Auszeichnung für langjährige Treue

FC Germania ernennt Philipp Huther zum Ehrenmitglied

Ober-Roden - Ein Verein bedankt sich bei seinen langjährigen Mitgliedern. Das kann schon mal länger dauern. Auch beim Fußballclub Germania wäre es fast zum Ehrungsmarathon gekommen.

Wolfgang Schwerber und Adi Keck sind seit einem halben Jahrhundert dabei, Herbert Schneider, Harald Hitzel, Rolf Jäger und Bernd Piesker seit 60 Jahren. Philipp Huther (im Vordergrund, Mitte), hält dem Verein seit 75 Jahren die Treue.

Wohl dem, der so viele treue Vereinsmitglieder hat wie die Germania. Doch durch Krankheit und Urlaub waren es schließlich doch einige weniger, die Ehrengeschäftsführer Wolfgang Hitzel humor- und würdevoll beglückwünschte. Gemeinsam mit den Vereinsvorsitzenden Norbert Rink und Wolfgang Schwerber sprach er den Jubilaren seinen uneingeschränkten Dank aus. Umrahmt von lebhaften Klarinettenstücken, dargeboten von Leonie Hügemann und Sarah Ernet vom Musikverein Vktoria 08, gab’s dazu Kaffee, Kuchen und Schnittchen. Aber zunächst einmal hieß es: warten. Was sich in diesem Fall aber lohnte.

Die A-Jugend bestritt ihr Pokalfinale gegen die Mannschaft aus Überau auf dem Viktoria-Platz, ging in die Verlängerung und ins Elf-Meter-Schießen – bis es durch den Raum schallte „Sieg! Sieg! Pokalsieger!“, nachdem die Germania-Spieler schließlich mit 4:3 die Trophäe gewannen, was zu lautem Jubel im Vereinslokal führte. Von dort hatte es zu Beobachtern des Geschehens auf dem Spielfeld ständigen Telefonkontakt gegeben.

Der glückliche und passende Kommentar des Laudators: „Das sind Momente, die man eigentlich nur in einem Verein erleben kann!“ Und zu den langjährigen Mitgliedern gewandt: „Und ihr seid das Wichtigste, was so ein Verein hat: ihr seid unser Kapital.“

Bilder: Großbrand im Industriegebiet von Ober-Roden

Dass man sich in dieser Wertegemeinschaft eines Vereins auch nach dem aktiven Sportlerleben durchaus nützlich machen kann, zeigten die Geschichten, die mit den einzelnen Geehrten verbunden waren. Herzliches am Rande: Sie alle wurden auf der Bühne auch freudig begrüßt von Ewald Delps Vierbeiner „Sonja“.

25 Jahre und (in der vorderen Reihe) 40 Jahre ihrem Verein, dem FC Germania Ober-Roden, treu geblieben: das war eine Ehrung wert.

Weinpräsenten und Urkunden gab es für die 25-jährigen Vereinsmitglieder Bernd Barutta, Ewald Delp, Ria Fuchs, Betty Hunkel, Maria Keck und Manuel Rink. Seit 40 Jahren halten der Germania die Treue Stefan Hitzel, Thorsten Groh (mit über 500 Spielen und allein 13 Jahren in der 1. Mannschaft) sowie Erna Schwarzer. Ein halbes Jahrhundert bereits stehen Adi Keck und Wolfgang Schwerber (ebenso wie der erkrankte Reinhold Wittich) hinter ihren Germanen und vor allem arbeitstechnisch auch vor ihnen. Mit 60 Jahren Vereinszugehörigkeit schon zu den Urgesteinen zählen Rolf Jäger, Herbert Schneider, Harald Hitzel und Bernd Piesker sowie der ebenfalls erkrankte Erich Wetzel. Viele kleine Geschichten aus 60 Jahren zumeist sehr aktivem Germania-Leben machten die Ehrung äußerst lebendig.

Einen Tag vor seinem 90. Geburtstag (den ihm ohne Geburtsurkunde in der Tasche niemand glaubt), wurde schließlich Philipp Huther für 75 Jahre als Germane geehrt. Am 1. November 1925 geboren, ist er „der einzige noch lebende Germania-Fußballer, der im 2. Weltkrieg noch gespielt hat“. Eingetreten war er am 7. August 1939, nach dem Krieg war er aus der Jugend „herausgewachsen“, aber schon 1947 ist er – wie er selbst beweist – auf einem Mannschaftsfoto wieder dabei. 1950 beendete eine Verletzung seine aktive Laufbahn. Danach widmete er seine Zeit vorrangig seiner Schreinerei und der Pietät, unterstützte seinen Verein aber immer finanziell und materiell. Und auch mit seiner Präsenz. Auf der Waldacker-Seite des Sportplatzes hatten die Rentner früher eine – selbstverständlich selbst gezimmerte – Bank aufgestellt, von der aus sie Woche für Woche als „die besseren Trainer“ das aktuelle Spiel kommentierten. „Inzwischen sind alle aus seiner Truppe verstorben, nur er sitzt nach wie vor bei jedem Heimspiel – allein – auf seiner Bank“, berichtete Wolfgang Hitzel aus eigener Erfahrung. „Und ich bin überzeugt, dass er da noch lange weiter sitzen wird. Er ist eine Seele von Mensch – und eine treue Seele dazu!“ Sprach’s und ernannte Philipp Huther zum neuen Ehrenmitglied der Germania. (chz)

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Ziesecke, Christine

Kommentare