Sanierung wird für Baufirma zur Millionensache

Badespaß im zweiten Anlauf

+
Daniel und Leon Klotz gehörten gestern zu den ersten Gästen, die das Badevergnügen genossen. Vater und Sohn sausten die Schlangenrutsche runter.

Urberach - Rund eine Million Euro kostete die Sanierung des Badehauses Rödermark. Das 2006 eröffnete Schwimmbad mit Saunen und Wellnessbereich war sechs Monate geschlossen, um gravierende Baumängel zu beseitigen. Gestern baten die Kommunalen Betriebe (KBR) zum Neustart. Von Michael Löw 

Achteinhalb Jahre Leidenszeit gehen zu Ende, sagte Klaus Depold, Geschäftsführer der Firma Lupp. Das Unternehmen aus Nidda hatte in den Jahren 2005 und 2006 das alte Urberacher Hallenbad zum Badehaus umgebaut. Doch von Anfang an lief Wasser durch schlecht abgedichtete Fugen dorthin, wo es nichts zu suchen hat: in die Technikräume oder das Foyer unter den Schwimmbecken. „Wir haben es einmal falsch gemacht“, räumte der Lupp-Manager gestern unumwunden ein. Im zweiten Anlauf habe sein Unternehmen alles richtig machen wollen. Deshalb habe Lupp eine Million Euro in die Sanierung gesteckt, sagte Depold gegenüber unserer Zeitung. Er habe intern hart um eine große Lösung kämpfen müssen. Doch dieser Vergleich, den Depold und Erster Stadtrat Jörg Rotter in monatelangen Gesprächen ausgehandelt hatten, ersparte beiden Seiten ein langes Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang.

Lupp ließ nicht nur jene Fliesen rausreißen, deren Fugen durchlässig waren, sondern alle. Die Beckenränder wurden erneuert, die Armaturen in den Duschen komplett abgedichtet. Die Heizungsrohre, die anfangs durch die Decken liefen und damit dem Wasser freie Bahn verschafften, verschwanden in den Wänden. Und das Badehaus hat erstmals seit seiner Eröffnung ein dichtes Dach. Dass das seinen Zweck nicht erfüllt, hatte sich schon während des Hallenbad-Umbaus 2005/2006 herausgestellt. Mangels Geld verständigten sich Stadt und Unternehmen damals aber nur auf eine Minimallösung ohne zeitgemäße Dämmung. Die Hängepartie zwischen Stadt und Bauunternehmen hatte sich über Jahre hingezogen. Doch am Ende stand der Kompromiss, der Rödermark ein runderneuertes Badehaus bescherte. Dass die Kooperation trotz des großen Streitwerts bestens funktionierte, bewies die Einladung Depolds zur Wiedereröffnung. Stadtrat Rotter dankte ihm ausdrücklich dafür.

Lesen Sie dazu auch:

Defizit im Badehaus soll schrumpfen

Er dankte auch den KBR-Mitarbeitern, die die Schließzeit in anderen Abteilungen der Stadtverwaltung überbrückt oder Urlaub beziehungsweise Überstunden abgebaut hatten. Sie hätten auch engagiert an der Neuausrichtung mitgewirkt: Die Damen der Kasse managen jetzt auch die Gastronomie. „Welcher Bürgermeister kann in seiner Amtszeit schon zwei Badehäuser eröffnen?“, freute sich Verwaltungschef Roland Kern über eine Rödermärker Besonderheit. Er gestand aber zugleich ein, dass das Badehaus die größte Hoffnung nicht erfüllt hatte: Nämlich durch einen profitablen Saunabetrieb das jährliche Schwimmbaddefizit von 400.000 Euro auf Null zu drücken. Seit nunmehr fast neun Jahren müssen Stadt und KBR per anno rund 1,1 Millionen Euro zubuttern. Nicht mit Geld aufzuwiegen sei jedoch die Tatsache, dass jedes Rödermärker Kind nach der Grundschule schwimmen kann.

Babyschwimmen im Badehaus Urberach

Babyschwimmen im Badehaus Urberach

Seit 10 Uhr gestern Morgen dürfen die Rödermärker wieder schwimmen und schwitzen. Eine ältere Dame war bei freiem Eintritt die erste Besucherin. Sie hatte die badehaus-lose Zeit in Heusenstamm überstanden. Noch weitere Wege hatte die Familie Klotz auf sich genommen. „Wir sind bis ins Miramar nach Weinheim gefahren“, erzählte Vater Daniel Klotz, der sich mit Kindern und Frau im kleinen Becken tummelte. Maya und Leon hatten ihren Spaß mit der großen „Wasserpistole“ am Rand. Nicht nur der Papa bekam einen Schwall ab... Schwimmmeister Claudius Lamprecht erzählte, dass die Sehnsucht der Rödermärker nach ihrem Badehaus riesig war: „Beim Bäcker und Metzger haben mich die Leute fast jedes Mal gefragt, ob wir tatsächlich am 2. Januar wieder aufmachen.“

Sommer-Schneeballschlacht im Badehaus

Sommer-Schneeballschlacht im Badehaus

Quelle: op-online.de

Kommentare