahverkehr mit.“

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Energie, Natur- und Klimaschutz, Integration: Das AL-Wahlprogramm greift selbstverständlich „grüne“ Themen auf. Die Bandbreite reicht von „innerstädtischen Blühwiesen“, die zum (Über)-Lebensraum für Bienen und andere Insekten werden sollen, bis hin zu einem Lärmminderungsplan für ganz Rödermark. Die Energiewende ist lokal machbar, sagt die AL und verweist auf eine Studie aus dem Jahr 2009, nach der Rödermark seinen Energiebedarf mittelfristig vollständig ohne Öl, Gas, Kohle oder Atomkraft decken kann. Um dies zu erreichen, müsse die Stadt mit gutem Beispiel voran gehen und bei der Straßenbeleuchtung Strom sparen, Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden installieren, Blockheizkraftwerke bauen oder fördern und Elektroautos für ihren Fuhrpark anschaffen. Alte Häuser sollen nach Niedrigenergie-Standards renoviert werden.

In der Sozialpolitik fordert die AL gebührenfreie Kitas, wenn Bund und Land die Voraussetzungen schaffen. Alle Rödermärker Schulen sollen Ganztagsschulen werden, in denen genug Personal und Zeit für die individuelle Förderung von Kindern da ist: Betreuung an fünf Tagen bis mindestens 17 Uhr und während der Ferien.

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Quelle: op-online.de

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