Urberacherin zuständig für deutsches Tischtennisteam in Rio

Physiotherapeutin Annette Zischka: Kneten für Olympia-Medaillen

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Die Urberacher Physiotherapeutin Annette Zischka betreut bei den Olympischen Spielen in Rio die deutschen Tischtennisherren. Deren Nummer eins, Timo Boll, hatte bei der Eröffnungsfeier noch gut Lachen. Gestern Nacht schied er im Achtelfinale gegen Afrikameister Aruna Quadri aus Nigeria aus. Jetzt konzentrieren er und seine Physiotherapeutin sich auf den Mannschafts-Wettbewerb.

Urberach - Dem deutschen Olympia-Team gehören keine Rödermärker Sportler an. Doch Urberacher Hände sorgen dafür, dass deutsche Athleten fit in den Kampf um die Medaillen eingreifen: Physiotherapeutin Annette Zischka kümmert sich um die Tischtennis-Herrennationalmannschaft. Von Michael Löw 

Annette Zischka (32) ist Physiotherapeutin am Olympiastützpunkt (OSP) in Frankfurt und stieg vorigen Samstag in den Flieger nach Rio de Janeiro. Sie betreut seit sieben Jahren Deutschlands besten Tischtennisspieler Timo Boll, der bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele die deutsche Fahne trug. Dass er mit dieser ehrenvollen Aufgabe betraut wurde, schreibt die Familie Zischka aus Urberach zumindest ein kleines Stück weit ihren Bemühungen zu. Als Annette Zischka daheim erzählte, dass der Träger der schwarz-rot-goldenen Fahne in einem Online-Voting gesucht wird, ließ ihr Vater Rudi, Sportwart beim Skiclub (SCR), sofort all seine Kontakte spielen.

Dabei trat er in Rödermark eine regelrechte Lawine los. Rudi Zischka motivierte alle SCR"ler, die E-Mails verschicken können, sich an der Abstimmung zu beteiligen. SCR-Mitglied ist auch Gerhard Ruth-Schneider, der Vorsitzende des Tischtennisclubs DJK Ober-Roden. So kam ein Mouseclick zum nächsten. Der Einmarsch mit der Fahne war zum Leidwesen seiner Fans Timo Bolls bisher einziges Erfolgserlebnis in Rio. Trotzdem müssen weder er noch seine Physiotherapeutin die Heimreise antreten. Boll tritt auch mit der Mannschaft an, und Annette Zischka hält auch die Muskeln des zweiten deutschen Spitzenspielers Dimitrij Ovtcharov geschmeidig. Noch also ist eine deutsche Olympia-Medaille dank Urberacher Hilfe möglich...

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Annette Zischkas Arbeitstag in Brasilien dauert 12 bis 16 Stunden. „Olympische Spiele sind nicht nur für Sportler ein Traum, sondern auch für Physiotherapeuten“, hatte sie in einem Interview mit dem Verbandsblatt „Sport in Hessen“ gesagt. Und wie Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und ihre Teamkollegen hat sich auch Annette Zischka in Düsseldorf auf die Spiele vorbereitet. Dank dieses Lehrgangs kennt sie den Leistungs- und Gesundheitszustand der Spieler bestens. Ihren Eltern hat sie nach Hause gemailt, dass sie außer Trainingshallen oder Wettkampfstätten noch nicht viel von Rio gesehen hat. Sie ist aber immerhin froh, dass sie bei jedem Spiel von Boll & Co. direkt dabei ist und nicht weitab vom Geschehen in Umkleidekabinen massieren muss.

Wer die Tischtennisspiele im Fernsehen verfolgt, hat übrigens beste Chancen, die Physiotherapeutin aus Urberach zu sehen: Sie kommt quasi automatisch ins Blickfeld der Kamera, weil sie meist eine Reihe hinter Bundestrainer Jörg Roßkopf und neben dem knapp zwei Meter großen Mannschaftsarzt sitzt. „So ist sie eigentlich kaum zu übersehen“, schmunzelt ihr Vater Rudi.

Zum Tischtennis gekommen ist Annette Zischka über Jörg Roßkopf, der als Spieler im nahen Münster aktiv war. Denn eigentlich ist sie Turnerin. Die Leistungsriege des MTV Urberach gibt"s zwar schon lange nicht mehr. Doch Annette Zischka und ihre einstige Urberacher Mannschaftkollegin Birgit Schmidt - ebenfalls Physiotherapeutin beim OSP - bilden das Herzstück des Neu-Isenburger Teams.

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In ihrem Heimatverein trainiert Annette Zischka nach wie vor zwei Nachwuchsmannschaften, außerdem kennt man sie in Rödermark auch als Übungsleiterin des Skiclubs und Betreuerin vieler städtischer Jugendfreizeiten. Doch jetzt ist erstmal Daumen drücken oder besser gesagt Waden kneten und Gelenke dehnen von ihr gefordert. Denn der Deutsche Tischtennisbund hat den Rückflug für die meisten Spieler, ihre Betreuer und Physiotherapeuten erst für den 23. August besucht. Solange will Annette Zischka möglichst viel arbeiten und möglichst wenig touristische Highlights abklappern.

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Quelle: op-online.de

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