Serie über Spielplätze in Rödermark

In Waldacker wird Blech-Rutsche sehr heiß

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Das Kletterhaus mit Rutsche ist für kleine Kinder riesig und fordert einiges an Mut. Vor allem, wenn’s heiß ist, muss man schon einigermaßen schmerzfrei sein, um dort zu rutschen. Da war Lotta schon eher von den Schaukeln begeistert.

Rödermark - Spielgeräte zu alt, phantasielos oder sogar kaputt? Zu viele Hundehaufen und Müll? Wir machen im Sommer den großen Spielplatztest. Heute: Der Spielplatz in Waldacker. Von Christine Ziesecke

Wenn am kommenden Dienstag, 1. September, ab 17 Uhr der neue Bouleplatz am östlichen Ende des Spielplatzes eingeweiht wird, so bekommt dieser Platz nun wieder mehr Aufmerksamkeit. Früher gab es zwei Spielplätze in Waldacker; längst ist es nur noch der eine, der gut gewartet wird, aber ansonsten eher einen Dornröschenschlaf pflegt. Der späte Charme der Bourgeoisie – das fällt einem Besucher wohl unweigerlich hier direkt am 50. Breitengrad ein. Immer wieder irgendwie verändert und erneuert und regelmäßig gepflegt, aber eben ein Platz, wie er auch schon vor 35 Jahren ähnlich war.

Zumindest das Drehkarussell ist in seinen grundlegenden Teilen noch das gleiche, mit denselben Kratzmotiven auf dem großen Drehrad in der Mitte. Heute mit Lotta im Test, saß vor 35 Jahren schon Lottas Mama mit ihren Brüdern hier und drehte und drehte, bis ihr schwindelig und spätestens auf dem Heimweg schlecht wurde – und das nicht nur einmal. Der Reiz dieser Spielgeräte, die langsam auszusterben scheinen, ist immer noch der gleiche: Lotta (knapp 2) liebt dieses Teil, und Schwester Emma (5) muss ebenso wie ihre Mama einst immer wieder mal erinnert werden, dass einem davon kringelig wird…

Zwei große Doppelwippen, ein erst vor wenigen Jahren gesponserter sehr stabiler Kletterturm mit einer langen Rutsche und die darum herum laufende Brücke mit der Krabbelröhre darunter – das macht Spaß auch mit Rollschuhen oder mit dem Roller. Hier haben sich wohl schon so einige Schrammen in Knien und Händen verewigt. Trotzdem ist es eine kleine Herausforderung für verschiedene Alters- und Schwierigkeitsgrade. Wer etwas ängstlich ist, muss sich überwinden, in das dunkle Holzhaus mit den zwei Fenstern hineinzuklettern. Für Lotta ist das nichts; dann lieber die große Wippe, zu der man notgedrungen einen Mit-Wipper braucht. Oder die großen Flusskiesel, auf denen es sich gut balancieren lässt.

Das schönste aber, auch wenn Eltern – für die es zahlreiche Bänke gibt – das oft anders sehen, sind das etwas unheimliche und geheimnisvolle Gebüsch auf der Südseite des Platzes und die alten Obstbäume samt der Linde, die den Platz begrenzen. Hier kann man sich verstecken, hier kann man klettern und hier ist’s gegen Abend auch mal gruselig. Das war auch vor 35 Jahren schon so.

Bestes Beispiel für in Rödermark funktionierende Quartiersarbeit ist neben dem gemeinsam geplanten und gebauten Bouleplatz auch eine ganz praktische Auswirkung. Während Lotta schaukelte, kam ein älterer Bürger mit einer blechernen Schubkarre vorbei und beschäftigte sich am Sand rund um die Krabbelröhre. Befragt, was er denn da tue, kam eine überraschende Antwort: Der Anwohner kontrolliert alle zwei, drei Tage den Sand auf dem Spielplatz auf Scherben, Zigarettenkippen und andere für Kinder gefährliche Kleinteile – und entsorgt sie zuhause.

„Ich wohne ja gleich um die Ecke hier in der Amselstraße. Zuhause siebe ich das durch, den Abfall schmeiße ich weg und den Sand bring ich wieder hierher. Ich hab doch Zeit, und hier sind so oft Scherben, weil sich hier Jugendliche abends oft noch treffen. Das ist doch gefährlich für die Kleinen.“ Der Dank aller Eltern, die diesen Spielplatz für ihre Kinder nutzen, ist dem Mann sicher. Der von Lottas ganzer Familie sowieso.

Quelle: op-online.de

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