Pfarrgemeinde St. Nazarius vermietet an die Stadt

Asyl für Flüchtlinge im Schwesternhaus

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Das Schwesternhaus steht gut da. Es wurde schrittweise saniert, auch bedingt durch einen Wasserrohr-Schaden im Winter. Das Dach wurde damals neu eingedeckt, die Gasheizung erneuert, die Wasserleitungen überholt und die gesamte Elektrik erneuert – alles in allem Renovierungsmaßnahmen für rund 30.000 Euro.

Ober-Roden - Papst Franziskus hat kirchliche Einrichtungen in Europa aufgerufen, Flüchtlinge aufzunehmen. Im September ging der Vatikan mit gutem Beispiel voran und nahm eine syrische Familie mit zwei Kindern auf. Die Pfarrgemeinde St. Nazarius zieht jetzt nach.

Der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab. Da wird jede Bleibe gebraucht. Deshalb der Aufruf des Papstes. Auch die Pfarrgemeinde St. Nazarius hat sich jetzt bereit erklärt, diesen Weg zu beschreiten und Unterkunft zu bieten. Zur Zeit wird das Schwesternhaus zwischen der „Forum St. Nazarius“ und der Kirche, das Domizil des Eine-Welt-Ladens, grundsaniert, um es anschließend an die Stadt Rödermark als Flüchtlingswohnung zu vermieten. Pfarrer Elmar Jung, gerade erst aus Indien zurückgekehrt, freut sich sehr über die Fortschritte, die zwischenzeitlich dazu geschehen sind. „Eine gelungene Sache. Wir haben das alte Schwesternhaus der Stadt zum Anmieten angeboten. Wir müssen Vorreiter sein, gerade nach dem Aufruf des Papstes.“

Das Schwesternhaus steht gut da. Eine Außenrenovierung und das Notwendigste innen drin bekam es verpasst, bevor 2004 nach einem TV-Kabelbrand im Hochhaus die indische Familie Gotra für rund eineinhalb Jahre dort Asyl bekam. „Jetzt haben wir eine tolle Lösung gefunden: Der Eine-Welt-Laden bleibt. Eine schräg eingezogene Wand sichert trotzdem die Eigenständigkeit der neuen Mieter, die den 1. Stock mit drei Zimmern und Bad und die Küche unten bewohnen werden.“ Dazu wurde eine Zentralheizung eingebaut, neue Böden kommen in Kürze. Der Taizé-Gebetskreis und die Band „Worship together“ haben sich sofort bereit erklärt, sich anderweitig Gebets- und Übungsräume zu suchen. Andere Belegungen wie etwa durch den Flohmarkt wurde kurzfristig in den Keller umverlagert.

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Einziehen wird eine christliche eritreische Familie – ein Ehepaar mit einer zweijährigen Tochter und einem drei Monate alten Jungen. Sie sind seit zwei Jahren in Deutschland und derzeit in einer Notunterkunft in Urberach. Der Vater hat einen Pass und ist bereits anerkannt und darf arbeiten. Er versteht gut Deutsch und spricht dank einer Sprachschulung recht gut. Pfarrer Jung: „Die Familie freut sich sehr auf die künftige Eigenständigkeit. Sie wird sich hier heimisch fühlen.“

Rund 50 000 Euro wird die Grundsanierung kosten; ein Bankkredit wird über Mieteinnahmen gut abbezahlt werden können. Der Einzug ist spätestens für den 1. Januar 2016 geplant. Die Gemeindeverantwortlichen, allen voran Hans Kemmer vom Verwaltungsrat, hoffen jedoch, dass es noch vor Weihnachten zu schaffen ist. In dem alten Fachwerkhäuschen betrieben schon die Schwestern der Heiligen Vorsehung die „Kinderschule“. Viele ältere Ober-Röder erinnern sich noch daran, dass sie Holz oder Kohlen mitbringen mussten, wenn sie dort ihren Kommunion- oder Konfirmationsunterricht empfingen.

Pfarrer Heitkämper wohnte dort nach seiner Pensionierung bis zu seinem Tod, und nach einer Grundsanierung bewohnte Familie Jürgensen das Häuschen und versah auch Hausmeistertätigkeiten rund ums Pfarrheim, bis mehrere Jahre nach dem Tod ihres Mannes auch Frau Jürgensen im alten Gemäuer mit dem maroden Dach die steile Treppe nicht mehr erklimmen konnte.

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chz

Quelle: op-online.de

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