Berufsfeuerwehr-Wochenende

Jugend ist für den Ernstfall gerüstet

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Vier Menschen - in Wirklichkeit drei Puppen und ein Junge - waren im DRK-Heim in der Dockendorffstraße vom Rauch und Flammen eingeschlossen. Viel Wasser schützte die umliegenden Gebäude.

Rödermark - Einmal das Gefühl haben, wie es wohl sein mag, als Berufsfeuerwehrmann 24 Stunden und mehr am Stück in der Feuerwache auf seinen Einsatz zu warten – das ist die Intension des Berufsfeuerwehrwochenendes. Ihm schließen sich alljährlich auch beide Rödermärker Jugendwehren an.

Mittags in der Wache ankommen, Feldbetten aufbauen, erster Unterricht, ständig auf die extra eingebaute Sirene achten – rund 20 Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren in Ober-Roden und 14 in Urberach, darunter natürlich auch Mädchen, ließen sich diese spannende Zeit nicht entgehen und wurden auch gut durch die Rödermärker Flure gehetzt. Aufteilung in Wagen-Besatzungen, Unterricht in Fahrzeugkunde, dann der erste Einsatz. Zurück, Geräte aufräumen – und das gleich noch einmal. Nach selbstgekochtem Essen kaum entspannt in den Abend gestartet, kam der nächste Einsatz. Spiele, Herumalbern, kaum Schlaf, viel Spaß trotz langsam aufkommender Müdigkeit, zuletzt eine große Abschlussübung – so sah es von Freitag auf Samstag in Ober-Roden und von Samstag auf Sonntag in Urberach aus. Die Bewohner wunderten sich schon über häufiges Sirenengeheul und gut versteckte Strohballen oder Schrott-Unfallautos, doch die relativ entspannten Einsätze machten auch den Passanten rasch klar: hier wird nur geübt.

In Ober-Roden fing’s dabei ganz undramatisch an: Unkrautbrand auf einem Feld an der Kläranlage, Verbrennung von Grünschnitt, schließlich ein vermeintlich gestürzter Radfahrer an einer Böschung, der Hilfe benötigte. Abends ein großes Feuer am Festplatz. Am nächsten Morgen eine Ölspur im Industriegebiet sowie ein Garagenbrand mit einer verletzten Person. Zur großen Abschlussübung, ausgearbeitet von Merlin Rebel und seinem Team, wurde die eintägige „Berufsfeuerwehr“ ins DRK-Heim in der Dockendorffstraße gerufen: Wohnungsbrand mit vermissten Personen- drei Dummy-Puppen und einem Jungen, der aus dem Fenster im ersten Stock verzweifelt um Hilfe rief.

Mit viel Wasser versuchten die jungen Retter den Übergriff der Flammen zu vermeiden – von DRK-Chef Wolfgang Müller von der Straße aus doch etwas besorgt beobachtet, zumal ein Fenster im Obergeschoss offen stand. Doch die Wehr räumt ja schließlich auf, wenn sie freundlicherweise Grundstücke und Objekte zum Üben bereitgestellt bekommt. In Urberach wollten 14 Kinder und Jugendliche den rauen Alltag eines Feuerwehrmannes erleben. Durch den derzeit beliebten „Feuerwehrmann Sam“ der TV-Serie innerlich vorbereitet auf alle möglichen Eskapaden, merkten sie rasch, dass es neben sehr viel Spaß auch Arbeit ist, was die Berufsfeuerwehr erwartet.

Auch hier ging es unspektakulär los: War’s im letzten Jahr noch eine (Plüsch-)Katze, die sich im Baum gegenüber dem Kino versteckt hatte, so wars diesmal ein Minion, der gelb-blau aus den Zweigen lugte und auf Rettung wartete. Doch es ging weiter: unklare Rauchentwicklung beim Festplatz auf der Bulau, eine unter einem PKW eingeklemmte Person in der Siemensstraße, Öl-und Glasbruchentsorgung nach einem Verkehrsunfall, Flächenbrand beim Umspannwerk. Statt Abendruhe gab’s Menschenrettung – und das auf dem „Villa Kunterbunt“-Gelände der einstigen Helene-Lange-Schule. Ein Küchenbrand sorgte für helle Aufregung, zumal eine Person vermisst wurde.

Kevin Kowalzik und der Jugendausschuss hatten die Übung ebenso wie das ganze Wochenende vorbereitet. Die Teilnehmer merkten rasch, dass es nachts doch allein schon wegen der Dunkelheit alles so seine Tücken hat. Doch alles ging gut aus. Schließlich wurden die Ersthelfer noch zu einem Fehlalarm beim OBI-Baumarkt gerufen und morgens beansprucht für die Entsorgung eines Baumes beim Geflügelzuchtverein und zur Aufnahme unbekannter Flüssigkeiten, die aus einem Anhänger flossen.

Nach der Fahrzeugpflege gab’s am Sonntag Mittag die große gemeinsame Abschlussübung am Hallhüttenweg. Danach kamen beim letzten Aufräumen und beim Abschlussessen dann doch erste Müdigkeitserscheinungen bei den Jugendlichen wie bei den Betreuern. Aber schön war’s trotzdem, waren sich alle Neulinge einig. (chz)

Quelle: op-online.de

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