Wildunfälle in Rödermark

Blaulicht hält Rehe von Straße fern

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Mit starken Kabelbindern befestigt Jagdpächter Michael Bittner die leuchtend blau strahlenden Wildwarnreflektoren überall da, wo keine Begrenzungspfähle sind, an den Laternenmasten. Sie sollen Wildunfälle reduzieren.

Rödermark - Einmal pro Monat kracht rund um Rödermark ein Auto gegen ein Reh. Die Unfälle enden für die Tiere tödlich und für die Autofahrer beziehungsweise deren Versicherungen teuer. Von Christine Ziesecke 

Jagdpächter Michael Bittner versucht, die Gefahr mit blauen Reflektoren an den gefährlichsten Strecken zu bannen. Michael Bittner hat das Jagdrevier Ober-Roden Nord im vorigen Frühjahr übernommen. Bis Ende 2014 registrierte er acht Wildunfälle an öffentlichen Straßen. Die Folge: tote Rehe, kaputte Autos, hohe Reparaturkosten, Polizeieinsätze und Entsorgung der Kadaver durch den Jagdpächter - und dies häufig mitten in der Nacht.

Eine Möglichkeit, diese Wildunfälle zu reduzieren, sind blauen Reflektoren, die an den Leitpfosten angebracht werden. Durch eine Folie wird das Scheinwerferlicht nahender Fahrzeuge in Richtung Feld oder Wald gelenkt. Da Wildtiere die blaue Farbe sehr stark wahrnehmen, sollen sie dadurch vom Überqueren der Straße abgehalten werden. Jetzt im beginnenden Frühjahr, wenn das Rehe wieder vermehrt unterwegs sind, hat Bittner 180 Stück dieser blauen Warnreflektoren gekauft. Hessen Mobil hat sie kostenlos entlang der Bundes- und Landesstraßen angebracht, Michael Bittner und ein Jagdfreund haben sie an städtischen Straßen befestigt: auf der L 3097 Richtung Rollwald oder an der Kapellenstraße. Auf der einen Seite hängen sie an jedem vierten Begrenzungspfahl, auf der anderen Straßenseite, an der es keine Leitpfosten gibt, wurden sie mit Kabelbindern an den Laternenpfosten befestigt.

Nur musste Bittner hier schon den ersten „Schwund“ feststellen. Souvenierjäger haben zugeschlagen. Da die Reflektoren 5,35 Euro pro Stück kosten, erstattete er Anzeige bei der Dietzenbacher Polizeidienststelle und regte an, die betroffenen innerörtlichen Straßen in die Runden der freiwilligen Polizeidiensthelfer aufzunehmen. Außerdem hofft er, dass sich jeder, der etwas Auffallendes bemerkt, mit der Polizei in Verbindung setzt. Früher rot oder weiß und in anderer Form, werden aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse die neuen Reflektoren nun auf der der Straße abgewandten Seite montiert. Dieses Verfahren wurde auf Teststrecken vom Landes-Pachtverband Rheinland-Pfalz, dem Deutschen Jagdverband und dem ADAC über längere Zeiträume erfolgreich probiert.

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Michael Bittner setzt auf diese Neuerung, auch wen es ihn bislang teuer zu stehen kommt. „Ich wollte etwas tun, um Wildunfälle zu reduzieren. Jetzt strahlen die Reflektoren nagelneu weithin. Und was das Reinigen betrifft, mache ich das notfalls mit einem Eimerchen und einem Lappen ein paar Mal im Jahr selbst“, verspricht der Jagdpächter, dem es ein dringendes Bedürfnis ist, Tiere wie Autofahrer zu warnen und voreinander zu schützen. Allerdings hofft er derzeit noch auf Unterstützer für sein teures Lebensrettungsprogramm.

Quelle: op-online.de

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