Ausstellung „111 Jahre Dreieichbahn“

Originalgetreu ist das Zauberwort

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Am Götzenhainer Bahnhof ratterten bis vor wenigen Jahren sogar noch Güterzüge vorbei, die in Dieburg und Ober-Roden beladen wurden.

Ober-Roden - Der Geschichte der Dreieichbahn, der Verbindung zwischen Buchschlag und Dieburg, ist eine Ausstellung in Ober-Roden gewidmet.

Der Langener Modellbauer Volker Schauß hat sich dieser Strecke schon lange verschrieben, entsprechend originalgetreu sind seine winzig kleinen Nachbildungen bis zu den Bahnhöfen und zu Industriewerken, die an den Gleisen liegen. Die Ausstellung zur Dreieichbahn ist in dieser Form erstmals zu bestaunen, eine Premiere für alle Modellbaufreunde. „Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) war im vorigen Jahr zum 110. Geburtstag der Bahn schon auf uns zugekommen, doch jetzt erst klappte der Termin“, bedauert Modellbahnbauer Volker Schauß (Langen) und ist zugleich stolz auf seine Präsentation, zu der die HGV-Vorsitzende Patricia Lips eine große und ausführliche Text- und Bilddokumentation zusammengestellt hat. Aus den 110 Jahren wurden daher närrisch anmutende 111 Jahre. Für Modell und Dokumente organisierte HGV-Mitglied Herbert Schneider, selbst engagierter Modellbauer, einen leer stehenden Laden in der Frankfurter Straße, dessen einst italienisches Ambiente noch jetzt einen originellen Rahmen abgibt. Damit bekam die Ausstellung nicht nur sehr viel Platz, sondern auch etwas Werkstattcharakter, der sie so vom vorweihnachtlichen Bimmelbahn-Ambiente unterscheidet. Hier gibt’s nicht nur Erinnerungen pur an die lange Geschichte der Dreieichbahn, hier kann der Besucher wirklich vor, hinter und auch unter die Anlage schauen, kann sich vergleichende Bilder betrachten oder an den Wänden die Geschichte dazu nachlesen: von der einstigen Schrottfirma Totzek etwa, die neben dem Götzenhainer Bahnhof lag, oder Schauß’ erstes Werk aus dieser Reihe: die 1996 nachgebauten Sprendlinger Gaswerke, die um 1950 einen Gleisanschluss bekam.

Reinhard Herbst hat auch den Bahnhof Bieber nachgebaut. Der liegt zwar nicht an der Dreieichbahn, sondern an der Linie der heutigen S1 und war zum Beispiel für Gerdi Ziegler viele Jahre lang eine Zwischenstation auf dem Weg zur Arbeit.

Ein zusätzliches Schmankerl, das sich der Bahnstrecke von Ober-Roden nach Frankfurt widmet, ist ein Beitrag von Reinhard Herbst. Er hat die Gleisanlage in Bieber zur Zeit des S-Bahn-Baus modelliert. Sehr zur Freude von HGV-Mitglied Gerdi Ziegler, die viele Jahre lang täglich genau an dieser Stelle vorbeifuhr und sich jeder jedes Hauses erinnert. In der Ausstellung gibt’s für Modellbaufans neben einer großen Literaturausstellung auch praktische Tipps kostenlos – etwa, dass man die Bäume in ihrer unterschiedlichen Laubfärbung und -dichte aus Ponal-Kleber, Wasser und Spüli gestaltet. Taucht man die Bäume immer wieder in diese Lösung ein, bilden sich die typischen feinen Gespinste zwischen den Zweigen, erläuterte Volker Schauß.

Perfektionist Reinhard Herbst, der seine halbe Werkstatt dabei zu haben schien und der sich eindeutig ohne handwerkliche Arbeit langweilt und ständig bastelt, demonstrierte, wie man die winzig kleinen Grashalme „wachsen“ lassen kann, sodass sie auch nach oben stehen: erst eine Art Betonanstrich („damit’s echter aussieht“), darauf ganz feiner Sand, dann ein Granulat, dessen Teilchen quasi magnetisch nach oben ausgerichtet werden – viel Arbeit für ein winziges Stück Graslandschaft. Doch auch Straßenschilder, Markierungen oder sogar Kanaldeckel hat Reinhard Herbst nachgebaut.

Das Motto des Modellbauers lautet „Nichts ist irreparabel!“ So bekam auch der liebevoll rekonstruierte Götzenhainer Bahnhof rasch eine kleine Schönheitsreparatur, während sich die anderen Mitglieder des Rodgauer Modellbauclubs, unterstützt von Klaus Thierolf, um die „unterirdische“ Zugstrecke kümmerten. Sie öffneten die großen Holzkästen und legten die schier unkontrollierbar wirkenden handgelöteten Drähte und Kabel frei. Dem HGV ist Volker Schauß schon von einer früheren Ausstellung seiner Anlage im Töpfermuseum bekannt. Und seine Küstenbahn ist auch jetzt im Hintergrund mit dabei.

chz

Quelle: op-online.de

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